Stellantis investiert Milliarden in US-Standorte
Neuer Konzernchef Filosa setzt auf Wachstum, neue Modelle und tausende Arbeitsplätze

Der Automobilkonzern Stellantis will in den kommenden vier Jahren 13 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten investieren, um seine Marktposition dort deutlich zu stärken. Das Unternehmen, zu dem Marken wie Peugeot, Fiat, Chrysler und Opel gehören, kündigte an, mit dieser Rekordsumme sowohl die Produktion in mehreren US-Bundesstaaten auszubauen als auch neue Modelle einzuführen. Insgesamt sollen über 5000 neue Arbeitsplätze in Werken in Illinois, Ohio, Michigan und Indiana entstehen. Nach Angaben des Konzerns handelt es sich um die größte Einzelinvestition in der 100-jährigen US-Geschichte des Unternehmens.
Konzernchef Antonio Filosa bezeichnete das Projekt als entscheidenden Schritt, um das Wachstum von Stellantis in den USA anzukurbeln. Seit seinem Amtsantritt habe die Expansion auf dem US-Markt oberste Priorität, erklärte er. Der Ausbau der Produktionsstandorte und die Schaffung neuer Arbeitsplätze seien ein Signal der langfristigen Verpflichtung gegenüber dem amerikanischen Markt. Stellantis wolle mit den Investitionen seine Präsenz in Nordamerika festigen und die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Marken erhöhen.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der der Konzern trotz einiger positiver Signale unter erheblichem Druck steht. Nach schwachen Ergebnissen im ersten Halbjahr war der Absatz von Stellantis im dritten Quartal wieder gestiegen. Die Auslieferungen legten weltweit um 13 Prozent zu, der US-Markt verzeichnete sogar ein Plus von 35 Prozent. Ein wesentlicher Grund war der Abbau hoher Lagerbestände, die den Absatz zuvor belastet hatten. Dennoch bleibt der Automobilhersteller in Nordamerika mit Herausforderungen konfrontiert, da große SUV und Pickups, einst zentrale Gewinnbringer, sich schwieriger verkaufen lassen.
Der anhaltende Rückgang der Nachfrage nach diesen Modellen hatte bereits Folgen für die Führungsspitze. Der frühere Vorstandschef Carlos Tavares musste seinen Posten räumen, nachdem das Unternehmen trotz hoher Umsätze mit den profitablen Fahrzeugklassen seine Gewinnziele verfehlte. Filosa kündigte nach seinem Amtsantritt an, die Modellpalette zu überarbeiten und die Produktion stärker auf die Bedürfnisse des US-Marktes auszurichten.
Zusätzlich belastet die Zollpolitik der Vereinigten Staaten den Konzern erheblich. Schon im ersten Halbjahr 2025 fielen Sonderkosten in Höhe von 0,3 Milliarden Euro an, für die zweite Jahreshälfte rechnet Stellantis mit weiteren 1,2 Milliarden Euro. Der Umsatz war in den ersten sechs Monaten um 13 Prozent auf 74,3 Milliarden Euro gesunken, der Absatz um 7 Prozent. Trotz des jüngsten Aufschwungs bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt, doch die geplanten Investitionen sollen den Weg für eine nachhaltige Erholung ebnen.
