Tokenisierte Geldmarktfonds: Zinsgutschrift in Echtzeit ohne Zwischenhändler
Amundi, BlackRock und Franklin Templeton ermöglichen mit tokenisierten Geldmarktfonds eine blitzschnelle Alternative zum klassischen Tagesgeld.

Wer größere Geldbeträge kurzfristig anlegen möchte, stand bisher vor einer unbefriedigenden Wahl: Entweder Tagesgeld mit überschaubaren Renditen oder klassische Geldmarktfonds – die jedoch mit trägen Buchungszeiten zu kämpfen haben. Drei der weltweit größten Fondsgesellschaften wollen dieses Problem nun lösen.
Amundi, BlackRock und Franklin Templeton bieten inzwischen tokenisierte Geldmarktfonds an. Diese neue Produktkategorie verspricht, was im traditionellen Finanzwesen bislang nicht möglich war: eine sekündliche Zinsgutschrift – ganz ohne den Umweg über klassische Zwischenhändler.
Was steckt hinter der Tokenisierung?
Im herkömmlichen Wertpapierhandel durchläuft jede Transaktion eine lange Kette von Beteiligten: Broker, Banken und Clearingstellen sind involviert, bevor ein Geschäft endgültig abgewickelt ist. Dieser Prozess dauert in der Regel bis zu zwei Tage – im Fachjargon als „T+2-Settlement" bekannt.
Tokenisierte Vermögenswerte funktionieren grundlegend anders. Sie können nahezu in Echtzeit den Besitzer wechseln, da die Abwicklung direkt über eine digitale Infrastruktur erfolgt – ohne die üblichen Mittelsmänner. Das Ergebnis: schnellere Transaktionen, weniger Reibungsverluste und eine Zinsgutschrift, die nicht mehr tage- oder stundenweise, sondern sekündlich erfolgen kann.
Attraktiv für institutionelle Anleger und vermögende Privatanleger
Für Privatanleger, die größere Summen kurzfristig parken wollen, könnte dieses Modell besonders interessant werden. Wer Millionenbeträge auch nur für wenige Stunden oder Tage anlegt, profitiert erheblich davon, wenn Zinsen nicht erst am Ende eines Buchungstages, sondern kontinuierlich gutgeschrieben werden.
Dass gleich drei Schwergewichte der globalen Fondsbranche – Amundi aus Frankreich, der US-amerikanische Vermögensverwalter BlackRock sowie Franklin Templeton – dieses Segment besetzen, zeigt, wie ernst die Branche das Thema Tokenisierung nimmt. Es handelt sich nicht um ein Nischenprodukt, sondern um einen möglichen Strukturwandel im Geldmarktgeschäft.
Die Entwicklung reiht sich in einen breiteren Trend ein: Weltweit arbeiten Finanzinstitute und Regulatoren daran, traditionelle Wertpapiere und Fonds auf Blockchain-basierte Infrastrukturen zu übertragen. Tokenisierung gilt dabei als einer der vielversprechendsten Ansätze, um Effizienz und Transparenz im Finanzmarkt zu steigern.
Für Privatanleger bleibt vorerst abzuwarten, inwieweit tokenisierte Geldmarktfonds auch für kleinere Anlagesummen zugänglich gemacht werden. Aktuell richtet sich das Angebot der drei Fondsriesen primär an institutionelle Investoren – doch die Richtung ist klar vorgegeben.
