Tesla prüft Einstieg bei Nissan als Investor
Japanischer Autobauer sucht Rettung nach geplatzter Fusion mit Honda

Der US-Elektroautobauer Tesla könnte in naher Zukunft eine Beteiligung am japanischen Automobilkonzern Nissan erwerben. Einem Bericht der Financial Times zufolge haben hochrangige japanische Vertreter, darunter der ehemalige Premierminister Yoshihide Suga, entsprechende Pläne entwickelt. Ziel sei es, Tesla als strategischen Investor zu gewinnen. Die Initiative wird demnach von Hiro Mizuno, einem ehemaligen Verwaltungsratsmitglied von Tesla, geleitet und von Sugas früherem Berater Hiroto Izumi unterstützt. Ein besonderer Anreiz für Tesla könnte in den US-Fertigungsstätten von Nissan liegen, da diese dem Unternehmen helfen könnten, seine Produktion in den Vereinigten Staaten auszuweiten.
Die Spekulationen über eine mögliche Beteiligung Teslas kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Nissan unter wirtschaftlichem Druck steht. Erst kürzlich waren Fusionsverhandlungen mit dem japanischen Konkurrenten Honda gescheitert. Nach dem Bekanntwerden der Übernahmegerüchte verzeichnete die Nissan-Aktie an der Tokioter Börse einen Kursanstieg von über zehn Prozent. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich derzeit auf umgerechnet etwa elf Milliarden Euro, während Tesla mit fast 1,1 Billionen Euro bewertet wird.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen für Nissan sind beträchtlich. Der Konzern kämpft mit rückläufigen Verkaufszahlen, Überkapazitäten und einer veralteten Modellpalette. Zudem verschärft sich der Wettbewerb im Bereich der Elektromobilität, insbesondere durch den chinesischen Hersteller BYD und Tesla selbst. Die japanischen Automobilhersteller haben in diesem Segment an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt und sehen sich einer wachsenden Konkurrenz auf dem US-amerikanischen und chinesischen Markt ausgesetzt. In China verlieren sie Marktanteile an einheimische Produzenten, während sie in den USA durch die sich verschärfende Handelspolitik der Regierung von Präsident Donald Trump unter Druck geraten könnten.
Ein weiteres Hindernis für Nissan stellt das gespannte Verhältnis zum französischen Automobilkonzern Renault dar. Renault hält derzeit knapp 36 Prozent der Anteile an Nissan, hat jedoch in den vergangenen Jahren sukzessive Beteiligungen veräußert. Die Allianz zwischen beiden Unternehmen, die 1999 gegründet wurde, wurde mittlerweile teilweise aufgelöst. Hintergrund sind wachsende Spannungen und strategische Differenzen, die sich zuletzt weiter verschärft haben.
Die Elektromobilität bleibt ein entscheidender Faktor für die Automobilindustrie. In Deutschland wird erwartet, dass der Anteil von Elektrofahrzeugen in diesem Jahr weiter steigt, da die Preisdifferenz zwischen E-Modellen und Verbrennern geringer wird. Der abrupte Stopp staatlicher Fördermaßnahmen Ende 2023 führte zunächst zu einem Rückgang der Verkaufszahlen, doch Experten gehen davon aus, dass sich der Markt stabilisieren wird. Zudem setzen Automobilhersteller verstärkt auf Elektrofahrzeuge, um die strengeren EU-Flottengrenzwerte zu erfüllen.
