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Südkoreas Aktien leiden unter fehlenden Käufern und nachlassender Risikobereitschaft

Societe Generale sieht den KOSPI in enger Bandbreite: Ausländer und Privatanleger verkaufen, das Handelsvolumen bricht um 75 Prozent ein.

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Südkoreas Aktien leiden unter fehlenden Käufern und nachlassender Risikobereitschaft

Die südkoreanischen Aktien dürften kurzfristig weiter in einer engen Bandbreite handeln. Die Beteiligung der Anleger lässt nach, und die Dynamik bei den Quartalszahlen für Speicherchips flaut ab. Das geht aus einem Bericht der Strategen der Societe Generale hervor, über den die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtet.

Der entscheidende Befund ist ein Käuferstreik auf breiter Front. Ausländische Investoren haben im August und September koreanische Aktien im Wert von 25 Milliarden US-Dollar verkauft. Damit fehlt dem Markt die wichtigste Stütze, die in früheren Monaten für Auftrieb gesorgt hatte.

Die Strategen formulieren die Lage zugespitzt. "Das Problem ist nicht länger ein erzwungenes De-Risking, sondern das Fehlen marginaler Käufer", heißt es in dem Bericht. Nicht der Zwang zum Risikoabbau belastet den Markt also, sondern das schlichte Ausbleiben neuer Nachfrage.

Die Details

Die Zurückhaltung zieht sich durch alle Anlegergruppen. Im September traten auch die einheimischen Privatanleger als Verkäufer auf und zogen 10 Milliarden US-Dollar aus koreanischen Aktien ab. Damit fehlen beide großen Käufergruppen, die ausländischen Institutionen und die heimischen Privaten, gleichzeitig.

Am deutlichsten sichtbar wird das an der Handelsaktivität. Das Handelsvolumen des KOSPI ist von seinem Höchststand im Juni um etwa 75 Prozent auf 20 Billionen Won gefallen. Das ist der niedrigste Wert des laufenden Jahres.

Beim Thema Speicherchips zeichnet der Bericht ein differenziertes Bild. Das Angebot bleibt knapp, doch die Preisanstiege sind erwartungsgemäß vorerst gebremst. Als zusätzliche Bedrohung nennen die Strategen chinesische Speicherhersteller, die den Wettbewerb verschärfen.

Societe Generale bleibt gegenüber Korea neutral eingestellt. Bevorzugt werden innerhalb des Marktes Industrie- und Materialwerte, die vom globalen Kapitalausbau profitieren. Ebenfalls positiv bewertet werden Finanzwerte, die von Governance-Reformen profitieren. Auf regionaler Ebene gibt die Bank Taiwan-Aktien gegenüber koreanischen Titeln den Vorzug, weil die Gewinnwachstumspfade auseinanderlaufen.

Einen Kontrast zum koreanischen Bild liefert der japanische Markt. Die japanischen Börsen notieren im Plus, da sich die Bedenken hinsichtlich steigender Energiekosten angesichts der nächtlichen Kursverluste bei Rohöl etwas gelockert haben. Elektronik- und Finanzaktien führen die Gewinne an.

Im Einzelnen legt Hitachi Ltd. um 1,3 Prozent zu, Advantest verzeichnet einen Anstieg von 2,0 Prozent. Tokio Marine Holdings gewinnt 1,6 Prozent, Japan Post Bank 1,2 Prozent. Der Dollar steht bei 157,86 Yen im Vergleich zu 157,79 Yen zum Schluss des Tokyo Stock Market am Montag. Der Nikkei-Aktienindex liegt bei 70.251,44 Punkten und damit im Plus von 0,4 Prozent.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der aktuelle Käufermangel ist das Gegenstück zu einer monatelangen Phase der Euphorie am koreanischen Markt. Bereits am 22.07.2026 berichtete aktien.news, dass der KOSPI mit einem Kurssprung von über 5 Prozent hervorstach, als die asiatischen Märkte der Erholung der Wall Street folgten. Auslöser war eine starke Nacht in New York: Der S&P 500 stieg um 0,9 Prozent und beendete eine dreitägige Verlustserie, der Nasdaq Composite legte um 1,3 Prozent zu, der Dow Jones Industrial Average um 0,7 Prozent. Kursgewinne bei Nvidia, Micron Technology und anderen Chipherstellern aus dem KI-Sektor stützten die Stimmung.

