Trump setzt Untersuchungsausschuss gegen Fed-Gouverneurin Cook ein
Mit einer Anhörung am 5. November eskaliert Trump seinen seit über einem Jahr andauernden Kampf um die Entlassung von Lisa Cook.

US-Präsident Donald Trump hat eine neue Eskalationsstufe im Konflikt mit der Federal Reserve gezündet. Per präsidialem Memorandum vom 7. Oktober setzte er einen Untersuchungsausschuss ein, der Vorwürfe gegen Fed-Gouverneurin Lisa Cook prüfen soll. Konkret geht es um Anschuldigungen, Cook habe falsche Angaben in Hypothekenanträgen gemacht. Trump will damit einen „wichtigen Grund" für ihre Entlassung belegen – die rechtliche Hürde, die der Oberste Gerichtshof der USA ihm zuvor auferlegt hatte.
Cook ist seit 2022 Mitglied des Fed-Direktoriums und die erste schwarze Frau in diesem Gremium. Sie wurde 2023 vom damaligen Präsidenten Joe Biden für eine Amtszeit bis 2038 wiedergewählt. Ihre Anwälte Abbe Lowell und Norm Eisen wiesen die Vorwürfe umgehend zurück: „Sollte die Anhörung auch nur annähernd objektiv sein, wird das Ergebnis lauten, dass Gouverneurin Cook keinen Hypothekenbetrug begangen hat, womit es keinen Grund für ihre Absetzung aus dem Gouverneursrat der Federal Reserve gibt." Cook selbst begrüße die Gelegenheit, die Fakten darzulegen, so ihre Anwälte.
Trump begründete den Schritt in einer Mitteilung auf der Website des Weißen Hauses mit seiner Pflicht als Präsident: „Als Präsident ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Gesetze getreulich ausgeführt werden. Dazu gehört auch die Entlassung von Untergebenen, denen man nicht vertrauen kann, dass sie die Wahrheit sagen und das Gesetz befolgen."
Die Details
Die Anhörung ist für den 5. November angesetzt – zwei Tage nach den US-Kongresswahlen, bei denen entschieden wird, ob Trumps Republikanische Partei die Kontrolle über Repräsentantenhaus und Senat behält. Das Gremium wird Cook in einer geschlossenen, vierstündigen Sitzung im Weißen Haus befragen. Dem Ausschuss gehören Trumps wichtigster wirtschaftspolitischer Berater Kevin Hassett, die Vorsitzende der Equal Employment Opportunity Commission Andrea Lucas sowie der amtierende Direktor des Office of Government Ethics Keith Sonderling an. Die Befragung durch Ausschussmitglieder, ihre Vertreter oder Mitarbeiter des Justizministeriums darf „nicht länger als vier Stunden" dauern.
Nach der Anhörung hat Cook bis zum 10. November Zeit, eine schriftliche Erklärung einzureichen. Danach soll der Ausschuss Trump „so bald wie möglich" eine Empfehlung darüber abgeben, ob ein Grund für ihre Absetzung vorliegt. Eine erfolgreiche Entlassung würde eine Vakanz im siebenköpfigen Direktorium der Federal Reserve schaffen. Cooks Anwälte gaben an, bezüglich des Verfahrens mit dem Weißen Haus in Kontakt zu stehen.
Senatorin Elizabeth Warren, die ranghöchste Demokratin im Bankenausschuss des Senats, bezeichnete die Anhörung als „Scheinprozess" und Teil von Trumps „gefährlichem Bestreben, die Zentralbank unseres Landes illegal zu übernehmen."
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 8. August 2026 berichtete aktien.news, dass Trump die Entlassung von Cook erneut erwäge. Das Weiße Haus hatte damals mitgeteilt, es gebe „hinreichenden Grund zu der Annahme", dass Cook in Hypothekenverträgen falsche Angaben gemacht habe. Trumps stellvertretender Stabschef Dan Scavino hatte ein entsprechendes Schreiben an Cook versandt. Dieser Schritt belebte ein Vorhaben wieder, das der Supreme Court zuvor mit einem knappen Urteil von 5 zu 4 Stimmen vorläufig gestoppt hatte.
