Trump schließt US-Angriffe auf Iran vor den Midterms aus
Der US-Präsident verweist auf produktive Gespräche mit Teheran und Rekordmengen an Rohöl durch die Straße von Hormus.

US-Präsident Donald Trump hat in einem Beitrag in den sozialen Medien erklärt, dass die Vereinigten Staaten vor den Midterm-Wahlen im November keine militärischen Angriffe gegen den Iran durchführen werden. Als Begründung führte der Präsident „produktive Gespräche" mit der Islamischen Republik an. Zudem betonte er, dass Rohöl in „Rekordmengen" durch die Straße von Hormus transportiert werde.
Die Ankündigung markiert eine bemerkenswerte Verknüpfung von nationalen Sicherheitsfragen mit der innenpolitischen Agenda. Die Entscheidung, von neuen Offensivschlägen abzusehen, erfolgt trotz einer deutlichen Eskalation der Spannungen in der Region. So wurden zuletzt verstärkt Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus verzeichnet, während vom Iran unterstützte Milizen in Jemen Energieanlagen in Saudi-Arabien attackierten. Zudem hatte die US-Regierung zuvor US-Bomber von einem Stützpunkt in Großbritannien verlegt, um sie vor potenziellen Bedrohungen durch den Iran zu schützen.
Die Entspannungssignalisierung aus Washington hatte unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte. Nachdem der Ölpreis am Donnerstag noch um mehr als 4 % gestiegen war, verzeichnete der Markt nach der Ankündigung einen Rückgang. Brent-Öl fiel unter die Marke von 103 US-Dollar pro Barrel, während West Texas Intermediate (WTI) bei etwa 90 US-Dollar notierte. Die Märkte reagieren damit auf die Aussicht, dass für den Zeitraum von mehr als drei Wochen keine militärische Eskalation gegen Teheran zu erwarten ist.
Die Details
Der Präsident nutzte seine Kanäle in den sozialen Medien, um die Entscheidung selbst zu kommunizieren – ein Muster, das er in diesem Konflikt bereits mehrfach gewählt hat. Zwei Begründungselemente stehen im Zentrum seiner Äußerung: die „produktiven Gespräche" mit der Islamischen Republik Iran und die Feststellung, dass Rohöl in „Rekordmengen" durch die Straße von Hormus transportiert werde. Beide Punkte deuten darauf hin, dass die US-Regierung den aktuellen Zustand als stabil genug einschätzt, um auf neue militärische Schritte zu verzichten.
Die Begründung steht in auffälligem Kontrast zur Sicherheitslage vor Ort. Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus hatten zuletzt deutlich zugenommen, und vom Iran unterstützte Milizen attackierten in Jemen Energieanlagen in Saudi-Arabien. Darüber hinaus hatte die US-Regierung US-Bomber von einem Stützpunkt in Großbritannien verlegt, um sie vor potenziellen Bedrohungen durch den Iran zu schützen. Diese Verlegung war ein defensiver Schritt und unterstreicht, wie angespannt die Lage trotz der diplomatischen Töne bleibt.
An den Rohölmärkten schlug die Ankündigung unmittelbar durch. Der Ölpreis war am Donnerstag noch um mehr als 4 % gestiegen, ehe die Aussagen des Präsidenten eine Gegenbewegung auslösten. Die globale Referenzsorte Brent fiel unter die Marke von 103 US-Dollar pro Barrel, das in den USA gehandelte West Texas Intermediate notierte bei etwa 90 US-Dollar. Der Preisrückgang spiegelt die Erwartung wider, dass für einen Zeitraum von mehr als drei Wochen keine militärische Eskalation gegen Teheran zu erwarten ist.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 22.04.2026 berichtete aktien.news, dass Trump den zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran auf unbestimmte Zeit verlängert hatte – nur wenige Stunden vor dessen geplantem Auslaufen. Die Ankündigung dämpfte damals die Sorge vor einer baldigen Wiederaufnahme der US-Angriffe. Die Reaktion der Finanzmärkte fiel allerdings weitgehend verhalten aus, da Anleger nach Einschätzung der Beobachter bereits eingepreist hatten, dass Trump einen Weg zur Verlängerung finden würde.
Am 06.05.2026 berichtete aktien.news von nachgebenden Ölpreisen, nachdem Trump Hoffnungen auf ein Abkommen mit dem Iran geweckt hatte. Brent fiel seinerzeit um 1,7 Prozent auf 108 US-Dollar pro Barrel, WTI sank um 1,6 Prozent auf 100,60 Dollar. Auslöser war die Ankündigung des Präsidenten, die US-geführte Mission zur Schiffsbegleitung durch die Straße von Hormus – bekannt als „Project Freedom" – vorübergehend auszusetzen, um zu prüfen, „ob das Abkommen finalisiert und unterzeichnet werden kann".
