Trump: Scott Bessent wird nicht KI-Beauftragter des Weißen Hauses
US-Präsident Donald Trump dementiert Berichte, wonach Schatzminister Scott Bessent die Koordination der KI-Politik übernehmen sollte.

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag klargestellt, dass Schatzminister Scott Bessent nicht zum Koordinator für künstliche Intelligenz (KI) ernannt wird. Damit trat der Präsident Berichten entgegen, wonach Bessent für einen solchen Posten im Gespräch gewesen sein soll. Zuvor hatten die Nachrichtenagentur Reuters und das Portal Semafor übereinstimmend gemeldet, dass Trump Bessent für diese Aufgabe in Betracht zog.
Die Klarstellung fiel am Freitag und damit am selben Tag, an dem die Berichterstattung über die Personalie öffentlich wurde. Der Vorgang ist Teil einer seit Monaten andauernden Debatte darüber, wie die US-Regierung ihre Politik im Bereich der künstlichen Intelligenz organisieren will. Auffällig ist, dass das Weiße Haus bislang keinen offiziellen Koordinator für diesen Bereich benannt hat.
Bessent ist als Schatzminister bereits mit einem der einflussreichsten Ressorts der US-Regierung betraut. Eine zusätzliche Zuständigkeit für die KI-Politik hätte seine Rolle im Kabinett deutlich erweitert. Genau diese Personalie steht nun nicht mehr zur Debatte.
Die Details
Trump sagte am Freitag, Bessent werde nicht zum „Kümmern“ für seine künstliche Intelligenz ernannt. Die Formulierung des Präsidenten bezog sich auf die Koordination der KI-Agenda des Weißen Hauses. Die Meldung wurde als sich entwickelnde Nachricht veröffentlicht, weitere Updates wurden angekündigt.
Auslöser der Debatte waren übereinstimmende Berichte von Semafor und Reuters, die Bessent als möglichen Kandidaten für den Posten nannten. Beide Medien hatten zuvor über eine entsprechende Erwägung aus dem Umfeld des Präsidenten berichtet. Trump selbst hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich festgelegt.
Bereits am 19. September hatte Trump erklärt, er werde eine „AI Force“ bilden, ähnlich wie er zuvor die Space Force gegründet hatte. Diese Ankündigung blieb bislang ohne eine namentliche Benennung eines Verantwortlichen. Die nun erfolgte Absage an Bessent lässt die Frage nach der Leitung dieser Struktur offen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Trump-Administration keine neue Regierungsbehörde zur Überwachung fortschrittlicher KI-Modelle einrichten werde. Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates des Weißen Hauses, erklärte damals gegenüber dem Sender CNBC, die Regierung erteile einem zentralen Regulierungsansatz für künstliche Intelligenz eine klare Absage. Stattdessen setze die Administration auf Zusammenarbeit mit dem Privatsektor, um sicherzustellen, dass KI-Modelle vor ihrer öffentlichen Freigabe keinen erheblichen Schaden verursachen.
Am 25.03.2026 berichtete aktien.news, dass Trump 13 führende Köpfe der Technologiebranche in den Beraterstab des Präsidenten für Wissenschaft und Technologie (PCAST) berufen hat. Zu den Ernannten zählen Nvidia-Chef Jensen Huang, Meta-Gründer Mark Zuckerberg, Google-Mitbegründer Sergey Brin sowie AMD-CEO Lisa Su. Das Weiße Haus kündigte an, dass der Rat künftig bis zu 24 Mitglieder umfassen soll. Der Vorsitz liegt gemeinsam bei David Sacks, dem KI- und Krypto-Beauftragten des Weißen Hauses, und Technologieberater Michael Kratsios.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass Trump die wachsenden Sicherheitsbedenken im Bereich der künstlichen Intelligenz als „Hoax“ bezeichnete und sich damit offen gegen Forderungen von KI-Unternehmensführern nach strengeren Regulierungen stellte. Die Reaktion der Märkte folgte prompt: KI-bezogene Aktien verzeichneten deutliche Verluste. In einer Serie von Beiträgen auf seiner Plattform Truth Social argumentierte Trump, dass China das einzige Land wäre, das über eine Verlangsamung der KI-Entwicklung glücklich wäre.
Auch Bessent selbst stand bereits im Zentrum politischer Aufmerksamkeit. Am 06.02.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Finanzminister die Möglichkeit einer strafrechtlichen Untersuchung gegen Kevin Warsh nicht ausgeschlossen hatte. Warsh ist Trumps Kandidat für den Vorsitz der Federal Reserve. Hintergrund war eine Äußerung Trumps, Warsh zu verklagen, falls dieser die Zinsen nicht entsprechend senke. Traditionell respektieren US-Präsidenten die Unabhängigkeit der Fed bei Zinsentscheidungen.
Was das für Anleger bedeutet
Die Personalie ist für den Markt vor allem deshalb relevant, weil sie signalisiert, wie die US-Regierung ihre KI-Politik künftig steuern will. Wer die Koordination übernimmt, beeinflusst maßgeblich, ob der Schwerpunkt auf staatlicher Regulierung oder auf Kooperation mit der Privatwirtschaft liegt. Der Archivbericht vom 11.05.2026 deutet darauf hin, dass die Administration den kooperativen Weg bevorzugt.
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht insofern von Bedeutung, als die US-KI-Politik ein zentraler Treiber für die Bewertung von Technologieaktien ist. Der Archivbericht vom 15.09.2026 zeigt, wie unmittelbar der Markt auf politische Aussagen des Präsidenten reagiert: Nach der Bezeichnung der KI-Sicherheitsbedenken als „Hoax“ verzeichneten KI-bezogene Aktien deutliche Verluste.
Zugleich bleibt die Struktur der KI-Beratung des Weißen Hauses unverändert bestehen. Der PCAST-Rat mit Vertretern von Nvidia, Meta, Google und AMD sowie der gemeinsame Vorsitz von David Sacks und Michael Kratsios bestehen weiter. Eine Bewertung einzelner Titel lässt sich aus der Personalentscheidung allein nicht ableiten.
Ausblick
Offen bleibt, wer die am 19. September angekündigte „AI Force“ führen soll. Trump hatte die Bildung dieser Struktur angekündigt, ohne einen Namen zu nennen. Nach der Absage an Bessent ist die Besetzung weiterhin unklar.
Die Meldung wurde ausdrücklich als sich entwickelnde Nachricht veröffentlicht. Weitere Angaben aus dem Weißen Haus zu Personalien und zur Ausgestaltung der KI-Politik sind daher zu erwarten. Konkrete Termine oder Namen nannte die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- KI-Czar: umgangssprachliche Bezeichnung für einen Koordinator, der die KI-Politik einer Regierung ressortübergreifend steuert.
- AI Force: von Trump angekündigte Struktur zur Bündelung der KI-Aktivitäten, benannt in Anlehnung an die Space Force.
- PCAST: der Beraterstab des US-Präsidenten für Wissenschaft und Technologie, in dem auch Führungskräfte der Tech-Branche sitzen.
