Super Micro: Aktionärsklage nach China-Schmuggel-Affäre erschüttert Server-Konzern
Aktionäre verklagen Super Micro Computer wegen verschwiegener Exportrechtsverstöße – die Aktie brach um 33 Prozent ein.

Super Micro Computer (Nasdaq: SMCI) steht vor einer Sammelklage, die Aktionäre am Mittwoch in Kalifornien eingereicht haben. Die Kläger werfen dem US-Serverhersteller vor, wesentliche Verstöße gegen amerikanische Exportkontrollgesetze im Zusammenhang mit Serververkäufen nach China verschwiegen zu haben. Beklagte sind neben dem Unternehmen selbst auch CEO Charles Liang und CFO David Weigand.
Der Kern des Vorwurfs: Super Micro soll seinen Aktienkurs künstlich aufgebläht haben, indem das Unternehmen nicht offenlegte, dass ein erheblicher Teil seiner Serververkäufe an chinesische Unternehmen ging. Zudem habe Super Micro strukturelle Schwächen bei der Einhaltung der US-Exportkontrollvorschriften gehabt, ohne dies publik zu machen. Die Klage fordert Schadenersatz in unbestimmter Höhe für alle Investoren, die zwischen dem 30. April 2024 und dem 19. März 2026 in Super-Micro-Aktien investiert waren.
Strafrechtliche Anklage löst Kurseinbruch aus
Auslöser des Kurssturzes war eine Bekanntmachung des US-Justizministeriums vom 20. März, die Schmuggel-Anklagen gegen drei Personen aus dem Umfeld von Super Micro enthielt. Angeklagt wurden Mitgründer und Direktor Yih-Shyan Liaw, Vertriebsleiter für Taiwan Ruei-Tsang Chang sowie Auftragnehmer Ting-Wei Sun. Die Aktie verlor daraufhin binnen eines Handelstages 33 Prozent ihres Wertes.
Laut Staatsanwaltschaft sollen Liaw und Chang ein nicht namentlich genanntes Unternehmen in Südostasien genutzt haben, um Server mit Nvidia-Chips zu beschaffen und weiterzuverkaufen. Dieses Konstrukt führte in den Jahren 2024 und 2025 zu Serververkäufen im Gesamtwert von 2,5 Milliarden US-Dollar. Die betroffenen Server enthielten Nvidia-Grafikprozessoren, deren Export nach China US-Behörden besonders streng regulieren.
Hintergrund: US-Exportkontrollen für KI-Chips
Die USA haben den Export leistungsstarker KI-Chips wie jener von Nvidia nach China seit 2022 schrittweise eingeschränkt. Ziel ist es, Chinas militärische und technologische Entwicklung zu bremsen. Verstöße gegen diese Exportkontrollgesetze können sowohl zivil- als auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen – und genau das wird Super Micro nun zum Verhängnis.
Für Super Micro ist dies nicht die erste Compliance-Krise. Das Unternehmen hatte bereits in der Vergangenheit Probleme mit der Jahresabschlusspflicht und stand unter erhöhter Beobachtung durch Aufsichtsbehörden. Die neue Sammelklage dürfte den Druck auf das Management weiter erhöhen und das Vertrauen institutioneller Investoren belasten.
