SoftBank kauft DigitalBridge: Sons KI-Strategie sprengt die Bilanz
SoftBank schließt die 4-Milliarden-Dollar-Übernahme von DigitalBridge ab und schafft eine neue Plattform für externes Kapital.

Die SoftBank Group hat die Übernahme des digitalen Infrastrukturanbieters DigitalBridge für rund 4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Der Deal verschafft Konzernchef Masayoshi Son ein neues Instrument, um externes Kapital für seine weitreichenden KI-Ambitionen einzusammeln. Denn die Projekte, die Son verfolgt, sind zu groß, um sie allein aus der Bilanz des japanischen Konglomerats zu finanzieren.
Marc Ganzi, Chief Executive von DigitalBridge, sagte gegenüber der Financial Times, sein Unternehmen werde zur "Dritt-Infrastrukturabteilung" von SoftBank. Diese soll Geld von institutionellen Anlegern einsammeln, um Rechenzentren, Energieversorgung und andere Projekte zu finanzieren. "Da Masas Ambitionen immer weiter wachsen, wird er nicht alles allein über die SoftBank-Bilanz stemmen können", sagte Ganzi.
Die Transaktion fällt in eine Phase, in der die Finanzierung von Sons KI-Strategie komplizierter wird. SoftBank hat in diesem Monat einen der größten Junk-Bond-Deals aller Zeiten gestartet, um seine OpenAI-Investition zu finanzieren. Zugleich hat SB Energy, die von SoftBank kontrollierte Gruppe, die mit dem Bau riesiger Rechenzentren für OpenAI beauftragt ist, die Vorbereitungen für einen Börsengang verlangsamt. Auch der ChatGPT-Hersteller selbst hat seine eigenen IPO-Pläne verschoben.
Die Details
Die Fertigstellung des DigitalBridge-Deals stellt dennoch einen Fortschritt in SoftBanks breiterer KI-Strategie dar. Ganzi zufolge verfolgt Son das Ziel, drei Schichten des "KI-Wedding-Cakes" zu kontrollieren: große Sprachmodelle durch SoftBanks Beteiligung an OpenAI, Chips durch den Besitz von Arm sowie Energie und Rechenzentren durch DigitalBridge. "Energie ist das Tor zum Computing", sagte Ganzi. "Wenn man keinen Stromfluss kontrollieren kann, kommt man auch nicht zu einem Token."
Die Fonds von DigitalBridge halten große Beteiligungen an Betreibern von Rechenzentren, darunter Vantage, Switch und DataBank, sowie an Zayo, einem der größten unabhängigen Glasfasernetze Nordamerikas. SoftBanks Übernahme bewertete DigitalBridge mit rund 4 Milliarden US-Dollar einschließlich Schulden. DigitalBridge selbst verwaltet mehr als 100 Milliarden US-Dollar an digitaler Infrastruktur.
Ganzi betonte die Eigenständigkeit seines Hauses: "DigitalBridge bleibt unabhängig in dem Sinne, dass wir nicht in SoftBank konsolidiert werden." Man werde "die Dritt-Infrastrukturabteilung von SoftBank sein, die nach außen geht, Drittkapital einwirbt und in Projekte investiert". SoftBank werde die zukünftigen Fonds von DigitalBridge anführen — eine ähnliche Vereinbarung wie die Rolle von Brookfield Corp bei Brookfield Asset Management. "Das ist absolut die Idee, unsere Kapitalbeschaffung zu beschleunigen", sagte Ganzi.
Bereits im Mai hatte DigitalBridge vereinbart, den Energieinvestor ArcLight Capital Partners zu übernehmen. Ganzi sagte, die beiden Unternehmen würden Deals gegenseitig weiterreichen: SoftBank vermittle Infrastruktur- und Energiechancen an DigitalBridge, im Gegenzug leite DigitalBridge Private-Equity-ähnliche Deals an SoftBank weiter. "Wenn wir Ideen finden, die SoftBank hat und die gut sind und deren Renditen stimmen, dann unterstützen wir sie gerne und investieren mit ihnen, helfen bei der Ko-Investment-Syndizierung und verstärken das Kapital für die SoftBank-Bilanz", sagte er. "Das ist definitiv etwas, was noch kommen wird."
Zugleich warnte Ganzi, dass die Dealaktivitäten von DigitalBridge auf Distanz zu SoftBank bleiben würden. "Wir haben einen unabhängigen Kapitalpool, den wir investieren müssen, und wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst", sagte er. "Wir werden kein Geld nur in eine SoftBank-Idee stecken; es muss wirklich eine gute Idee sein, egal ob von SoftBank oder nicht. Das ist mir wirklich egal."
