Stellantis senkt Gewinnprognose drastisch
Verkaufsprobleme und Konkurrenzdruck fordern den CEO Carlos Tavares heraus

Stellantis, der Mutterkonzern von Opel, hat seine Gewinnprognose für das Jahr 2024 drastisch nach unten korrigiert. Anstelle der zuvor angestrebten zweistelligen Renditen wird nun eine Gewinnmarge von lediglich 5,5 bis 7 Prozent erwartet. Diese Anpassung spiegelt die anhaltenden Verkaufsprobleme auf dem nordamerikanischen Markt wider und zeigt die zunehmende Konkurrenz aus China, insbesondere im Bereich der Elektroautos. Der Konzernchef Carlos Tavares sieht sich dadurch wachsendem Druck ausgesetzt, da die interne Debatte über seine Zukunft als CEO an Intensität gewinnt.
Die Mitteilung von Stellantis hebt hervor, dass das Unternehmen mit „Performance-Problemen“ in Nordamerika konfrontiert ist. Dies betrifft insbesondere die Marken Chrysler, Jeep, Dodge und Ram, die lange Zeit als wichtige Gewinnquellen dienten. Die operative Marge des Unternehmens sank im vergangenen Jahr auf 12,8 Prozent, nachdem sie 2022 noch bei 13,4 Prozent lag. Zudem wird ein negativer Free Cashflow im Bereich von minus fünf bis minus zehn Milliarden Euro für dieses Jahr prognostiziert. Dies hat zu einem deutlichen Rückgang des Aktienkurses geführt, der um acht Prozent gefallen ist.
Um die Lage zu verbessern, plant Stellantis, den Fahrzeugbestand in Nordamerika bis Ende 2024 auf maximal 330.000 Einheiten zu reduzieren und im zweiten Halbjahr 200.000 Fahrzeuge weniger auszuliefern. Kaufanreize sollen zusätzlich helfen, die Neuwagen zu verkaufen. Trotz der angespannten Situation äußert das Unternehmen Zuversicht, dass die ergriffenen Maßnahmen eine bessere betriebliche und finanzielle Performance in den kommenden Jahren gewährleisten werden.
Die dramatische Anpassung der Gewinnprognose wirft jedoch Fragen zur Übersicht des Managements und zur Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren auf. Finanzvorständin Natalie Knight hatte vor Kurzem noch von einem „ambitionierten“ Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gesprochen, während das Unternehmen kurz zuvor Aktien zurückgekauft hatte. Beobachter merken an, dass der zentrale Führungsstil von Tavares und die Konzentration der Macht im Unternehmen möglicherweise nicht mehr den aktuellen Herausforderungen gewachsen sind.
Zusätzlich sieht sich Stellantis, wie andere europäische Automobilhersteller auch, mit den Herausforderungen des langsamen Übergangs zur Elektromobilität konfrontiert. Die US-Autogewerkschaft United Auto Workers hat Tavares bereits als „Crashkurs“ kritisiert und fordert mehr Einhaltung von Zusagen gegenüber den Beschäftigten. Die jüngsten Entwicklungen bei Stellantis zeigen, dass die europäische Autoindustrie vor einem erheblichen Umbruch steht.
