Strafanzeige bei ZF nach Geheimnisverrat
Hunderte Mitarbeiter verdächtigt – Verfahren eingestellt, Existenzkrise spitzt sich weiter zu

Die Lage beim Autozulieferer ZF spitzt sich weiter zu. Der Konzern hat im Februar Strafanzeige gegen unbekannte Mitarbeiter erstattet – wegen mutmaßlichen Verrats von Geschäftsgeheimnissen. Hintergrund ist die plötzliche Veröffentlichung von Informationen zur möglichen Ausgliederung der Division E, die für die Pkw-Antriebstechnologie zuständig ist. In dieser Einheit arbeiten weltweit mehr als 30.000 Beschäftigte, allein in Deutschland hängen Tausende Arbeitsplätze an ihr, etwa in Saarbrücken und Schweinfurt.
ZF übergab den Ermittlungsbehörden Listen mit mehreren hundert Namen potenzieller Tatverdächtiger. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg bestätigte, dass ein entsprechendes Verfahren eingeleitet wurde. Ein Datenabgleich mit E-Mail-Kontakten der genannten Personen brachte allerdings keine erfolgversprechenden Ansätze. Mitte Juni wurde das Verfahren eingestellt. Laut Behörde sei „auch in rechtlicher Hinsicht ein strafbares Handeln fraglich“, da der entsprechende Tatbestand des Gesetzes zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen nicht erfüllt sei.
Trotz der juristischen Niederlage bleibt die Unruhe bei ZF groß. Intern ist das Vertrauen in die Unternehmensführung offenbar stark erschüttert. Die Führungsebene sieht sich mit wachsender Kritik konfrontiert, nicht nur von der Belegschaft, sondern auch aus den eigenen Reihen. Insider berichten von einer zunehmenden Entfremdung selbst unter Führungskräften. Die Restrukturierung, mit der das Unternehmen auf seine wirtschaftliche Schieflage reagiert, sorgt für zusätzliche Spannungen.
Geplant ist ein umfassender Stellenabbau in Deutschland: Bis 2028 sollen bis zu 14.000 Jobs wegfallen. Schon zur Jahresmitte 2025 sind laut ZF rund 5700 Stellen gestrichen worden, weitere 4700 sollen durch Renteneintritte oder Altersteilzeitverträge folgen. Doch Beobachter bezweifeln, dass dieser Sparkurs reicht. Es ist von einem möglichen „Kahlschlag“ die Rede, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.
Eine zentrale Entscheidung rückt näher: Am 29. Juli tagt der Aufsichtsrat. Die Division E steht dabei im Fokus. Diskutiert wird über einen möglichen „Carve out“, bei dem diese Sparte ausgegliedert und womöglich verkauft oder abgewickelt wird. Auch ein sogenannter „Ramp down“, also das schrittweise Auslaufen des Geschäfts, ist denkbar. Die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt – Proteste zur Aufsichtsratssitzung sind bereits in Planung. Sollte keine interne Lösung gefunden werden, könnten Banken die Kontrolle übernehmen und einen externen Restrukturierer einsetzen.