Wie aktien.news am 22. Januar 2026 berichtete, hatte der Oberste Gerichtshof zuvor über den wegweisenden Fall verhandelt. Die Vorwürfe des Hypothekenbetrugs gehen auf Bill Pulte zurück, den Leiter der Federal Housing Finance Agency und einen Trump-Vertrauten. Cook soll bei zwei Immobilien fälschlicherweise den Hauptwohnsitz angegeben haben, um günstigere Hypothekenkonditionen zu erhalten. Cook wies diese Anschuldigungen stets als haltlos zurück.
Am 20. Januar 2026 berichtete aktien.news zudem, dass Fed-Chef Jerome Powell der mündlichen Verhandlung vor dem Supreme Court persönlich beiwohnte – ein ungewöhnlicher Schritt, der die Brisanz des Falls für die Unabhängigkeit der Notenbank unterstrich. Das Urteil des Supreme Court ließ Cook schließlich im Amt, verwies den Fall jedoch an ein Bundesbezirksgericht zurück. Dort setzte Richterin Kia Cobb eine Frist bis zum 6. November, innerhalb derer die Anwälte beider Seiten einen gemeinsamen Verfahrensvorschlag einreichen müssen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Konflikt vor allem wegen seiner möglichen Auswirkungen auf die US-Geldpolitik relevant. Die Federal Reserve beeinflusst über ihre Zinsentscheidungen maßgeblich die globalen Kapitalmärkte – und damit auch Portfolios, die in US-Aktien, Anleihen oder den Dollar investiert sind. Trump wirft der Fed vor, Zinssenkungen aus politischen Gründen zu verweigern, und strebt offensichtlich mehr Kontrolle über die Zentralbank an.
Krishna Guha, Analyst bei Evercore ISI, warnte: Trump scheine zu glauben, dass der restriktive Kurs der Fed daran liege, dass sein gewählter Vorsitzender Kevin Warsh von einem „falkenhaften und politisch feindseligen Fed-Direktorium in die Enge getrieben" werde. Guhas Einschätzung: Trumps Untersuchungsausschuss „stellt eine erneute Drohung gegen die Unabhängigkeit der Fed dar und wird im Hinblick auf den Wunsch des Präsidenten nach niedrigeren Zinsen kontraproduktiv sein." Cook hat bisher stets mit der Mehrheit im geldpolitischen Ausschuss der Fed gestimmt, der im vergangenen Monat unter der Leitung von Kevin Warsh die Zinsen angehoben hatte. Trump hatte Warsh im Mai als Nachfolger von Jerome Powell ernannt.
Zusätzlich belastet wird das Bild durch Vorwürfe gegen Powell selbst: Trump hatte behauptet, Powell könnte in finanzielle Verfehlungen im Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten am Fed-Gebäude verwickelt sein. Eine strafrechtliche Untersuchung des Justizministeriums wurde inzwischen abgeschlossen, und eine unabhängige Aufsichtsbehörde wies die Vorwürfe im vergangenen Monat zurück.
Ausblick
Die nächsten Wochen sind terminlich eng getaktet. Am 5. November findet die vierstündige Anhörung im Weißen Haus statt. Am 6. November läuft die vom Bundesbezirksgericht gesetzte Frist ab, bis zu der Trumps und Cooks Anwälte einen gemeinsamen Verfahrensvorschlag einreichen müssen. Bis zum 10. November kann Cook nach der Anhörung eine schriftliche Erklärung beim Ausschuss einreichen. Danach empfiehlt der Ausschuss Trump, ob ein Entlassungsgrund vorliegt. Wie der Präsident auf diese Empfehlung reagiert und wie das Bundesbezirksgericht das Verfahren weiterführt, bleibt abzuwarten.
Kurz erklärt
- Federal Reserve: Die Zentralbank der USA, die unabhängig von der Regierung über Leitzinsen und Geldpolitik entscheidet.
- Wichtiger Grund (Cause): Rechtlicher Standard, den ein Präsident nachweisen muss, um einen Beamten mit gesetzlich geschütztem Amt zu entlassen.
- Geldpolitischer Ausschuss (FOMC): Das Gremium der Federal Reserve, das über Leitzinsänderungen in den USA abstimmt.
