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Siemens Energy: Unbekannte Sparte könnte abgespalten werden

Ein internes Papier zeigt: Siemens Energy prüft die Abspaltung der wenig bekannten Sparte „Transformation of Industry" – mit großem Potenzial.

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Siemens Energy: Unbekannte Sparte könnte abgespalten werden

Für Anleger und Belegschaft gleichermaßen überraschend: Ausgerechnet die unbekannteste Einheit von Siemens Energy könnte zum nächsten großen Strategieprojekt des DAX-Konzerns werden. Laut einem Bericht des „Manager Magazin" prüft Siemens Energy intern die Abspaltung der Sparte „Transformation of Industry" – entweder über einen Spin-off oder einen Börsengang.

Dabei steht der Konzern eigentlich im Rampenlicht ganz anderer Geschäftsfelder. Der Boom bei Gasturbinen und Netztechnik sorgt regelmäßig für Rekordmeldungen, während die Aufarbeitung der Krise in der Windtochter Gamesa die Schlagzeilen dominiert. Die Sparte „Transformation of Industry" mit ihren 17.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 5,7 Milliarden Euro führt dagegen ein Schattendasein – obwohl sie sich unter Vorständin Anne-Laure de Chammard von den roten in die schwarzen Zahlen entwickelt hat.

Siemens Energy selbst bestätigte auf Anfrage der WirtschaftsWoche lediglich, das Portfolio „regelmäßig zu überprüfen". Dabei orientiere sich das Unternehmen am besten Nutzen für Kunden, Mitarbeitende und Aktionäre. Zu einer möglichen Abspaltung gebe es „keinerlei Entscheidungen". Der Gesamtbetriebsrat erklärte sich in einer internen Mitteilung von den Nachrichten „überrascht".

Milliardenpotenzial im Best-Case-Szenario

Die konzerninternen Berechnungen klingen ambitioniert: Im besten Fall könnte der Umsatz der Sparte bis 2031 auf bis zu 11 Milliarden Euro wachsen. 2025 erzielte die Einheit einen Gewinn von 646 Millionen Euro – laut den internen Projektionen könnte sich dieser Wert bis 2031 verdreifachen. In einem ersten Schritt könnte Siemens Energy 60 Prozent der Anteile abstoßen.

Der Hintergrund für die strategischen Überlegungen liegt auf der Hand: Innerhalb des Konzerns genießt die Sparte bei Investitionen allenfalls Priorität drei – hinter dem Gas- und dem Netzgeschäft. Zudem gilt die Einheit an der Börse als schwer einzuschätzen. Henrik Pontzen vom Vermögensverwalter Union Investment brachte es auf der Hauptversammlung im Februar 2026 auf den Punkt: Die Sparte bleibe „aus Investorensicht leider eine Blackbox". Auch das interne Papier soll zu dem Schluss kommen, die Einheit sei innerhalb der Konzernbewertung unterbewertet. Für 2028 strebt Siemens Energy in der Sparte eine Profitmarge von 12 bis 14 Prozent an – zum Vergleich: Im Gasgeschäft sind 18 bis 20 Prozent angepeilt, in der Windtochter lediglich drei bis fünf Prozent.

Was steckt hinter dem Namen?

Die Sparte vereint ein breites Spektrum an Energietechnik für die Industrie. Auch wenn de Chammard die Einheit gerne als Vehikel der Energiewende positioniert, dienen die Kerntechnologien bislang vor allem der Energieeffizienz – auch in fossilen Geschäftsfeldern. Der Großteil der Kundschaft stammt aus dem Öl- und Gassektor sowie aus der Prozessindustrie, etwa Chemie, Lebensmittel oder Pharma. Mit dem Servicegeschäft verdient der Konzern über den Lebenszyklus der Anlagen hinweg doppelt so viel wie mit dem Verkauf neuer Anlagen.

Die Sparte gliedert sich in vier Bereiche:

Kompressoren:

Verdichter für Gase wie Erdgas, CO₂ oder grüne Gase – hergestellt unter anderem im Duisburger Werk. Dazu gehört auch der US-Anbieter Dresser Rand, den der damalige Siemens-Chef Joe Kaeser 2015 für 7,8 Milliarden Dollar übernahm – ein Zukauf, der lange als überteuert galt. „Es lief überhaupt nicht gut", räumte de Chammard ein, „aber in den vergangenen vier Jahren hat das Team das Geschäft komplett umgekrempelt." Heute arbeite das Segment mit zweistelliger Marge. Konkurrenten wie Baker Hughes und Atlas Copco weisen allerdings noch höhere Margen aus. -

Dampfturbinen:

Sie wandeln Prozesswärme in Strom oder Antriebskraft um. Das Werk in Görlitz stand 2018 kurz vor der Schließung – heute läuft das Geschäft wieder. CEO Christian Bruch verwies darauf, dass gestiegene Ölpreise neue Investitionen in die Öl- und Gasindustrie antreiben und der Sparte zugutekommen. -

Elektrische Antriebe und Digitalisierung:

Siemens Energy beliefert unter anderem U-Boote und Kreuzfahrtschiffe wie die AIDA mit elektrischen Antrieben. Auch KI-Rechenzentren in den USA ordern Dampfturbinen und weitere Energietechnik bei dem Konzern. -

Wasserstoff-Elektrolyseure:

Das Sorgenkind der Sparte. Das Segment schreibt weiterhin rote Zahlen, die Elektrolyseur-Fabrik in Berlin ist trotz einer Kapazität von einem Gigawatt nicht ausgelastet – ursprünglich war ein Ausbau auf drei Gigawatt geplant.

Wasserstoff bleibt das große Sorgenkind

De Chammard gibt zu, dass die Kosten im Wasserstoffgeschäft zu hoch sind. Ihr Versprechen: „Wir hoffen, dass wir noch vor Ende des Jahrzehnts grünen Wasserstoff zu vergleichbaren Kosten von grauem Wasserstoff produzieren können. Das ist unser Ziel." Die negative Gewinnmarge von 22 Prozent im Wasserstoffsegment kann der Konzern derzeit noch abfedern. Sollte die Sparte jedoch tatsächlich an die Börse gehen, dürfte die Geduld der Investoren für das defizitäre Segment deutlich abnehmen.

Neue Wachstumsmärkte erschließt Siemens Energy derweil in den USA, wo Dampfturbinen und Kompressoren für Geothermie-Projekte geliefert werden. Auch als Zulieferer für kleine modulare Atomkraftwerke (Small Modular Reactors, SMRs) sieht sich der Konzern in Position – allerdings erwartet de Chammard, dass dieser Markt erst nach 2035 richtig Fahrt aufnimmt.

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