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Tausende VW-Beschäftigte verlassen IG Metall

Gewerkschaft widerspricht Zahlen, interner Machtkampf vor Betriebsratswahl spitzt sich zu

2 Min
Tausende VW-Beschäftigte verlassen IG Metall

Mehr als 2000 Beschäftigte von Volkswagen sollen seit Jahresbeginn aus der IG Metall ausgetreten sein. Betroffen ist insbesondere der Standort Wolfsburg, an dem der Autokonzern seine größte Belegschaft beschäftigt. Nach Angaben von Insidern sind in dieser Zahl bereits Neueintritte berücksichtigt. In Konzernkreisen ist die Rede davon, dass die Zahl der Austritte bei gleichbleibender Entwicklung schon bald die Marke von 3000 erreichen könnte.

Die Gewerkschaft selbst weist diese Darstellung zurück. Ein Sprecher erklärte nach Veröffentlichung entsprechender Berichte, dass die Angaben zur Zahl der Austritte nicht zuträfen. Man bewege sich, so die Stellungnahme, „meilenweit entfernt“ von den genannten Zahlen. Der Organisationsgrad liege trotz der Entwicklungen weiterhin bei über 90 Prozent. Gleichwohl räumte die IG Metall ein, dass es Austritte gebe, diese jedoch in erster Linie durch planbare Vorgänge wie Renteneintritt, Altersteilzeit oder Arbeitsplatzwechsel im Zuge freiwilliger Aufhebungsangebote zustande kämen. Zudem sei es nach jüngsten Tarifauseinandersetzungen auch zu Neueintritten gekommen.

Unklar bleibt, wie viele Mitglieder die Gewerkschaft derzeit konkret am Standort Wolfsburg zählt. Offizielle Angaben verweigerten sowohl die IG Metall als auch der Betriebsrat. Damit ist nicht nachvollziehbar, ob die Mitgliederzahl insgesamt zurückgegangen ist. Für die Gewerkschaft kommt das Thema in einer entscheidenden Phase, denn in acht Monaten stehen bei Volkswagen Betriebsratswahlen an.

Kritiker innerhalb der Belegschaft machen den jüngsten Tarifabschluss zum zentralen Streitpunkt. Betriebsratschefin Daniela Cavallo konnte Ende vergangenen Jahres zwar eine Beschäftigungssicherung bis 2030 und die Absicherung der deutschen Standorte durchsetzen. Viele Mitarbeiter sehen die Ergebnisse dennoch kritisch, weil sie im Zusammenhang mit einem Stellenabbau von rund 35.000 Arbeitsplätzen stehen. Gewerkschafter warnen daher, dass die Frustration vieler Beschäftigter die Austrittswelle noch verstärken könnte.

Die Auseinandersetzung fällt zudem in eine Zeit, in der sich ein innerbetrieblicher Machtkampf anbahnt. Cavallo tritt bei der kommenden Wahl gegen Frank Patta an, der früher selbst Mitglied der IG Metall war. Patta kritisiert den jüngsten Tarifabschluss scharf. Besonders bemängelt er die Eingriffe in Entgelt- und Arbeitsstrukturen sowie die Entscheidung, Teile der Golfproduktion nach Mexiko zu verlagern. Beobachter erwarten einen intensiven Wahlkampf zwischen den beiden Konkurrenten, bei dem die Stärke der IG Metall eine entscheidende Rolle spielen dürfte.

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