Tesla warnt eindringlich vor neuen US-Zöllen
Elon Musks Nähe zu Trump verschärft Lage des Autobauers trotz sinkender Absatzzahlen in Europa

Tesla warnt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump eindringlich vor den Folgen geplanter Importzölle auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile. In einem Brief an den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer äußerte der Elektroauto-Hersteller deutliche Sorgen über hohe Mehrkosten und mögliche negative Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit seiner Fahrzeuge im Ausland. Durch bereits bestehende Zusatzzölle seien die Kosten von Tesla sogar innerhalb der USA merklich gestiegen. Außerdem hätten sich die Exportpreise erhöht, was den Absatz außerhalb der USA deutlich erschwere.
Wer genau den Brief bei Tesla verfasst oder abgeschickt hat, bleibt bisher ungeklärt. Laut einem Informanten der Financial Times trägt das Schreiben keine Unterschrift, da niemand bei Tesla das Risiko eingehen wollte, möglicherweise für die Übermittlung des kritischen Briefes entlassen zu werden. Der Brief wurde bereits am Dienstag an die Regierung geschickt, eine Stellungnahme von Tesla zu dem Vorgang liegt derzeit nicht vor.
Die Stellungnahme Teslas steht in deutlichem Gegensatz zur Rolle des Tesla-Chefs Elon Musk, der als Vertrauter von Präsident Trump und zentrale Figur in dessen neuer Administration gilt. Obwohl Musk keinen offiziellen Regierungsposten innehat, berät er die Regierung unter anderem bei der radikalen Reduzierung von Arbeitsplätzen in US-Behörden. Gleichzeitig bleibt Musk als Unternehmer aktiv, wodurch ihm immer wieder Interessenskonflikte vorgeworfen werden.
Der Einfluss Musks auf Trumps Regierungspolitik wirkt sich bisher allerdings nicht eindeutig positiv für Tesla aus. Seit Beginn des Jahres ist der Aktienkurs des Unternehmens erheblich eingebrochen. In Europa rufen Verbraucher zum Boykott der Marke auf, wodurch die Verkaufszahlen zuletzt spürbar zurückgingen. Musk selbst hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach gegen Zölle und für einen verstärkten Freihandel ausgesprochen, etwa im Kontext der Handelsbeziehungen zum Vereinigten Königreich nach dem Brexit.
Besonders kritisch betrachtet Tesla potenzielle Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder gegen US-Unternehmen. Bereits frühere Handelsmaßnahmen der USA hätten sofortige Reaktionen anderer Länder ausgelöst, etwa in Form erhöhter Importzölle auf Elektrofahrzeuge. Tesla warnte ausdrücklich davor, dass das Unternehmen wegen seiner symbolischen Bedeutung für Trump und dessen Politik gezielt ins Visier genommen werden könnte. Tesla sei zudem auf ausländische Importe angewiesen, vor allem auf Rohstoffe und Komponenten, weshalb höhere Zölle unmittelbar negative Folgen für die eigene Produktion hätten.
Neben Tesla warnte auch die Handelsgruppe „Autos Drive America“, die unter anderem ausländische Autobauer wie Toyota und Volkswagen vertritt, die US-Regierung vor den negativen Auswirkungen einer umfassenden Zollerhöhung. Demnach könnten höhere Produktionskosten zu steigenden Verbraucherpreisen, Modellkürzungen und Werksschließungen führen.
