Tesla und IG Metall im Streit um Krankschreibungen
Gewerkschaft spricht von Einschüchterung – Unternehmen verteidigt Lohnkürzungen als gerechtfertigt

Die IG Metall erhebt schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführung des Tesla-Werks in Grünheide. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, die Belegschaft einzuschüchtern und Krankschreibungen systematisch anzuzweifeln. Laut einem Sprecher der IG Metall fordere Tesla häufig eine Offenlegung der Diagnosen und eine Entbindung der behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht. In mehreren Fällen sei in der Folge der Lohn krankgeschriebener Mitarbeiter einbehalten worden. Betroffene erhielten nicht selten die Mitteilung, sie hätten irrtümlich weiterhin Gehalt erhalten und müssten die angebliche Überbezahlung durch eine Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrags ausgleichen.
Tesla wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer bewussten „Skandalisierung“ durch die IG Metall. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen, dass es sich lediglich um rund ein Dutzend Fälle pro Monat handele. Bei einer Belegschaft von 11.000 Mitarbeitern sei es eine „verzerrte Darstellung“, von einem massiven Vorgehen zu sprechen. Das Unternehmen verteidigte das Vorgehen als gerechtfertigt und wies darauf hin, dass Arbeitgeber in bestimmten Fällen Beweise für die Richtigkeit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen dürften. Dies gelte insbesondere, wenn eine Krankschreibung genau den Zeitraum abdecke, in dem zuvor ein Urlaubsantrag abgelehnt worden sei.
Die IG Metall hält das Vorgehen von Tesla für unzulässig und bezeichnet die Vorwürfe des Unternehmens als haltlose Behauptungen. Laut der Gewerkschaft hat die Praxis von Tesla zu einer erheblichen Zahl an Rechtsstreitigkeiten geführt. Mitglieder der IG Metall seien in der Gigafactory in Grünheide etwa 21-mal häufiger auf den Rechtsschutz der Gewerkschaft angewiesen als im Durchschnitt anderer Betriebe. Die Gewerkschaft sieht darin eine klare Strategie der Einschüchterung und kritisiert das Verhalten des Unternehmens scharf.
Bereits in der Vergangenheit gab es Auseinandersetzungen zwischen der Gewerkschaft und Tesla. Unternehmensgründer Elon Musk hatte den hohen Krankenstand in der Fabrik in Grünheide bemängelt. Zudem sorgten Berichte über unangekündigte Hausbesuche von Tesla-Führungskräften bei kranken Mitarbeitern für Kritik. Die IG Metall sieht darin einen weiteren Versuch der Kontrolle und Druckausübung auf die Belegschaft. Tesla hingegen verteidigte diese Praxis als eine „übliche Vorgehensweise“ in Deutschland.
