Trade Republic plant eigenen Marketmaker
Fintech reagiert auf drohendes EU-Verbot und mögliche Änderungen beim Gebührenmodell

Trade Republic arbeitet im Hintergrund offenbar an einem umfassenden Umbau seiner Handelsinfrastruktur. Nach Informationen aus Branchenkreisen prüft das Berliner Fintech derzeit verschiedene Optionen, um künftig mehr Handelsprozesse selbst abzuwickeln. Ziel sei es, unabhängiger zu werden und den Aktienhandel robuster gegenüber Störungen zu gestalten. Eine Unternehmenssprecherin wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Spekulationen äußern.
Konkret steht laut einem Bericht die Entwicklung eines eigenen Marketmakers im Raum. Marketmaker übernehmen im Börsenhandel eine zentrale Rolle, indem sie Kurse stellen und für ausreichende Liquidität sorgen. Sie ermöglichen einen reibungslosen Handel, indem sie bei Bedarf selbst als Käufer oder Verkäufer auftreten. Bisher kooperiert Trade Republic in diesem Bereich mit dem Handelsunternehmen Lang & Schwarz, über dessen Plattform LS Exchange sämtliche Aktienorders laufen.
Ein Umstieg auf ein internes System wäre technisch anspruchsvoll und nicht ohne Risiken. Dennoch hätte ein eigener Marketmaker aus Sicht von Trade Republic mehrere Vorteile. Zum einen ließe sich dadurch eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. Marketmaker verdienen am sogenannten Spread, der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Zum anderen könnte das Unternehmen sich damit rechtzeitig auf eine bevorstehende Regulierung vorbereiten.
Ab dem Jahr 2026 soll in der Europäischen Union das sogenannte „Payment for Order Flow“-Modell verboten werden. Dieses Modell sieht vor, dass Handelsfirmen wie Lang & Schwarz dem Neobroker Provisionen für die Vermittlung von Aufträgen zahlen. Bei Trade Republic machten diese Rückvergütungen zuletzt etwa ein Drittel der gesamten Erlöse aus. Sollte das Fintech auf einen eigenen Marketmaker umstellen, wäre das Geschäftsmodell nicht länger von dieser Praxis abhängig.
Das bisherige Gebührenmodell von Trade Republic steht ebenfalls zur Diskussion. Derzeit verlangt der Anbieter für eine Order nur einen Euro, während klassische Anbieter teils deutlich höhere Gebühren erheben. Kritiker sehen im Provisionsmodell ein Risiko für Interessenskonflikte, da Orders möglicherweise nicht immer zu den besten Konditionen ausgeführt werden. Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass insbesondere Kleinanleger mit geringen Ordersummen von den günstigen Gebühren profitieren. Bei illiquiden Aktien oder außerhalb der regulären Börsenzeiten könnten jedoch schlechtere Kurskonditionen auftreten. Branchenexperten befürchten, dass ein Verbot des bisherigen Modells mittelfristig zu spürbar höheren Gebühren führen könnte.
