Tarifkonflikt bei Lufthansa-Tochter Discover droht zu eskalieren
UFO und VC planen Streik nach umstrittenem Verdi-Abschluss und kritisieren Management scharf

Die Lufthansa-Tochter Discover steht derzeit im Zentrum eines Tarifkonflikts, der weitreichende Konsequenzen für den gesamten Konzern haben könnte. Die Kabinen-Gewerkschaft UFO und die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) bereiten eine Urabstimmung vor, deren Ergebnis möglicherweise zu einem Streik führen könnte. Die Abstimmung beginnt an diesem Donnerstag, und die Ergebnisse sollen bereits nächste Woche vorliegen. Falls die Mitglieder der Gewerkschaften zustimmen, könnten kurzfristig Arbeitskämpfe ausbrechen, wie die Gewerkschaftsführer Andreas Pinheiro und Joachim Vázquez Bürger am Mittwoch auf einer Pressekonferenz erklärten.
Der Konflikt entbrannte, nachdem die Gewerkschaft Verdi, ohne Beteiligung von UFO und VC, einen Tarifvertrag mit der Lufthansa-Tochter Discover abgeschlossen hat. Dieser Vorgang ist im Lufthansa-Konzern bislang beispiellos, da UFO und VC seit Monaten versuchen, eine eigene Ersttarifierung für Discover zu verhandeln. Beide Gewerkschaften sind der Meinung, dass Verdi nicht die legitime Vertretung der rund 1900 Beschäftigten in Cockpit und Kabine ist. VC-Präsident Pinheiro betonte, dass 450 Piloten bei VC organisiert sind, während die UFO erklärte, deutlich mehr Mitglieder als Verdi zu haben, ohne jedoch genaue Zahlen zu nennen.
Die Urabstimmung zielt darauf ab, die Bereitschaft der Mitglieder zu erfragen, für bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. Das Hauptziel der Gewerkschaften ist es, Tarifverträge mit besseren Konditionen zu erreichen. Pinheiro äußerte schwere Vorwürfe gegen das Management von Discover und Verdi. Er kritisierte, dass Verdi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Mitgliederversammlung abgehalten habe, bei der lediglich sieben Mitglieder aus Kabine und Cockpit anwesend waren. Kurz darauf sei die Tarifeinigung verkündet worden, die laut UFO illegale Vereinbarungen enthält, wie beispielsweise einen verlängerten Kündigungsschutz für Verdi-Mitglieder.
Die Gewerkschaften fürchten, dass das Vorgehen bei Discover einen Präzedenzfall schaffen könnte, der auch auf andere Tochtergesellschaften wie City Airlines übergreift. UFO-Chef Bürger sprach von einem Paradigmenwechsel, bei dem gut vernetzte Fachgewerkschaften ihre Gestaltungsmacht verlieren könnten. Marcel Gröls, verantwortlich für Tarifpolitik bei VC, betonte die Bedeutung der Koalitionsfreiheit, die es den Arbeitnehmern ermöglicht, selbst zu entscheiden, welcher Gewerkschaft sie beitreten.
Verdi hingegen verteidigt den Tarifabschluss und weist die Vorwürfe von UFO und VC zurück. Marvin Reschinsky, Verdi-Vertreter für Lufthansa, argumentiert, dass die Gehaltssteigerungen und Verbesserungen im Vertrag deutlich über den Forderungen von UFO und VC lägen. Er kritisierte, dass es den konkurrierenden Gewerkschaften weniger um die Interessen der Beschäftigten, sondern mehr um Macht und Einfluss im Konzern gehe. Der Konflikt bei Discover könnte somit nicht nur die internen Bemühungen um eine neue Sozialpartnerschaft im Lufthansa-Konzern erschweren, sondern auch die Wachstumsperspektiven der Mitarbeiter gefährden.