Auch im Frühjahr trieben Chipwerte den Markt. Am 18.03.2026 berichtete aktien.news, dass der KOSPI vor der Sitzung der US-Notenbank um 5,0 Prozent zulegte. SK Hynix verteuerte sich um 8,9 Prozent, Samsung Electronics legte 7,5 Prozent zu. Bereits am 11.03.2026 hatte der KOSPI um 3,2 Prozent zugelegt, während der Kosdaq um 1,39 Prozent, der Nikkei 225 um 1,36 Prozent und der Topix um 1,22 Prozent stiegen.

Der koreanische Markt ist jedoch auch für extreme Ausschläge bekannt. Ebenfalls am 11.03.2026 berichtete aktien.news über einen Ölpreisschock: Nach Angriffen gegen den Iran brach der KOSPI zunächst um sieben Prozent ein, verlor am Folgetag weitere zwölf Prozent und legte einen Tag später um zehn Prozent zu. Der Grund für diese Volatilität liegt in der besonderen Verwundbarkeit Südkoreas gegenüber steigenden Energiepreisen, da das Land zu den weltweit größten Energieimporteuren zählt.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft des Berichts vor allem eine Warnung vor falschen Erwartungen. Ein Markt, dem die marginalen Käufer fehlen, kann sich auch bei intakten Fundamentaldaten nicht nachhaltig nach oben bewegen. Die Kombination aus fallendem Handelsvolumen und gleichzeitigen Abflüssen bei ausländischen wie inländischen Anlegern deutet auf eine Phase der Seitwärtsbewegung hin, nicht auf eine schnelle Trendwende.

Interessant ist die differenzierte Sicht der Strategen innerhalb des koreanischen Marktes. Während die Länderbewertung neutral bleibt, werden bestimmte Sektoren bevorzugt: Industrie- und Materialwerte, die vom globalen Kapitalausbau profitieren, sowie Finanzwerte mit Rückenwind durch Governance-Reformen. Anleger, die in der Region engagiert sind, könnten diese Unterscheidung zwischen Länder- und Sektorebene beachten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Auch der Hinweis auf die Speicherchips verdient Beachtung. Dass das Angebot knapp bleibt, aber die Preisanstiege vorerst gebremst sind, relativiert die zuletzt starke Chip-Euphorie. Die von den Strategen genannte Bedrohung durch chinesische Speicherhersteller fügt dem Bild einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor hinzu.

Ausblick

Societe Generale erwartet für Korea kurzfristig weiterhin enge Handelsbandbreiten. Der Bericht bleibt bei einer neutralen Haltung gegenüber dem Markt und bevorzugt Taiwan-Aktien wegen der auseinanderlaufenden Gewinnwachstumspfade. Innerhalb Koreas bleiben Industrie-, Material- und Finanzwerte die präferierten Segmente.

An den japanischen Märkten beobachten die Anleger nach Angaben aus dem Handel sorgfältig alle Entwicklungen im Nahostkonflikt, die Rohölpreise und die Renditen von Staatsanleihen. Diese drei Faktoren dürften die Richtung an den asiatischen Börsen kurzfristig maßgeblich bestimmen.

Kurz erklärt

  • De-Risking: Der gezielte Abbau von Risikopositionen durch Anleger, etwa wenn sie Aktien verkaufen, um das Portfolio weniger schwankungsanfällig zu machen.
  • KOSPI: Der Leitindex der südkoreanischen Börse in Seoul, der die Entwicklung der größten dort gelisteten Unternehmen abbildet.
  • Marginaler Käufer: Ein Anleger, der an der Grenze zur Kaufentscheidung steht und mit seinem Einstieg den letzten Impuls für steigende Kurse liefert.
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