Trader wetten gegen Märkte vor Trumps Iran-Ultimatum
Anleger positionieren sich nervös vor Trumps Deadline – Öl springt kurz über 117 Dollar, Indizes erholen sich.

Privatanleger und Wall-Street-Profis haben den Dienstag damit verbracht, ihre Portfolios auf Trumps Frist um 20:00 Uhr vorzubereiten – eine Deadline, nach der der US-Präsident mit einer Eskalation der Angriffe auf den Iran drohte. Die Märkte reagierten hochsensibel auf jede neue Schlagzeile aus dem Nahen Osten.
Ariel Itzhak, Privatanleger und Inhaber eines Softwareunternehmens aus Miami, setzte dabei auf fallende Kurse. Er wollte gegen jede Markterholung wetten – und das unabhängig davon, ob Trump seine angedrohten Angriffe auf zivile Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke tatsächlich umsetzen würde. „Die Stimmung ist völlig unbeständig", sagte Itzhak. „Niemand weiß, wie der nächste Schritt aussehen wird."
Ölpreis springt kurz über 117 Dollar
Die Aktienkurse gaben im frühen Handel am Dienstag nach, während US-Öl-Futures kurzzeitig über 117 Dollar pro Barrel stiegen. Auslöser waren US-Militärangriffe auf Ziele auf der iranischen Insel Charg sowie Trumps verschärfte Drohungen, die er vor Ablauf seiner Frist zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus aussprach.
Die Lage beruhigte sich jedoch rasch wieder: Die wichtigsten Indizes erholten sich, und der Ölpreis fiel im nachbörslichen Handel. Hintergrund waren Berichte, wonach Pakistan eine zweiwöchige Verlängerung von Trumps Frist gefordert habe. Diese schnellen Kursbewegungen zeigen, wie empfindlich die Finanzmärkte weiterhin auf Entwicklungen im Nahen Osten reagieren.
Tägliche Erschöpfung durch Schlagzeilen-Flut
Seit Beginn des Krieges vor etwa sechs Wochen gehört die Überwachung von Trumps wechselnden Ultimaten und Social-Media-Verlautbarungen für viele Marktteilnehmer zum Alltag. Sowohl institutionelle Händler als auch Privatanleger durchforsten täglich soziale Medien nach Anzeichen für politische Kehrtwenden.
Erschwerend kommt hinzu, dass Trump oft genug von seinen extremsten Vorhaben abrückt – so häufig, dass dieses Muster sogar ein eigenes Akronym erhalten hat: TACO, kurz für „Trump Always Chickens Out" (auf Deutsch: Trump kneift immer). Das macht die Portfolioplanung besonders schwierig, denn Anleger müssen sich gleichzeitig auf eine Deeskalation und auf ein Szenario vorbereiten, in dem die USA nach Trumps eigenen Worten „alles in die Luft jagen".
Viele Händler berichten, dass sie durch die tägliche Flut an Schlagzeilen mental erschöpft sind. Einige haben sich deshalb an die Seitenlinie zurückgezogen und warten auf eine konkrete Entwicklung oder ein definitives Ende des Krieges, bevor sie größere Positionen eingehen. Für deutsche Privatanleger, die in US-Aktien oder Rohstoffe investiert sind, bleibt die Lage damit weiterhin unübersichtlich und volatil.
