Sporttech-IPOs: Strava, Oura und Whoop vor dem Börsengang
Drei Fitness-Tracker-Anbieter planen den Gang aufs Parkett – doch das Geschäftsmodell birgt Risiken

Der Longevity-Trend erfasst nicht nur die Pharmabranche, sondern auch den Sportsektor. Fitnesstracker und ihre Algorithmen versprechen ein längeres, gesünderes Leben. Nun drängen gleich mehrere Anbieter an die Börse – allen voran die populäre Lauf-App Strava, die Anfang Februar ihre IPO-Pläne bekannt gab.
Der Börsengang könnte zum Lackmustest für die gesamte Branche werden. Auch die Tracker-Hersteller Whoop und Oura liebäugeln mit dem Schritt aufs Parkett. Whoop-Chef Will Ahmed nannte einen Zeitrahmen von zwei Jahren, Oura-CEO Tom Hale bezeichnete ein IPO als "ernsthafte Option". Alle drei Unternehmen vereint ein ähnliches Geschäftsmodell: Sie sammeln Sport- und Gesundheitsdaten, werten diese aus und geben personalisierte Empfehlungen.
Dabei unterscheiden sich die Ansätze deutlich. Strava nutzt Daten externer Wearables wie der Apple Watch und bietet Teile seiner Dienste kostenlos an. Oura verkauft einen Tracker-Ring, Whoop setzt auf ein Armband – beide ausschließlich im Abo-Modell. Trotz ihrer Gründung zwischen 2009 und 2013 gelten alle drei wegen ihrer Venture-Capital-Finanzierung noch als Start-ups.
Bewertungen klaffen stark auseinander
Die Unterschiede zeigen sich auch bei den Bewertungen. Strava kommt bei 500 Millionen Dollar Umsatz auf eine Marktkapitalisierung von 2,2 Milliarden Dollar. Whoop erreicht mit einer Milliarde Umsatz 3,6 Milliarden Dollar. Oura toppt beide: Bei ebenfalls 500 Millionen Umsatz liegt die Bewertung bei 11 Milliarden Dollar. Die Investoren wetten hier offenbar auf deutlich höheres Wachstumspotenzial.
Doch wie werden die Finanzmärkte reagieren? Ein Blick auf bereits börsennotierte Konkurrenten liefert Anhaltspunkte. Peloton und Garmin haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Pelotons Aktie schoss während der Pandemie auf 167 Dollar, stürzte dann aber auf neun Dollar ab – befeuert durch Produktrückrufe und einen tödlichen Unfall mit einem Gerät.
Garmin hingegen zeigt seit 2023 einen stabilen Aufwärtstrend. Die Aktie verdoppelte sich von 100 auf über 200 Euro. Der Unterschied: Garmin bietet ein breites Hardware-Portfolio von Smartwatches bis zu Autopiloten und ist weniger abhängig vom Abo-Geschäft. Die Geräte funktionieren auch ohne kostenpflichtiges Zusatzangebot vollumfänglich.
Abomodell stößt auf Kundenvorbehalte
Genau hier liegt die Schwachstelle der IPO-Kandidaten. Pelotons enges Abomodell überzeugt die Börse derzeit nicht. Das Unternehmen verkauft Standfahrräder, Laufbänder und Rudergeräte, die zwar theoretisch ohne Abo nutzbar sind – dann aber deutlich günstiger bei Konkurrenten erhältlich wären.
Deloitte-Studien aus den Jahren 2022 und 2025 bestätigen die Skepsis der Verbraucher. Während Abos bei Telekommunikation und Versicherungen akzeptiert werden, stoßen sie bei Luxusgütern, Medizin und Online-Fitness auf Ablehnung. Kunden wählen Abos nur bei klaren Vorteilen gegenüber dem Einmalkauf – oder wenn keine Alternative besteht.
Wie angreifbar das Geschäftsmodell ist, zeigte sich 2024 am Beispiel Strava. Das Unternehmen verklagte seinen langjährigen Partner Garmin wegen angeblicher Patentverletzungen bei der Datenauswertung. Monate später zog Strava die Klage zurück – ohne öffentliche Begründung. Der Vorfall wirft die Frage auf: Wie viel Mehrwert bieten die Premium-Features wirklich, wenn Garmin Connect ähnliche Funktionen kostenlos liefert?
Fitnesstrend trifft auf Abo-Müdigkeit
Dabei wächst der Fitnessmarkt durchaus. In Deutschland treiben laut Deloitte mittlerweile fast die Hälfte der Befragten mehrmals wöchentlich Sport – ein Anstieg von einem Drittel seit Pandemieende. Doch die Zahlungsbereitschaft für digitale Fitness-Abos hinkt diesem Trend hinterher.
Für Strava, Whoop und Oura bedeutet das: Sie müssen Investoren nicht nur von ihrem Wachstumspotenzial überzeugen, sondern auch die Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells beweisen. Strava wird voraussichtlich im Frühjahr Preis und Termin für den Börsengang bekannt geben. Die Reaktion des Marktes dürfte richtungsweisend für die gesamte Sporttech-Branche werden.
