S&P 500-Futures uneinheitlich vor Bankenergebnissen – Kospi bricht ein
Großbanken wie JPMorgan und Goldman Sachs legen Quartalszahlen vor – Analysten erwarten 30% Gewinnwachstum im S&P 500.

Die US-Aktienfutures zeigten sich am frühen Dienstag uneinheitlich, während Anleger weltweit auf eine der bedeutendsten Wochen der Berichtssaison blicken. Die Futures auf den S&P 500 gaben um etwa 0,2% nach, die Nasdaq-100-Futures verloren 0,7%. Gegen den Trend legten die Futures auf den Dow Jones Industrial Average um 122 Punkte oder 0,2% zu. Die Divergenz zwischen dem technologielastigen Nasdaq und dem klassischen Blue-Chip-Index spiegelt die selektive Risikobereitschaft der Märkte wider.
Im Mittelpunkt des Handelstages stehen die Quartalsergebnisse der US-Großbanken JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo, die allesamt vor Handelsbeginn veröffentlicht werden sollen. Auch das Dow-Mitglied UnitedHealth steht auf der Agenda. Die frühen Berichte gelten als Stimmungsbarometer für die gesamte Berichtssaison – und die Erwartungen sind hoch.
Laut FactSet rechnen Analysten im Durchschnitt damit, dass die Gewinne im S&P 500 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 30% gestiegen sind. Anthony Saglimbene, Chefmarktstratege bei Ameriprise, identifiziert drei Schlüsselgruppen: „Banken (Verfassung von Konsumenten und Unternehmen), Big Tech (KI-Monetarisierung) und Energie (Beständigkeit der ölgetriebenen Gewinne)." Hinter diesen Bereichen werde laut Saglimbene die Verfassung von Verbrauchern und Unternehmen angesichts höherer Zinsen, gestiegener Kosten und Sorgen über das makroökonomische Umfeld genau beobachtet werden.
Die Details
In Asien sorgte der südkoreanische Leitindex Kospi für Aufsehen: Er fiel um mehr als 6% und rutschte damit unter die Marke von 6.000 Punkten auf den niedrigsten Stand seit dem 31. Juli. Der Small-Cap-Index Kosdaq sank um 3,25%. Auch Japan blieb nicht verschont: Japans Nikkei 225 verzeichnete ein Minus von 2,22%, während der Topix unverändert blieb. Australiens Leitindex S&P/ASX 200 legte hingegen leicht zu.
Der Vortag an der Wall Street verlief ebenfalls uneinheitlich. Der Dow schloss am Montag mehr als 195 Punkte höher, während Kursverluste bei Speicherchip-Aktien den Nasdaq Composite und den S&P 500 ins Minus drückten. Der US-Anleihenmarkt war am Montag aufgrund des Feiertags „Indigenous Peoples' Day" geschlossen.
Der britische Ölriese BP meldete am Dienstag, dass die Ergebnisse des dritten Quartals voraussichtlich Anpassungsposten nach Steuern im Zusammenhang mit Wertberichtigungen im Bereich von 3 Milliarden bis 4,5 Milliarden US-Dollar enthalten werden. „Diese Belastungen sind primär dem Bereich Transformationsgeschäfte im Segment Gas & Low Carbon Energy zuzuordnen und sind im bereinigten Gewinn auf Ersatzkostenbasis nicht enthalten", so das Unternehmen. Die vollständigen Ergebnisse für das dritte Quartal werden am 30. Oktober veröffentlicht.
Am Devisenmarkt notierte der Euro am Dienstagmorgen gegenüber dem US-Dollar fester. Gegen 2:25 Uhr ET lag die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback um 0,2% im Plus, nachdem sie am Vortag gefallen war. Zuletzt notierte der Kurs bei rund 1,1172 US-Dollar. Analysten der ING warnten in einer Mitteilung vom Montag, dass fiskalische Bedenken in Frankreich den Euro bis ins neue Jahr belasten könnten. Sie erwarten, dass sich das Paar EUR/USD in den kommenden Monaten in einer Spanne von 1,10 bis 1,15 bewegen wird.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass die Berichtssaison für das dritte Quartal in der darauffolgenden Woche richtig Fahrt aufnehmen würde. Mit Citigroup, Goldman Sachs, Wells Fargo und JPMorgan Chase sollten gleich vier der größten US-Banken am Dienstag ihre Zahlen vorlegen. Für die Banken wurde laut FactSet-Daten ein Gewinnwachstum von rund 10% erwartet – ein Wert, der ihrer historischen Entwicklung entspricht. Anleger erhofften sich von den Ergebnissen frischen Rückenwind für einen Aktienmarkt, der zuletzt unter dem Druck steigender Anleiherenditen gelitten hatte.
Am 29. September 2026 berichtete aktien.news, dass US-Aktien-Futures seitwärts notierten, wobei steigende Rohölpreise und steile Anleiherenditen die Risikobereitschaft der Anleger im Zaum hielten. Bereits damals war die Stimmung an den Märkten von Vorsicht geprägt – ein Muster, das sich nun in der Berichtssaison fortsetzt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die aktuelle Berichtssaison aus mehreren Gründen relevant. Erstens geben die Ergebnisse der US-Großbanken Aufschluss über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft – ein wichtiger Indikator für die globale Konjunktur. Zweitens könnten die Inflationsdaten für September, die im weiteren Wochenverlauf veröffentlicht werden, die Renditen von US-Staatsanleihen erneut in Bewegung bringen, nachdem diese kürzlich Mehrjahreshochs erreicht hatten. Höhere Anleiherenditen in den USA wirken sich erfahrungsgemäß auch auf europäische Märkte und den Wechselkurs EUR/USD aus.
Die Wertberichtigungen bei BP im Bereich Gas & Low Carbon Energy erinnern daran, dass der Energiesektor im Transformationsprozess erhebliche Risiken birgt. Anleger, die in Energieunternehmen investiert sind, sollten die vollständigen Quartalsergebnisse am 30. Oktober genau verfolgen.
Zusätzlich werden am Dienstag die Zahlen zu den Verkäufen bestehender Häuser in den USA veröffentlicht. Kommentare der Federal-Reserve-Vertreter Christopher Waller, Tom Barkin und Susan Collins könnten weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank liefern – ein Thema, das Anleger weltweit beschäftigt.
Ausblick
Im weiteren Wochenverlauf stehen die Inflationsdaten für September auf dem Programm. Diese könnten die Renditen von US-Staatsanleihen erneut bewegen, nachdem diese zuletzt Mehrjahreshochs erreicht hatten. BP wird seine vollständigen Ergebnisse für das dritte Quartal am 30. Oktober veröffentlichen. Am Mittwoch folgen laut früherem aktien.news-Bericht vom 10. Oktober weitere Großbanken wie Morgan Stanley und Bank of America sowie der Vermögensverwalter BlackRock mit ihren Quartalszahlen.
Kurz erklärt
- Futures: Terminkontrakte, mit denen Anleger auf die künftige Kursentwicklung eines Index oder Wertpapiers wetten, bevor der reguläre Handel beginnt.
- Wertberichtigung: Bilanzielle Abschreibung, bei der ein Unternehmen den Buchwert eines Vermögenswerts nach unten korrigiert, weil dessen tatsächlicher Wert gesunken ist.
- Anleiherendite: Der effektive Zinssatz, den ein Anleger erhält, wenn er eine Staatsanleihe bis zur Fälligkeit hält – steigt die Rendite, sinkt der Kurs der Anleihe.
