Straße von Hormus: Realität bremst Markthoffnungen auf Frieden
Asiatische Märkte und Wall-Street-Futures geben nach, während die Hoffnungen auf eine Nahost-Lösung mit der Realität kollidieren.

Die Euphorie an den Finanzmärkten vom Vortag verfliegt rasch: Asiatische Aktienmärkte und Wall-Street-Futures geben nach, wenngleich sie den Großteil der gestrigen Kursgewinne halten können. Der US-Dollar stagniert, und US-Staatsanleihen können nicht mit den Gewinnen europäischer Anleihen mithalten. Hintergrund ist die wachsende Skepsis gegenüber einer raschen Lösung im Nahen Osten.
Die Lage bleibt angespannt: Der Iran stellt den Sinn der für Samstag geplanten Gespräche mit den USA infrage, während Israel weiterhin Angriffe im Libanon durchführt. Die von beiden Seiten vorgelegten 10- und 15-Punkte-Pläne weisen praktisch keine Gemeinsamkeiten auf. Berichten zufolge stimmt die englische Übersetzung des iranischen Plans nicht einmal mit der farsi-sprachigen Originalversion überein – ein deutliches Zeichen für die Tiefe der Differenzen.
Straße von Hormus: Ein globaler Engpass mit weitreichenden Folgen
Besonders brisant ist die Lage an der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Entgegen der Aussagen einiger US-Beamter ist die Meerenge nicht frei passierbar. Schiffsverfolgungsseiten zeigen, dass sich Schiffe weiterhin auf beiden Seiten der Meerenge stauen – nur eine Handvoll bewegt sich hindurch.
Vor dem Krieg passierten im Durchschnitt etwa 138 Schiffe pro Tag die Meerenge. Heute sind es 10 oder weniger. Die iranischen Revolutionsgarden testen ihre neu gewonnene Macht über den Seeweg und bestehen darauf, dass Tanker kontrolliert und genehmigt werden müssen – gegen eine Gebühr von 1 US-Dollar pro Barrel oder 2 Millionen US-Dollar für einen VLCC (Very Large Crude Carrier). Die Zahlung soll dabei in Yuan oder Kryptowährungen erfolgen.
Diese Forderung stellt Schiffseigner vor ein nahezu unlösbares Dilemma: Selbst wenn sie bereit wären zu zahlen, würden sie damit gegen zahlreiche internationale Sanktionen verstoßen. Für Anleger und Unternehmen, die den möglichen Niedergang des Petrodollars fürchten, ist die geforderte Zahlungsweise in Yuan oder Krypto ein weiteres Alarmsignal.
Präzedenzfall mit globaler Sprengkraft
Die Situation wirft eine grundsätzliche Frage auf, die weit über den Nahen Osten hinausgeht: die Freiheit der Meere als Grundpfeiler des Welthandels. Wenn der Iran Gebühren für die Durchfahrt durch Hormus erheben kann, könnte dies Schule machen. China könnte dasselbe für die Straße von Taiwan fordern, der Jemen für das Bab al-Mandab. Selbst Südafrika oder Chile könnten theoretisch Mautgebühren für das Kap der Guten Hoffnung beziehungsweise das Kap Hoorn erheben.
Ein solches Szenario würde ein weiteres kritisches Glied in den globalen Lieferketten unterbrechen – mit direkten Folgen für Inflation, Rohstoffpreise und Unternehmensgewinne weltweit. Für deutsche Anleger und Exporteure, die stark von funktionierenden Seewegen abhängig sind, wäre dies besonders relevant.
Wichtige Wirtschaftsdaten im Fokus
Abseits der geopolitischen Lage stehen am Donnerstag mehrere marktrelevante Datenpunkte auf der Agenda:
- US-Privatausgaben, Einkommen und Kernrate der PCE-Inflation für Februar
- Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA
- Dritte Veröffentlichung des US-BIP für das vierte Quartal
- Deutsche Industrieproduktion für Februar
- Eröffnungsrede von IWF-Direktorin Kristalina Georgiewa im Vorfeld der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank
Fed-Mitglieder zeigen unterdessen keine Eile, die Zinsen zu senken – einige liebäugeln sogar mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik. Dies erklärt, warum US-Staatsanleihen hinter den Gewinnen europäischer Pendants zurückbleiben. Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, stockendem Schiffsverkehr und einer hawkishen Fed dürfte die Märkte in den kommenden Tagen weiter beschäftigen.
