Trump-Zinsdeckel: Banken warnen vor Kreditkarten-Kollaps
US-Präsident Donald Trump fordert eine drastische Zinsobergrenze von 10% für Kreditkarten. Banken und Finanzinstitute schlagen Alarm: Bis zu 88% aller Kreditkartenkonten könnten geschlossen werden.

US-Banken und Finanzinstitute wehren sich vehement gegen den von Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Zinsdeckel für Kreditkarten. Der Präsident hatte am Freitag eine einjährige Obergrenze von 10% für Kreditkartenzinsen gefordert, die bereits am 20. Januar in Kraft treten sollte. Details zur Umsetzung blieben jedoch aus.
Massive Auswirkungen auf Verbraucher befürchtet
Die Electronic Payments Coalition (EPC), die Finanzinstitute und Zahlungskartennetzwerke vertritt, warnt vor dramatischen Folgen. Laut ihrer Analyse würden nahezu alle Kreditkartenkonten von Inhabern mit einem Kredit-Score unter 740 geschlossen oder stark eingeschränkt. Dies betrifft zwischen 82% und 88% aller offenen Kreditkartenkonten in den USA.
"Eine pauschale staatliche Preisobergrenze mag verlockend klingen, aber sie würde den Amerikanern nicht helfen – sie würde genau das Gegenteil bewirken, Familien schaden, Möglichkeiten einschränken und unsere Wirtschaft schwächen", erklärte Richard Hunt, Executive Chairman der EPC.
Aktuelle Zinssituation dramatisch
Die Hintergründe von Trumps Vorstoß sind nachvollziehbar: Laut Daten des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) erreichten die durchschnittlichen effektiven Jahreszinsen 2024 ihren höchsten Stand seit 2015. Für Allzweckkarten lagen sie bei 25,2%, für Private-Label-Karten sogar bei 31,3%. Zudem leisteten 2024 so viele Karteninhaber wie seit 2015 nicht mehr nur die Mindestzahlung.
Banken befürchten Kreditklemme
Die Finanzindustrie argumentiert, dass eine Zinsobergrenze von 10% die Kreditvergabe unrentabel machen würde. Die Folgen für Verbraucher wären paradox: Statt niedrigerer Zinsen drohen höhere Jahresgebühren, Kürzungen bei Kreditkartenprämien und mehr monatliche Kontogebühren. Besonders Subprime-Kreditnehmer, die ohnehin ein höheres Ausfallrisiko darstellen, würden vom Markt ausgeschlossen.
Umsetzung unklar
Branchenexperten bezweifeln ohnehin die rechtliche Umsetzbarkeit ohne Zustimmung des Kongresses. Michael Miller, Analyst bei Morningstar, schrieb: "Die Erklärung von Präsident Trump war größtenteils ein Aufruf zum Handeln und enthielt keine politischen oder legislativen Ankündigungen. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass eine Obergrenze eingeführt wird."
Bedeutung für deutsche Anleger
Für Investoren in US-Bankaktien und Kreditkartenunternehmen bedeutet Trumps Vorstoß erhöhte Unsicherheit. Kreditkartenzinsen und damit verbundene Gebühren sind eine wichtige Gewinnquelle für Banken. Eine Deckelung würde Geschäftsmodelle fundamental verändern und könnte die Profitabilität erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig warnen Ökonomen vor negativen Auswirkungen auf die Konsumausgaben, die das Rückgrat der US-Wirtschaft bilden.