Für Ganzi markiert der Verkauf an SoftBank seinen dritten großen Exit in drei Jahrzehnten. Zuvor hatte er Colony Capital, einen angeschlagenen Immobilieninvestor, in nur sechs Jahren zu einem digitalen Infrastrukturanbieter im Wert von 108 Milliarden US-Dollar aufgebaut. Global Tower Partners verkaufte er 2013 für 4,8 Milliarden US-Dollar an American Tower, Apex Site Management bereits im Jahr 2000 an SpectraSite — am Höhepunkt der Telekommunikationsblase.
Auf die Frage, ob der DigitalBridge-Verkauf ebenfalls an einem Markthöhepunkt getimt war, sagte Ganzi: "Es ist ein Hoch. Ich denke, das Hoch ist bereits passiert... Die Tage, in denen Rechenzentren mit dem 40-fachen [EBITDA] gehandelt wurden, sind vorbei." Er warnte, dass etwa die Hälfte der in diesem Jahr unterzeichneten Rechenzentrumsmietverträge nie realisiert werde — wegen feindlicher lokaler Bebauungspläne, zögerlicher Regulierungsbehörden für Versorgungsunternehmen und strengerer Finanzierungsbedingungen. Zugleich zog er eine klare Trennlinie zwischen schaumigen Bewertungen und kurzfristigen Genehmigungsproblemen einerseits und dem langfristigen Wert solcher Immobilien andererseits, der sich aus der rasanten Nachfrage und der bevorstehenden Einführung von KI durch industrielle Unternehmen ergebe. "Wenn Leute denken, wir seien im Prozess spät dran, dann irren sie", sagte Ganzi.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.05.2026 berichtete aktien.news, dass SoftBank-Chef Son Gespräche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über ein großangelegtes KI-Rechenzentrumsprojekt in Frankreich geführt hat. Son brachte dabei die Idee ins Spiel, bis zu 100 Milliarden US-Dollar in das Land zu investieren.
Am 01.06.2026 meldete aktien.news, dass DigitalBridge die auf den Energiesektor spezialisierte Private-Equity-Gesellschaft ArcLight Capital Partners für bis zu 1,05 Milliarden US-Dollar übernimmt. Die Transaktion verbindet zwei spezialisierte alternative Asset-Manager aus unterschiedlichen, aber zunehmend eng verknüpften Sektoren.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass SoftBank eine der größten Emissionen von Hochzinsanleihen in der Geschichte plant, um seine massiven Investitionen in OpenAI voranzutreiben. Angestrebt wurde ein Volumen von über 11 Milliarden US-Dollar.
Am 26.09.2026 folgte die Meldung, dass SoftBank die größte High-Yield-Unternehmensanleihe der Geschichte abgeschlossen und 11,1 Milliarden US-Dollar eingesammelt hat. Im Zentrum steht die Finanzierung einer 64,6 Milliarden US-Dollar schweren Investition in OpenAI.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der DigitalBridge-Deal, wie SoftBank seine KI-Strategie zunehmend über externe Kapitalquellen finanziert. Statt alles über die eigene Bilanz zu stemmen, setzt Son auf eine Struktur, die institutionelles Kapital einwirbt — ähnlich dem Modell von Brookfield. Das kann die Kapitalbeschaffung beschleunigen, verlagert aber auch Risiken auf Drittinvestoren.
Gleichzeitig sendet Ganzi gemischte Signale zur Bewertung der Branche. Einerseits sieht er das Hoch bei Rechenzentrumsbewertungen bereits erreicht und rechnet damit, dass rund die Hälfte der diesjährigen Mietverträge nicht realisiert wird. Andererseits betont er den langfristigen Wert der Infrastruktur angesichts der rasanten Nachfrage. Anleger sollten diese Ambivalenz bei der Bewertung von Rechenzentrums- und KI-Infrastrukturwerten im Blick behalten.
Ausblick
SoftBank wird künftig die zukünftigen Fonds von DigitalBridge anführen und dabei Drittkapital einwerben. Ganzi erwartet, dass beide Häuser Deals gegenseitig weiterreichen und Ko-Investitionen syndizieren. Ob und wann SB Energy sowie OpenAI ihre verschobenen Börsengänge wieder aufnehmen, bleibt offen — der Quelltext nennt dazu keine Termine.
Kurz erklärt
- Junk Bond: Eine Hochzinsanleihe, die Unternehmen mit geringerer Bonität ausgeben und die dafür höhere Zinsen bietet.
- EBITDA: Eine Kennzahl für den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
- Rechenzentrum: Eine Einrichtung, in der Server und IT-Systeme für die Datenverarbeitung gebündelt betrieben werden.
