Softwareaktien im Mini-Bullenmarkt: Trader setzen auf weitere Gewinne
Der IGV-ETF klettert über 20% seit April-Tiefs – Optionshändler positionieren sich bullish auf Microsoft, ServiceNow und Salesforce.

Softwareaktien erleben eine bemerkenswerte Erholung. Während Halbleiterwerte den Nasdaq-100 den zweiten Tag in Folge belasteten, legten Softwaretitel klammheimlich zu und signalisierten damit eine mögliche Trendwende. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) stieg am Montag um mehr als 1% und baute damit seinen Anstieg seit den April-Tiefstständen auf über 20% aus. Der ETF notiert nun auf dem höchsten Stand seit Januar 2026.
Für viele Marktbeobachter ist ein Kursanstieg von mehr als 20% gegenüber einem Tiefpunkt die klassische Definition eines Bullenmarkts. Entsprechend optimistisch positionieren sich Optionshändler: In der Montagssitzung wurden fast 28.000 Put-Optionen auf den IGV-ETF verkauft – eine bullishe Strategie, bei der Händler im Gegenzug für eine vereinnahmte Prämie bereit sind, den Basiswert zum Ausübungspreis zu erwerben. Zudem überstieg die Anzahl der gekauften Call-Optionen die der Puts deutlich.
Millionenwette auf Microsoft
Besonders auffällig war ein einzelnes Großgeschäft: Ein Händler investierte 32 Millionen US-Dollar in den Kauf von 7.000 „In-the-money"-Calls auf Microsoft mit einem Strike-Preis von 390 US-Dollar und einer Fälligkeit am 21. August. Acht der zehn größten Optionsgeschäfte in der Microsoft-Aktie entfielen an diesem Tag auf Call-Käufer – ein klares Zeichen für ausgeprägte Aufwärtserwartungen.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Sektor durch einen Analystenreport der Bank of America. Analyst Tal Liani nahm die Beobachtung von ServiceNow mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 130 US-Dollar wieder auf. Die ServiceNow-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 9%. Daraufhin griffen Optionshändler massiv zu: Mehr als 85.000 Calls auf den Titel wurden erworben, wobei das Handelsvolumen der Calls das der Puts um das Fünffache überstieg.
Selbst die zuletzt schwächelnde Salesforce-Aktie, die vom BofA-Team als „Underperformer" eingestuft wird, legte um 3,5% zu. Auch hier zeigte sich eine bullishe Optionspositionierung mit einem Call-zu-Put-Verhältnis von drei zu eins.
Cybersicherheit als Ausreißer nach oben
Innerhalb des Softwaresektors sticht ein Teilbereich besonders hervor: Cybersicherheitsaktien. Der Amplify Cybersecurity ETF „HACK" ist seit dem 20. April um 16% gestiegen, inklusive einer Tagesrallye von 3% am Montag. Einzeltitel wie CrowdStrike und Palo Alto Networks notieren sogar auf Allzeithochs – eine Ausnahmeerscheinung in einem Sektor, der insgesamt noch weit unter seinen Vorjahreshöchstständen liegt.
Der Hintergrund der Schwäche im Softwaresektor ist die sogenannte „SaaSpocalypse" – die Befürchtung, dass KI-Agenten klassische Softwareunternehmen langfristig ersetzen könnten. Diese Sorge hatte Softwareaktien im Jahr 2026 massiv unter Druck gesetzt und zu erheblichen Kursverlusten geführt. Trotz der jüngsten Erholung weist der IGV-ETF im bisherigen Jahresverlauf noch immer ein Minus von 12% aus.
Die aktuelle Erholung ist also beachtlich, aber noch kein vollständiger Befreiungsschlag. Ob der Mini-Bullenmarkt nachhaltig ist oder lediglich eine technische Gegenbewegung darstellt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – insbesondere wenn weitere Quartalsergebnisse und KI-Entwicklungen neue Impulse liefern.
