SNB warnt vor Risiken für die UBS
Verlustpotenzial nach Credit-Suisse-Übernahme und geldpolitischer Strategiewechsel der Notenbank

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht bei der Großbank UBS weiterhin ein erhebliches Verlustpotenzial. In ihrem veröffentlichten Jahresbericht geht die Notenbank auf die Fortschritte in der UBS-Bilanz ein, hebt jedoch zugleich die Risiken hervor, die mit der Integration der übernommenen Credit Suisse verbunden sind. Zudem stellt sich die SNB hinter die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bankenregulierung.
Nach der Übernahme der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Credit Suisse hat sich das bereinigte Ergebnis der UBS im Jahr 2024 verbessert. In Bezug auf die Kapitalsituation erfüllt die Bank bereits die geschätzten zukünftigen Anforderungen der sogenannten Too-big-to-fail-Regulierung (TBTF-Regulierung). Marktindikatoren wie Kreditausfallversicherungsprämien (Credit Default Swaps, CDS) und die Kursentwicklung der UBS-Aktie deuten darauf hin, dass die Marktteilnehmer der fusionierten Bank positive Perspektiven zuschreiben.
Die Nationalbank schätzt das Verlustpotenzial der UBS jedoch weiterhin als erheblich ein. In ihren Szenarioanalysen kommt sie zu dem Schluss, dass die mit der Integration verbundenen Kosten sowie die Verluste aus dem Abbau bedeutender Risikopositionen der Credit Suisse derzeit die Verlusttragfähigkeit der UBS beeinträchtigen. Zudem sind einige Beteiligungen nur teilweise mit Eigenkapital unterlegt, was zu Kapitalquoten führt, die anfällig für Wertberichtigungen sind. Trotz der aktuell stärkeren Kapitalisierung der UBS im Vergleich zur Credit Suisse vor deren Krise sieht die SNB Handlungsbedarf bei der Verbesserung des Kapitalregimes und unterstützt die Vorschläge des Bundesrats zur Bankenstabilität.
Neben der Einschätzung zur UBS gibt der Jahresbericht auch Aufschluss über die geldpolitischen Maßnahmen der SNB im vergangenen Jahr. Um den Franken zu schwächen, kaufte die Notenbank im Jahr 2024 Fremdwährungen im Umfang von insgesamt 1,2 Milliarden Franken. Dies steht im deutlichen Gegensatz zum Vorjahr, als die SNB noch 132,9 Milliarden Franken an Fremdwährungen veräußerte. Der Strategiewechsel erfolgte im Zuge einer geldpolitischen Neuausrichtung angesichts eines rückläufigen Inflationsdrucks.
Vor einem Jahr hatte die SNB eine Zinswende eingeleitet und ihren Leitzins in mehreren Schritten gesenkt. Anders als zuvor setzte die Notenbank nicht mehr auf die inflationsdämpfende Wirkung eines starken Frankens, sondern rückte zunehmend die wirtschaftlichen Risiken einer übermäßigen Aufwertung in den Fokus. Die als sicherer Hafen geltende Währung erfuhr in unsicheren Zeiten eine verstärkte Nachfrage. Experten erwarten, dass die SNB bei ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag eine weitere Senkung des Leitzinses auf 0,25 Prozent vornimmt.
