Temu auf Erfolgskurs in Deutschland
Asiatische Shoppingportale gewinnen trotz Kritik an Beliebtheit und Marktanteilen

Der chinesische Online-Marktplatz Temu verzeichnet ein rasantes Wachstum in Deutschland. Seit seiner Einführung im April 2023 hat sich das Unternehmen in kürzester Zeit zu einem der größten Onlinehändler entwickelt. Laut einer Untersuchung der Consumer Panel Services GfK, die dem Meinungsforschungsinstitut YouGov angehört, belegte Temu im ersten Halbjahr 2024 bereits den sechsten Platz unter den führenden Onlinehändlern in Deutschland. Zu den Spitzenreitern zählen Amazon, eBay und Otto, gefolgt von Zalando und Kaufland. In diesem Zeitraum nutzten rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland das Angebot von Temu.
Temu ist ein Online-Marktplatz, auf dem verschiedene Unternehmen ihre Produkte anbieten können. Ein weiterer asiatischer Anbieter, der ebenfalls in Deutschland aktiv ist, ist der Modehändler Shein, der im Vergleich zu Temu allerdings weniger Bestellungen verzeichnete. Etwa 900.000 Menschen kauften in der ersten Jahreshälfte 2024 bei Shein ein, was dem Unternehmen den 19. Platz in der Rangliste der meistgenutzten Onlinehändler einbrachte.
Marktforscher wie Christian Koch von der GfK gehen davon aus, dass Temu und Shein in den kommenden Jahren noch beliebter werden könnten. Die beiden asiatischen Unternehmen profitieren von günstigen Wettbewerbsbedingungen und gewinnen durch ihr spezifisches Shoppingangebot eine wachsende Zahl an Kunden. Zudem investieren beide stark in Werbung, was ihre Präsenz auf dem Markt zusätzlich verstärkt. Während Shein sich vor allem auf Mode spezialisiert hat, bietet Temu ein breiteres Produktsortiment an, was es zu einem vielseitigeren Anbieter macht.
Allerdings leidet die gesamte Branche unter einer schlechten Konsumstimmung in Deutschland. Obwohl im dritten Quartal 2024 ein leichtes Wachstum verzeichnet wurde, liegen die Erlöse des E-Commerce-Sektors in Deutschland für die ersten neun Monate des Jahres mit 55,4 Milliarden Euro noch immer 0,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Temu und Shein stehen jedoch nicht nur wegen ihres Erfolgs im Fokus. Es gibt auch Kritik an beiden Anbietern, insbesondere in Bezug auf Produktqualität, Wettbewerbsbedingungen und mangelnde Kontrollen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert daher strengere Kontrollen für Direktversandhändler und eine stärkere Unterstützung der Überwachungsbehörden, wie beispielsweise des Zolls, um die Einhaltung von Standards zu gewährleisten.
