Streit über Handgepäck im Billigflieger
Verbraucherschützer fordern klare Vorgaben und kritisieren Zusatzkosten bei Billigairlines

Flugpassagiere in Europa sehen sich mit uneinheitlichen Handgepäckregeln konfrontiert – besonders bei Billigfluggesellschaften. Während manche Anbieter wie Lufthansa oder British Airways selbst im günstigsten Tarif einen kleinen Rollkoffer erlauben, gestatten andere wie Ryanair, Easyjet oder Eurowings nur eine kleine Tasche, die unter den Vordersitz passen muss. Diese Praxis stößt bei Verbraucherschützern zunehmend auf Kritik.
Der europäische Verbraucherschutz-Verband BEUC hat nun offiziell bei der EU-Kommission Beschwerde gegen sieben Billigfluglinien eingelegt: Easyjet, Ryanair, Norwegian, Transavia, Voltea, Vueling und Wizz Air. Der Vorwurf: Die Airlines verlangen zwischen sechs und 75 Euro zusätzlich für ein weiteres Handgepäckstück in der Kabine. Dabei bezieht sich der Verband auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014, dem zufolge für Handgepäck keine gesonderte Gebühr verlangt werden darf, solange Größe und Gewicht in einem angemessenen Rahmen bleiben.
Problematisch ist dabei, dass die EU bis heute keine einheitlichen Vorgaben für zulässiges Handgepäck festgelegt hat. Dies überlässt den Fluggesellschaften einen breiten Interpretationsspielraum, was zur Folge hat, dass sich Reisende vor jedem Flug erneut mit individuellen Bestimmungen auseinandersetzen müssen. Für den BEUC ist klar: Die aktuell kostenlose Tasche reicht für Reisen von mehreren Tagen nicht aus. Generaldirektor Agustín Reyna kritisiert die Einschränkungen deutlich und fordert die kostenfreie Mitnahme eines kleinen Rollkoffers.
Unterstützung erhält der Verband auch aus dem EU-Parlament. Eine Mehrheit im Verkehrsausschuss sprach sich dafür aus, künftig zwei kleine Gepäckstücke ohne Zusatzgebühr zuzulassen – eine Tasche für den persönlichen Bedarf und zusätzlich einen kleinen Koffer. Das dafür vorgeschlagene Maß bleibt allerdings unterhalb der Größe herkömmlicher Kabinenkoffer. Kritiker befürchten daher überfüllte Gepäckfächer, Stress für das Bordpersonal und mögliche Flugverzögerungen.
Der Airline-Verband A4E sowie der deutsche Branchenverband BDL sprechen sich gegen verbindliche EU-Vorgaben aus. Millionen Passagiere entschieden sich bewusst für günstige Tarife ohne Kabinenkoffer und sollten nicht gezwungen werden, Leistungen zu bezahlen, die sie nicht benötigen. Zudem könnten einheitliche Maße nicht auf die Vielzahl unterschiedlicher Flugzeugtypen Rücksicht nehmen. Eine endgültige Einigung auf neue Fluggastrechte wird frühestens zum Jahreswechsel erwartet. Bis dahin bleiben die Vorgaben Sache der jeweiligen Airline.