Am 28.08.2026 beschrieb aktien.news die US-Regierung als erheblich unter Druck stehend: angesichts der eskalierenden Spannungen im Iran-Konflikt und der damit verbundenen Energiekrise suchte Trump mit Blick auf die Kongresswahlen im November, bei denen die Republikaner ihre knappen Mehrheiten verteidigen müssen, nach Wegen, die Treibstoffkosten zu senken. Aktuelle Umfragen zeigten eine sinkende Zustimmungsrate für den Präsidenten, während die Unterstützung für den Iran-Konflikt in der US-Bevölkerung gering blieb. Die Lage in der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten, blieb festgefahren; seit Kriegsbeginn war der Verkehr dort massiv eingebrochen.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass Trump den bedingten Vorschlag Irans zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz zurückgewiesen hatte. Das Wall Street Journal hatte am Samstag unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Beamte geschrieben, Trump habe seinen Mitarbeitern mitgeteilt, er erwarte eine Wiederaufnahme der Bombardements gegen Iran nach den Midterm-Wahlen im November; eine unabhängige Bestätigung lag zunächst nicht vor. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hatte zuvor vorgeschlagen, die strategisch wichtige Meerenge wieder zu öffnen und die Atomverhandlungen mit den USA innerhalb von sieben Tagen wiederaufzunehmen, sofern die Trump-Administration die Bedingungen Teherans akzeptiere.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem über den Ölpreis relevant. Brent gilt als globale Rohöl-Referenzsorte, an der sich Preisentwicklungen an den internationalen Energiemärkten ablesen lassen. Bewegt sich dieser Preis, wirkt das mittelfristig auf die Treibstoffkosten durch – genau jener Faktor, den die US-Regierung nach Einschätzung vom 28.08.2026 mit Blick auf die Kongresswahlen senken wollte.
Bemerkenswert ist die Reaktionsgeschwindigkeit der Märkte. Ein Preisaufschlag von mehr als 4 % am Donnerstag wurde binnen kurzer Zeit teilweise abgegeben. Das zeigt, wie stark Rohöl derzeit von politischen Signalen und weniger von fundamentalen Angebots- oder Nachfragedaten getrieben wird. Wer in Energie- oder Rohstoffwerten engagiert ist, sollte diese hohe Sensitivität gegenüber einzelnen Aussagen einkalkulieren.
Gleichzeitig liefert die Vergangenheit einen Hinweis auf die Haltbarkeit solcher Entspannungssignale. Schon am 22.04.2026 fiel die Marktreaktion auf eine Verlängerung des Waffenstillstands verhalten aus, weil Anleger eine Verlängerung bereits erwartet hatten. Am 06.05.2026 gab der Ölpreis nach, als Trump die Schiffsbegleitmission aussetzte. Beide Beispiele zeigen, dass Ankündigungen kurzfristig wirken, die zugrunde liegende Konfliktlage aber bestehen bleibt.
Die Gemengelage bleibt widersprüchlich: Einerseits signalisiert Washington Gesprächsbereitschaft, andererseits wurden US-Bomber aus Großbritannien verlegt und der Öltransport durch die Straße von Hormus ist laut Trump auf Rekordniveau. Bis zur Wahl im November dominieren damit politische Motive die Wahrnehmung der Energiemärkte. Eine Einordnung als dauerhafte Entspannung lässt sich aus dem Quellenmaterial nicht ableiten, ebenso wenig eine Empfehlung für oder gegen bestimmte Positionen.
Ausblick
Nach den Aussagen des Präsidenten sind bis zu den Midterm-Wahlen im November keine US-Angriffe auf den Iran zu erwarten. Der seit dem 22.04.2026 auf unbestimmte Zeit verlängerte Waffenstillstand bildet dafür den formalen Rahmen. Parallel bleibt die im Mai ausgesetzte Schiffsbegleitmission „Project Freedom" ausgesetzt, deren Wiederaufnahme an ein mögliches Abkommen geknüpft wurde.
Auf der anderen Seite steht der Bericht des Wall Street Journal vom 26.09.2026, wonach Trump gegenüber Mitarbeitern eine Wiederaufnahme der Bombardements nach den Midterm-Wahlen in Aussicht gestellt haben soll. Diese Darstellung stützt sich auf nicht namentlich genannte US-Beamte und war zunächst nicht unabhängig bestätigt. Inhaltlich offen ist zudem der von Außenminister Araghchi unterbreitete Vorschlag, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und die Atomverhandlungen innerhalb von sieben Tagen wiederaufzunehmen.
Für die kommenden Wochen sind damit zwei Beobachtungspunkte zentral: der Wahltermin im November und der Fortgang der als „produktiv" bezeichneten Gespräche mit Teheran. Beide Größen dürften bestimmen, ob die aktuell rückläufigen Ölpreise Bestand haben.
Kurz erklärt
- Brent: Eine globale Referenzsorte für Rohöl, an der sich die Preisentwicklung am internationalen Ölmarkt ablesen lässt.
- WTI: West Texas Intermediate, die in den USA gehandelte Rohölsorte und zweite wichtige Referenzgröße der Energiemärkte.
- Straße von Hormus: Eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten, durch die Rohöl transportiert wird.
