Trump-Regierung setzt auf venezolanisches Staatsunternehmen für 100-Milliarden-Ölgeschäft
US-Investoren sollen mit PdVSA kooperieren – trotz früherer Korruptionsvorwürfe der Trump-Administration

Die Trump-Regierung vollzieht eine bemerkenswerte Kehrtwende in ihrer Venezuela-Politik. Während sie in Trumps erster Amtszeit dem staatlichen Ölkonzern Petróleos de Venezuela SA (PdVSA) Milliardenbetrug und Kokainhandel vorwarf, sollen US-Unternehmen nun Geschäftsbeziehungen mit dem maroden Staatsunternehmen aufnehmen. Im Zentrum steht ein geplanter Investitionsboom von 100 Milliarden Dollar in Venezuelas Energiesektor.
Für potenzielle Investoren entsteht dadurch ein komplexes juristisches Dilemma. Einerseits locken die weltweit größten nachgewiesenen Rohölreserven, andererseits müssen sämtliche Geschäfte über PdVSA abgewickelt werden – ein Unternehmen, dem die US-Regierung selbst schwere Wirtschaftskriminalität vorgeworfen hat. "Wenn ein Unternehmen in Venezuela Geschäfte machen will, muss es mit PdVSA sprechen", erklärt Oswaldo Felizzola, Leiter des Energiezentrums an der IESA Business School in Caracas.
Dramatischer Produktionseinbruch
Die venezolanische Ölförderung hat unter Präsident Nicolás Maduro einen beispiellosen Kollaps erlebt. Von einst 3 Millionen Barrel pro Tag stürzte die Produktion auf nur noch 300.000 Barrel täglich ab – ein Rückgang um 90 Prozent. Aktuell liegt die Förderung bei etwa 900.000 Barrel pro Tag, was immer noch deutlich unter dem historischen Niveau liegt.
Die Strategie der Trump-Regierung setzt darauf, dass ausländische Akteure trotz der Risiken in den venezolanischen Energiesektor investieren. Die erhofften 100 Milliarden Dollar sollen die marode Ölindustrie des südamerikanischen Landes wiederbeleben und gleichzeitig amerikanischen Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
Für deutsche Investoren und Energieunternehmen stellt sich die Frage, ob die politischen und rechtlichen Risiken durch das Potenzial der venezolanischen Ölreserven aufgewogen werden. Die Zusammenarbeit mit einem Staatsunternehmen, das von der US-Regierung selbst der Korruption bezichtigt wurde, dürfte erhebliche Compliance-Herausforderungen mit sich bringen.
