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Supermarktpreise steigen weiter

Experten warnen vor deutlich teureren Marken- und Eigenmarkenprodukten

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Supermarktpreise steigen weiter

Deutsche Kunden müssen sich trotz zuletzt gesunkener Inflation auf deutlich steigende Preise im Supermarkt einstellen. Experten rechnen damit, dass bis zu 30 Prozent des Sortiments teurer werden könnten. Eine Analyse des Preisvergleichs-Portals Smhaggle im Auftrag des Handelsblatts zeigt, dass sich schon in der ersten Jahreshälfte fast 13 Prozent der Artikel verteuert haben. Günstiger wurden hingegen nur acht Prozent der Produkte im Lebensmitteleinzelhandel, während der Großteil des Sortiments von knapp 79 Prozent sich nicht im Preis verändert hat.

Während die Preissenkungen nur marginal ausfallen, haben sich einige Produkte allein seit Januar um bis zu 50 Prozent verteuert. Christoph Treiber, Konsumgüterexperte und Partner der Beratung OC&C, bestätigt: „Händler posaunen jede Preissenkung groß hinaus. Aber aufs ganze Sortiment betrachtet haben sie nur sehr wenige Produkte reduziert.“ Die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke sind laut Statistischem Bundesamt im Juni um 1,5 Prozent gestiegen, vorigen Sommer waren es noch rund 20 Prozent. Dies bedeutet jedoch lediglich, dass die Preise im Handel langsamer steigen als bislang – nicht dass sie im Schnitt sinken.

Hersteller von Waren des täglichen Bedarfs sind seit Pandemie und Ukrainekrieg mit stark steigenden Kosten für Rohstoffe, Logistik und Energie konfrontiert. Einen Teil ihrer Mehrausgaben haben sie an den Handel und so an den Verbraucher weitergereicht. Der durchschnittliche Preisanstieg wird im Verhältnis zu den Vorjahren moderater ausfallen. In Summe werden dann aber die Preise seit 2022 im Schnitt um ein Drittel gestiegen sein, ordnet Sven Reuter, Chef von Smhaggle, die Entwicklung ein.

Dieses Jahr ist vor allem Markenware teurer geworden: 14 Prozent der Produkte haben sich laut Smhaggle seit Januar verteuert. Bei Eigenmarken der Händler sind es nur vier Prozent. Augenfällig ist das bei Perwoll-Waschmittel und Axe Bodyspray, deren Preise um 56 Prozent beziehungsweise 75 Prozent gestiegen sind. Auch Milka-Schokolade hat mehrfach im Preis angezogen, was unter anderem auf die weltweite Knappheit und den steigenden Preis von Zucker und Kakao zurückzuführen ist. Allerdings sind viele Konsumenten bei Alltagsprodukten noch immer sehr preissensibel, weshalb Markenprodukte immer häufiger im Sonderangebot verkauft werden.

Bei den Produkten, die im ersten Halbjahr günstiger geworden sind, handelt es sich meist um Eigenmarken wie „Ja“ oder „Gut & Günstig“ im Preiseinstiegssegment. Diese Preissenkungen werden oft durch die Discounter getrieben. Wenn Aldi und Lidl Preise senken, ziehen Rewe und Edeka rasch nach. Allerdings hat Aldi Anfang Juli einige Basisprodukte wie Kaffee und einzelne Fleisch- und Molkereiprodukte verteuert. Mit 1,99 Euro ist Butter so teuer wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr, und Vollmilch kostet nun sechs Cent mehr.

Zuweilen verstecken Hersteller Preiserhöhungen auch hinter einer Rezepturänderung. So hat etwa der Safthersteller Eckes-Granini den Fruchtgehalt seines Granini Trinkgenuss Orange halbiert, was Verbraucherschützer als „Mogelpackung“ kritisieren. Pepsi hat derweil nicht nur seine Preise angehoben, sondern auch seine Flaschen von 1,5 auf 1,25 Liter verkleinert, was von Verbraucherschützern als „Shrinkflation“ bezeichnet wird.

Zwar ist der Anteil der Eigenmarken, die teurer geworden sind, geringer als bei den Markenherstellern, prozentual gesehen haben die Eigenmarken der Händler aber oft stärker im Preis angezogen. Ein Beispiel hierfür sind Eigenmarken-Spaghetti, die 22 Prozent teurer geworden sind, während Barilla um elf Prozent angezogen hat. Der Großteil der Handelsmarken von 90 Prozent ist dieses Jahr im Preis konstant geblieben.

Experten wie Kai Hudetz warnen, dass die Preise in den nächsten Jahren weiter leicht nach oben angepasst werden müssen. Die Ertragssituation vieler Händler und Hersteller ist angespannt, und nach den Tarifabschlüssen müssen Supermärkte und Discounter mit deutlich höheren Lohnkosten kalkulieren. So verwundert es nicht, dass laut Ifo-Institut im Saldo 35,2 Prozent der Nahrungsmittel- und Getränkehändler in den kommenden Monaten ihre Preise erhöhen wollen.

Handel & KonsumEinzelhandel PreiserhöhungInflationLebensmittelpreiseDeutschland

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