S&P 500 extrem konzentriert: Sind die Tech-Five noch Kaufempfehlungen?
Die fünf größten Positionen machen fast 30 Prozent des Index aus – ein historischer Rekordwert.

Der S&P 500 ist nicht mehr so diversifiziert wie in der Vergangenheit. Die fünf größten Positionen des Index machen inzwischen fast 30 Prozent seines Bestands aus – die höchste Konzentration, die der US-Leitindex je verzeichnet hat. Diese sogenannten „Tech Five“ – Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon – werden damit eine entscheidende Rolle für die Performance des Benchmarks spielen. Das gilt auch für alle börsengehandelten Fonds (ETFs), die den Index abbilden, wie etwa den Vanguard S&P 500 ETF (VOO).
Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung besonders relevant, weil der S&P 500 in vielen Depots über entsprechende ETFs stark vertreten ist. Wer breit gestreut investieren möchte, muss sich bewusst sein, dass ein Indexfonds auf den S&P 500 heute faktisch ein erhebliches Klumpenrisiko in US-Technologieaktien mit sich bringt. Die Frage lautet daher: Sind die fünf Schwergewichte trotz der hohen Bewertungen noch Kaufempfehlungen wert?
Nvidia: Schutzmauer im KI-Wettlauf
Nvidia ist der Hauptlieferant im Wettlauf um die Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI). Seine Grafikprozessoren (GPUs) dienen als primäre Chips zur Bewältigung von KI-Arbeitslasten. Das Unternehmen verfügt über ein enormes Schutzmauer-Geschäft im Training von KI-Modellen, da der Großteil des frühen KI-Codes auf seiner CUDA-Softwareplattform geschrieben wurde. In den vergangenen Jahren hat sich Nvidia zudem zu einem umfassenden Akteur in der KI-Infrastruktur entwickelt, der End-to-End-Lösungen für Training, Inferenz und agentic AI anbietet.
Wohin auch die Ausgaben für KI-Infrastruktur fließen, Nvidia wird ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen. Da die Ausgaben weiter stark ansteigen sollen und die Aktie mit weniger als dem 14,5-Fachen des erwarteten KGV auf Basis des Geschäftsjahres 2028 (endet im Januar) günstig gehandelt wird, bleibt Nvidia nach Einschätzung der Quelle ein Kauf.
Apple: Starkes Ökosystem, aber teuer bewertet
Apple verfügt über eines der besten Geschäftsmodelle weltweit, da sein Ökosystem Kunden bindet und hält. Während Hardwareprodukte wie das iPhone und MacBook den Anreiz bieten, generiert das Unternehmen hohe Margen durch Service-Einnahmen – etwa aus Cloud-Speicher, Provisionen auf Apps, Abonnements, einem kleinen Anteil an Apple-Pay-Transaktionen sowie aus der Umsatzbeteiligungsvereinbarung mit Alphabet, die Google als Standardsuchmaschine auf Apple-Geräten erlaubt.
Mit einem erwarteten KGV von 35 ist die Aktie allerdings etwas teuer, was das Aufwärtspotenzial begrenzen könnte. Anleger erhalten jedoch ein hervorragendes Unternehmen mit Zinseszins-Effekt, das langfristig gut abschneiden dürfte.
Microsoft: Cloud-Riese mit KI-Rückenwind
Microsoft ist ein führender Anbieter von Cloud Computing und Enterprise-Productivity-Software-as-a-Service (SaaS) und hält zudem 27 Prozent am ChatGPT-Hersteller OpenAI. Die Azure-Cloudsparte verzeichnete in den vergangenen drei Jahren jedes Quartal ein konsistentes Wachstum von mehr als 30 Prozent. Der Auftragsbestand liegt bei enormen 678 Milliarden Dollar, maßgeblich gestützt durch Verpflichtungen von OpenAI.
Gleichzeitig wird Microsoft aufgrund der starken Verankerung seiner Software im Unternehmensumfeld zum Gewinner im Bereich KI-Software. Der Einsatz des KI-Assistenten Copilot verzeichnet starke Zuwächse: Die Zahl der zahlenden Nutzer hat sich im letzten Quartal nahezu verdoppelt und liegt nun bei 30 Millionen Sitzplätzen. Die Aktie notiert beim 27-Fachen der Analystenschätzungen für das Geschäftsjahr 2027 und knapp über dem 22,5-Fachen der Konsensschätzungen für 2028 – laut Quelle eine angemessene Bewertung.
Alphabet und Amazon: Attraktive Bewertungen
Alphabet ist vor allem für Google Search bekannt, stellt aber den vollständigsten KI-Namen dar, da das Unternehmen sowohl eigene KI-Modelle der Spitzenklasse als auch eigene Chips entwickelt. Das Chipgeschäft ist ein echter Differenzierungsfaktor: Es ermöglicht Alphabet, seine KI-Modelle günstiger zu trainieren und Inferenzberechnungen durchzuführen als Wettbewerber. Die Cloudsparte erreicht eine Amortisationszeit von einem Jahr für ihre Investitionen in KI-Chips und Netzwerkinfrastruktur, wenn sie eigene Chips nutzt. Zudem hat das Unternehmen Partner Broadcom direkt an Anthropic verkaufen lassen, was einen weiteren hochmargigen Umsatzstrom erschlossen hat. Beim erwarteten KGV von 23 für 2027 erscheint die Aktie attraktiv bewertet.
Amazon ist Marktführer sowohl im Cloud Computing als auch im E-Commerce. Das Cloud-Geschäft beschleunigt sich, und das Unternehmen schätzt, dass dies langfristig zu einem Billionen-Dollar-Umsatzgeschäft werden könnte. Amazon investiert aggressiv und verfügt über einen großen Auftragsbestand, unterstützt durch Anthropic und OpenAI. Zudem baut das Unternehmen ein eigenes Chipgeschäft auf. Im E-Commerce profitiert es von operativer Hebelwirkung aus Investitionen in Robotik, Automatisierung und KI. Mit einem erwarteten KGV von 25 auf Basis der Schätzungen für 2027 handelt Amazon zu historisch attraktivem Niveau.
Fazit: Konzentration ja, Panik nein
Während der S&P 500 und ETFs wie VOO nun stark konzentriert sind, sieht die Quelle dennoch attraktive Bewertungen und starkes Aufwärtspotenzial bei vier der fünf Top-Aktien des Index. Apple ist die einzige Ausnahme – sie gilt als etwas teuer, gehört aber weiterhin zu den großartigen Zinseszins-Unternehmen der Welt und dürfte sich im Laufe der Zeit bewähren. Aus diesem Grund sollte man die hohe Konzentrationsrate des S&P 500 zum jetzigen Zeitpunkt nicht übermäßig beunruhigend finden.
