Trade Republic öffnet Zugang zu US-Anleihen
Neobroker ermöglicht Privatanlegern Handel mit Firmenbonds ab einem Euro und prüft jedes Papier selbst

US-Unternehmensanleihen galten für Privatanleger in Deutschland bislang als nahezu unzugänglich. Der Neobroker Trade Republic öffnet diesen Markt nun für seine Kunden und ermöglicht den Handel mit Bonds ausgewählter US-Konzerne. Damit erweitert das Fintech sein Zinsangebot und betritt ein Segment, das für viele Privatanleger bisher kaum erreichbar war. Nach eigenen Angaben bietet Trade Republic derzeit Anleihen von 32 US-Unternehmen an, darunter Meta, McDonald’s, General Motors, Starbucks, Amazon, Nvidia, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Alphabet. Insgesamt stehen mehr als 140 verschiedene Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten zur Verfügung.
Der Zugang zu US-Firmenbonds war bislang durch europäische Regulierung weitgehend versperrt. Viele Unternehmensanleihen enthalten eine sogenannte Make-Whole-Klausel, die es Emittenten erlaubt, eine Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen, wenn sich das Zinsniveau am Markt verändert. Solche Klauseln führen dazu, dass die entsprechenden Papiere in der Europäischen Union meist als verpackte Produkte gelten. Nach der PRIIPs-Verordnung dürfen diese nur dann an Privatanleger verkauft werden, wenn ein Basisinformationsblatt existiert – was bei US-Anleihen in der Regel fehlt. Eine geplante Reform dieser Regelung liegt seit Jahren auf Eis, weshalb Privatanleger den Zugang zu diesen Anleihen bislang nicht hatten.
Trade Republic umgeht die Hürde, indem das Unternehmen Anleiheprospekte einzeln prüft und jene auswählt, die nicht unter die PRIIPs-Verordnung fallen. Die Finanzaufsicht Esma hat klargestellt, dass Make-Whole-Klauseln nicht zwangsläufig ein Derivat-Element darstellen. Welche Anleihen als „verpackt“ gelten, hängt also vom jeweiligen Vertragsinhalt ab. Diese detaillierte Analyse übernimmt Trade Republic nun selbst und nimmt damit Arbeit auf sich, die andere Anbieter bisher gescheut haben. Nur solche Bonds, die keinerlei derivative Elemente enthalten, werden für den Handel freigegeben.
Für Anleger interessant ist zudem die Möglichkeit, bei Trade Republic bereits ab einem Euro in Anleihen zu investieren. Statt ganzer Papiere mit einer üblichen Mindeststückelung von 1000 Euro erwerben Kunden sogenannte Fractional Bonds – Bruchteile einer Anleihe. Die Papiere werden von Trade Republic gekauft und verwahrt; Anleger bilden gemeinsam eine Bruchteilsgemeinschaft und erhalten anteilig Zinszahlungen sowie Rückzahlungen bei Fälligkeit. Die Bestände gelten als Sondervermögen und wären im Falle einer Insolvenz des Brokers geschützt.
Ein Nachteil dieser Struktur besteht darin, dass Bruchteilsanleihen nicht auf andere Depots übertragen und nicht an der Börse gehandelt werden können. Verkäufe vor Laufzeitende sind ausschließlich über Trade Republic möglich. Die Preisbildung erfolgt zudem nicht über einen offenen Markt, sondern über den Market Maker, die Frankfurter Wertpapierhandelsbank Walter Ludwig. Dadurch können die Spreads in bestimmten Marktphasen höher ausfallen. Dennoch bietet das neue Angebot Privatanlegern erstmals die Chance, mit geringem Kapitaleinsatz in US-Unternehmensanleihen zu investieren.
