Trump leitet offizielle Untersuchung gegen Fed-Gouverneurin Lisa Cook ein
Anhörung im Weißen Haus für den 5. November angesetzt – Eskalation im Machtkampf um die US-Notenbank.

Präsident Donald Trump hat eine offizielle Untersuchung gegen Fed-Gouverneurin Lisa Cook eingeleitet. Wie das Wall Street Journal berichtet, ist für den 5. November eine nicht-öffentliche Anhörung im Weißen Haus angesetzt. Ziel ist es, die rechtlichen Voraussetzungen des Obersten Gerichtshofs für eine mögliche Entlassung Cooks zu prüfen.
Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht der Verdacht des Hypothekenbetrugs – Anschuldigungen, die Cook entschieden zurückweist. Die Anhörung soll von einem Komitee aus Trump-Vertrauten geleitet werden, dem unter anderem Kevin Hassett, der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates, angehört. Damit rückt der Konflikt zwischen der Trump-Administration und der unabhängigen US-Notenbank in eine neue Phase.
Der Schritt markiert eine deutliche Eskalation in Trumps Bemühungen, die Kontrolle über die Federal Reserve zu festigen. Es ist zugleich der erste größere Konflikt mit der Fed seit dem Amtsantritt des von Trump nominierten Vorsitzenden Kevin Warsh im Frühjahr.
Die Details
Die für den 5. November angesetzte Anhörung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Komitee, das die Anhörung durchführt, setzt sich aus Trump-Vertrauten zusammen. Namentlich bekannt ist Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates. Die Untersuchung soll klären, ob die vom Obersten Gerichtshof geforderten Voraussetzungen für eine rechtmäßige Entlassung Cooks erfüllt werden können.
Cook ist Mitglied des siebenköpfigen Gouverneursrats der Federal Reserve. Die gegen sie erhobenen Vorwürfe beziehen sich auf angeblichen Hypothekenbetrug. Sie selbst weist jegliches Fehlverhalten zurück. Eine strafrechtliche Anklage liegt bislang nicht vor.
Parallel zur politischen Auseinandersetzung zeigen sich an den Finanzmärkten unterschiedliche Entwicklungen. Am Freitag konnten die großen US-Indizes zulegen, angeführt vom Dow Jones Industrial Average. Der Russell 2000, der die Wertentwicklung kleinerer US-Unternehmen abbildet, verzeichnete hingegen den fünften wöchentlichen Rückgang in Folge – die längste Verlustserie seit Mai 2022.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der aktuelle Schritt ist das vorläufige Ergebnis eines monatelangen Machtkampfes. Bereits am 20. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass Fed-Chef Jerome Powell persönlich einer außergewöhnlichen mündlichen Verhandlung vor dem Supreme Court beiwohnte. Gegenstand war Cooks Klage gegen ihre Entlassung durch Trump. Trump hatte Ende August 2024 über seine Plattform Truth Social angekündigt, Cook wegen Vorwürfen des Hypothekenbetrugs zu entlassen. Die Anschuldigungen stammen von Bill Pulte, dem Leiter der Federal Housing Finance Agency und einem Trump-Vertrauten.
Am 22. Januar 2026 berichtete aktien.news über die Supreme-Court-Verhandlung selbst: Die Richter aller politischen Lager zeigten erhebliche Skepsis gegenüber Trumps Vorgehen. Cook sieht in den Vorwürfen einen Vorwand, um sie wegen ihrer geldpolitischen Positionen abzusetzen.
Am 30. Juni 2026 folgte dann das wegweisende Urteil: Der Oberste Gerichtshof stoppte Trumps Entlassungsversuch in einer knappen 5-zu-4-Entscheidung. Die Richter urteilten, dass der Regierung kein ausreichendes rechtsstaatliches Verfahren – im Englischen „due process" – gewährt worden sei. Das Gericht verwies die Angelegenheit zurück an untergeordnete Gerichte und verpflichtete die Regierung, ihre Vorwürfe dort zu beweisen. Cook erhielt die Gelegenheit, die Anschuldigungen formal zu bestreiten.
Bereits am 8. August 2026 berichtete aktien.news, dass Trump die Entlassung Cooks erneut erwägt. Trumps stellvertretender Stabschef Dan Scavino versandte damals ein Schreiben an Cook, in dem es hieß, es gebe „hinreichenden Grund zu der Annahme", dass Cook „in einem oder mehreren Hypothekenverträgen falsche Angaben" gemacht habe. Die nun angesetzte Anhörung ist die direkte Fortsetzung dieses Vorgehens.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Konflikt um Lisa Cook vor allem als Signal für die Unabhängigkeit der US-Notenbank relevant. Die Federal Reserve setzt die Geldpolitik der weltgrößten Volkswirtschaft fest – ihre Zinsentscheidungen beeinflussen Kapitalmärkte weltweit, darunter auch deutsche Aktien, Anleihen und den Euro-Dollar-Kurs.
Ein politisch geschwächte oder abhängige Fed könnte die Glaubwürdigkeit der US-Geldpolitik untergraben. Märkte reagieren erfahrungsgemäß sensibel auf Signale, die die Unabhängigkeit von Zentralbanken in Frage stellen. Die anhaltende Schwäche des Russell 2000 – fünf Wochen in Folge mit Verlusten – deutet darauf hin, dass kleinere US-Unternehmen bereits unter Druck stehen, auch wenn ein direkter Zusammenhang mit dem Cook-Konflikt aus den vorliegenden Quellen nicht hervorgeht.
Anleger sollten die Entwicklung rund um die Fed-Unabhängigkeit im Blick behalten, da sie mittelbar Auswirkungen auf das globale Zinsumfeld haben kann. Eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der nächste konkrete Termin in diesem Konflikt ist die nicht-öffentliche Anhörung im Weißen Haus am 5. November. Dort soll das Komitee unter Leitung von Kevin Hassett prüfen, ob die vom Obersten Gerichtshof geforderten Voraussetzungen für eine rechtmäßige Entlassung Cooks erfüllt sind. Das Ergebnis dieser Anhörung dürfte darüber entscheiden, ob die Trump-Administration den Entlassungsversuch weiter verfolgt oder vorerst zurückstellt.
Kurz erklärt
- Federal Reserve: Die Zentralbank der Vereinigten Staaten, die für die Geldpolitik und Zinsentscheidungen in den USA zuständig ist.
- Due Process: Das im US-Recht verankerte Recht auf ein rechtsstaatliches Verfahren, bevor staatliche Eingriffe in Rechte einer Person erfolgen dürfen.
- Russell 2000: Ein US-Aktienindex, der die Kursentwicklung von rund 2.000 kleineren börsennotierten Unternehmen in den USA abbildet.
