Sparkassen erwarten Gewinneinbruch in Hessen und Thüringen
Trotz Konjunkturschwäche leichte Erholung im Kreditgeschäft und stabile Zinsüberschüsse

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sehen sich im Jahr 2024 mit einer herausfordernden wirtschaftlichen Situation konfrontiert. Aufgrund der schwachen Konjunktur erwarten sie einen Rückgang des Betriebsergebnisses vor Bewertung. Es wird davon ausgegangen, dass dieses auf fast 1,5 Milliarden Euro sinken könnte, was einem Rückgang von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Prognose gab der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen (SGVHT) bei der Präsentation der Halbjahresbilanz in Frankfurt bekannt. Stefan Reuß, der Präsident des Verbands, bezeichnete das Ergebnis als ordentlich, auch wenn die Sparkassen sich derzeit nicht von der allgemeinen wirtschaftlichen Schwäche abkoppeln könnten. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigten sich die Sparkassen insgesamt zufrieden mit der Geschäftsentwicklung.
Im Neukreditgeschäft sieht Reuß zumindest einen positiven Trend. Hier zeichne sich „Licht am Ende des Tunnels“ ab. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmen wieder anzieht. Die Kreditbestände der Sparkassen in Hessen und Thüringen stiegen in den ersten sechs Monaten des Jahres um 0,6 Prozent auf fast 94 Milliarden Euro. Dies wird als ein Zeichen gewertet, dass sich die Unternehmen allmählich wieder zu Investitionen ermutigt fühlen. Trotzdem bleibt das wirtschaftliche Umfeld weiterhin angespannt, was sich vor allem in bestimmten Sektoren zeigt.
Besonders im Wohnungsbau macht sich die aktuelle Strukturkrise bemerkbar. Laut Reuß hat diese Krise weiterhin gravierende Auswirkungen auf die Immobilienfinanzierungen. Steigende Preise und Löhne, höhere Bauzinsen sowie strengere energetische Vorschriften führten dazu, dass der Neubau nahezu zum Stillstand gekommen ist. Dies sei besonders problematisch, da der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum weiterhin groß sei. Reuß betonte den Ernst der Lage, da der Auftragsmangel im Wohnungsbau zunehme und eine baldige Erholung in diesem Bereich noch nicht absehbar sei.
Trotz der Herausforderungen im Wohnungsbau bleibt der Zinsüberschuss der Sparkassen stabil. Für das laufende Jahr wird ein leichter Rückgang auf 2,7 Milliarden Euro erwartet, jedoch soll das Niveau von 2023 weitgehend gehalten werden. Laut Reuß habe die Zinswende die Ertragskraft der Sparkassen im Zinsgeschäft wieder normalisiert. Die Sparkassen in Hessen und Thüringen seien gut in der Lage, mit dem aktuellen Zinsniveau umzugehen, könnten aber auch Zinssenkungen verkraften. In diesem Zusammenhang wurde erwähnt, dass die Europäische Zentralbank voraussichtlich zum zweiten Mal seit Juni ihre Zinsen senken wird.
