TeamViewer verliert Stammkunden: Enterprise-Geschäft als einziger Lichtblick
Drastische Preiserhöhungen vertreiben kleinere Kunden – nur Großkonzerne halten dem Göppinger Softwareanbieter noch die Treue.

Die Geschäftszahlen von TeamViewer für 2025 offenbaren eine bedenkliche Schieflage: Während das Enterprise-Segment mit Großkunden um elf Prozent zulegte, stagniert das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen (SMB) bei mageren zwei Prozent Wachstum. Der Gesamtumsatz kletterte zwar um fünf Prozent, doch die Probleme im Kerngeschäft werden immer offensichtlicher.
Besonders alarmierend: Bei den jährlich wiederkehrenden Umsätzen (ARR), einer Schlüsselkennzahl für Cloud-Verträge, schrumpfte das SMB-Segment sogar um ein Prozent. "Wir sind von der Entwicklung bei SMB enttäuscht und haben bereits Maßnahmen ergriffen", räumte CEO Oliver Steil in der Telefonkonferenz ein. Die einst dominante Fernwartungssoftware aus Göppingen verliert messbar an Boden.
Vom Corona-Gewinner zum Problemfall
Dabei galt TeamViewer lange als Nonplusultra der Fernwartung. Kleine Firmen und Freiberufler weltweit vertrauten auf die Software für Remote-Support und Problemlösungen. Die Coronapandemie bescherte dem Unternehmen einen beispiellosen Boom – Fernwartung und Videochat waren wie geschaffen für das neue Homeoffice-Zeitalter.
Doch das Management überzog: Regelmäßige, teils drastische Preiserhöhungen, ständige Software-Updates und ein ausufernder Funktionsumfang verprellten zunehmend die Kundschaft. Immer mehr Nutzer kündigten ihre Abos und wechselten zur Konkurrenz, wie konkrete Beispiele aus der Praxis zeigen. "Wir haben alle Maßnahmen für stärkere Monetarisierung gestoppt", beteuert Steil nun. "Kleinere und mittlere Unternehmen sind sehr preissensitiv."
Trendwende lässt auf sich warten
Der Kurswechsel zeigt bislang keine Wirkung. Im vierten Quartal 2025 stieg die Abwanderungsrate bei SMB-Kunden sogar weiter an. TeamViewer selbst räumt ein, dass der Value-Churn im Vergleich zum Vorquartal "weitgehend stabil" blieb – ein beschönigender Ausdruck für stagnierende Probleme.
Analysten bewerten die Lage kritisch. "Wir bleiben zurückhaltend, da die Befürchtung eines schwierigeren Marktes für Unternehmenssoftware auch 2026 bestehen bleiben wird", kommentiert Johannes Schaller von der Deutschen Bank. Seine Skepsis erwies sich als berechtigt: Ende Januar erschütterte SAP mit leicht verfehlten Cloud-Zielen die gesamte Softwarebranche. Die SAP-Aktie verlor an einem Tag 17 Prozent.
KI als neue Hoffnung?
Die Börsen weltweit zweifeln am Geschäftsmodell klassischer Softwareanbieter. "KI frisst Software" lautet das neue Mantra der Investoren, das Schwergewichte wie SAP und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft ebenso trifft wie kleinere Player. "Wenn Software Probleme mittels KI künftig selbst heilt, statt sie nur für Menschen sichtbar zu machen, kollabiert das klassische Pro-Kopf-Preismodell", warnt Marcel Tietjen von BearingPoint.
TeamViewer versucht gegenzusteuern. "Wir sehen KI als wichtigen Antreiber für künftiges Wachstum", betont CEO Steil. Das Unternehmen hat KI-Funktionen in seine Produkte integriert und im November den intelligenten Agenten "Tia" vorgestellt. Über 13.500 Kunden nutzen bereits die KI-Funktion "Session Insights".
Bescheidene Aussichten für 2026
Die Prognose für das laufende Jahr fällt verhalten aus. Beim Umsatz rechnet das Management bestenfalls mit drei Prozent Wachstum gegenüber 2025 – im schlechtesten Fall könnte der Umsatz bei rund 768 Millionen Euro stagnieren. Die bereinigte EBIT-Marge wird bei 43 Prozent erwartet, einen Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert.
"Wir sind zuversichtlich, mittelfristig zu einem mittleren bis hohen einstelligen Wachstum zurückzukehren", zeigt sich Steil optimistisch. Kurzfristig klammert sich TeamViewer jedoch an das Enterprise-Geschäft mit Großkunden. Wie es Deutsche-Bank-Analyst Schaller auf den Punkt bringt: "Enterprise bleibt der letzte Retter von TeamViewer."
