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Tofu-Engpass in Deutschland: Warum die Regale leer bleiben

Steigende Nachfrage und Produktionsprobleme beim Marktführer Taifun sorgen für leere Kühlregale – eine Normalisierung ist erst Ende 2026 zu erwarten.

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Tofu-Engpass in Deutschland: Warum die Regale leer bleiben

In deutschen Supermärkten klaffen derzeit auffällige Lücken in den Kühlregalen: Natur- und Räuchertofu sind vielerorts nicht oder nur unregelmäßig verfügbar. Händler wie Rewe, Kaufland und Aldi Süd berichten übereinstimmend von eingeschränkter Warenverfügbarkeit. Zwei Faktoren treiben den Engpass: eine stark gestiegene Nachfrage und handfeste Produktionsprobleme bei den Herstellern.

Dabei wirkt die Situation auf den ersten Blick widersprüchlich. Die Branche der Fleischersatzprodukte trat zuletzt insgesamt eher auf der Stelle. Das Statistische Bundesamt meldete für das vergangene Jahr ein leichtes Minus bei der Produktionsmenge, der Produktionswert sank gegenüber 2024 um 2,2 Prozent auf rund 632 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Fleischkonsum in Deutschland wieder leicht an: Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beziffert den Pro-Kopf-Verzehr für 2025 auf 54,9 Kilogramm – nach 53,5 Kilogramm im Vorjahr.

Tofu wächst weit schneller als die Gesamtkategorie

Trotz dieser gemischten Signale boomt ausgerechnet Tofu. Als führendes Fleischsubstitut in Deutschland legte er laut Marktforschern von Circana im Jahr 2025 um über 26 Prozent zu – während die gesamte Kategorie der Fleischersatzprodukte nur um 3,1 Prozent wuchs. Rewe-Einkaufsvorstand Hans-Jürgen Moog schrieb Anfang des Jahres auf LinkedIn, die Nachfrage nach Tofu habe sich in den vergangenen drei bis vier Jahren nahezu verdoppelt; allein 2025 verkaufte Rewe 30 Prozent mehr Tofu als im Vorjahr. Auch Lidl berichtete von besonders starker Nachfrage zum Jahresstart – unter anderem im Zusammenhang mit dem Veganuary – und einem anhaltend hohen Niveau danach.

Rewe räumte bereits im April gegenüber der WirtschaftsWoche ein, dass die „Warenverfügbarkeit weiterhin eingeschränkt" sei. Kaufland erklärte, die Versorgung sei grundsätzlich sichergestellt, im Einzelfall könnten bestimmte Artikel aber kurzfristig fehlen. Aldi Süd äußerte sich im April ähnlich zurückhaltend.

Marktführer Taifun kämpft mit Maschinenausfall

Neben der Nachfrage spielen auch produktionstechnische Probleme eine zentrale Rolle. Besonders betroffen ist Marktführer Taifun aus Freiburg, der bereits seit 1987 Tofu produziert. Das Unternehmen verzeichnete 2025 ein Umsatzwachstum von zehn Prozent auf rund 52 Millionen Euro – doch die Kapazitäten halten mit dem Boom nicht Schritt.

Ende vergangenen Jahres fiel ein sogenannter Dekanter vorübergehend teilweise aus. Dieses Gerät ist entscheidend für die Herstellung von Naturtofu, der wiederum als Basis für viele weitere Tofu-Produkte dient. Der Ausfall zwang Taifun, auf Vorräte zurückzugreifen und die Produktion einzelner Artikel zeitweise einzustellen. Sprecher Elias Hauguth sagte der Badischen Zeitung: „Wir sind bereits mitten im Ausbauprozess, doch leider sind wir mit unseren Produktionskapazitäten noch nicht da, wo wir sein wollen."

Bis zum Herbst plant Taifun, die Produktionskapazitäten um 50 Prozent zu erhöhen. Die pausierten Produkte sollen schrittweise ins Sortiment zurückkehren – das könne aber noch einige Wochen oder Monate dauern. Rewe rechnet laut einer Sprecherin damit, dass sich „eine vollständige Normalisierung gegebenenfalls Ende 2026" einstellen dürfte.

Was bedeutet das für Verbraucher und den Markt?

Für Privatanleger, die den Lebensmittelsektor beobachten, zeigt der Tofu-Engpass ein bekanntes Muster: Wenn Nachfrage und Produktionskapazitäten auseinanderfallen, entstehen kurzfristige Versorgungsengpässe – selbst bei etablierten Produkten. Der Fall Tofu illustriert zudem, wie abhängig Lieferketten von einzelnen Produktionskomponenten sein können. Ein einziger ausgefallener Dekanter reichte aus, um die Versorgung eines ganzen Produktsegments spürbar zu beeinträchtigen.

Für Verbraucher bedeutet das vorerst: Geduld ist gefragt. Wer auf Tofu angewiesen ist, muss sich bis mindestens Ende 2026 auf gelegentliche Engpässe einstellen.

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