Streik legt Discover Airlines lahm
Vier Tage Arbeitsniederlegungen führen zu Flugausfällen und Konflikt mit ver.di

Bei der Lufthansa-Tochtergesellschaft Discover Airlines hat am gestrigen Morgen ein Streik der Flugbegleitergewerkschaft UFO und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) begonnen. Laut Angaben einer Sprecherin der UFO ist der erste betroffene Flug eine Maschine nach Korfu, die um 04:50 Uhr vom Frankfurter Flughafen starten sollte, jedoch annulliert wurde. Die Gewerkschaften haben die Besatzungen der Fluggesellschaft zu einem Streik aufgerufen, der vier Tage andauern und bis Freitag fortgesetzt werden soll. Betroffen sind alle Abflüge aus Deutschland, was zu erheblichen Verspätungen und Flugausfällen führen könnte, deren genaues Ausmaß derzeit noch unklar ist.
Discover Airlines, die 2021 gegründet wurde und über eine Flotte von 27 Flugzeugen verfügt, plant während des Streiks etwa 270 Flüge ab Frankfurt und München auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken. Das Unternehmen betont, dass es daran arbeite, die Auswirkungen des Streiks für die Passagiere so gering wie möglich zu halten. Passagiere werden dazu aufgefordert, regelmäßig ihren Flugstatus zu überprüfen und ihre Kontaktdaten in der Buchung zu hinterlegen, um über mögliche Änderungen informiert zu werden. Obwohl die genaue Zahl der Flugausfälle nicht bekanntgegeben wurde, rechnet die Gewerkschaft UFO damit, dass Lufthansa durch die Umverteilung von Flügen auf andere Konzerngesellschaften die Auswirkungen des Streiks zumindest teilweise abfedern wird.
Der Streik steht im Zusammenhang mit einem Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft ver.di und den beiden Spartengewerkschaften UFO und VC. Ver.di hatte bei der noch jungen Fluggesellschaft bereits erste Tarifverträge für Piloten und Flugbegleiter abgeschlossen, die unter anderem Lohnsteigerungen bis Ende 2027 sowie Regelungen zu Zulagen, Arbeitszeit, betrieblicher Altersvorsorge und Hilfen beim Verlust der Fluglizenz beinhalten. Die Forderungen der UFO und VC weichen inhaltlich nur geringfügig von den Vereinbarungen mit ver.di ab. Die beiden Gewerkschaften streben jedoch eigene Tarifverträge an und kritisieren, dass ver.di, mit nach ihrer Ansicht zu wenigen Mitgliedern im Flugbetrieb, vom Lufthansa-Management als Tarifpartner eingesetzt wurde. Die Auseinandersetzung ist auch ein Machtkampf um den Einfluss der Gewerkschaften innerhalb des Lufthansa-Konzerns, in dem UFO und VC traditionell stark vertreten sind.
Bereits im vergangenen Winter hatten die VC-Piloten mehrfach gestreikt, und auch die UFO hatte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die derzeitigen Streikmaßnahmen bei Discover Airlines könnten somit als Fortsetzung dieses Arbeitskampfes gesehen werden, bei dem es neben den konkreten Forderungen auch um die Stellung und den Einfluss der Gewerkschaften innerhalb des Konzerns geht.
