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Shein: Zölle und De-minimis-Ende bedrohen Geschäftsmodell vor Börsengang

Neue Zölle und das Ende der De-minimis-Regelung treffen Sheins Niedrigpreismodell hart – mit drastischen Folgen für Umsatz und Wachstum.

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Shein: Zölle und De-minimis-Ende bedrohen Geschäftsmodell vor Börsengang

Der Modediscounter Shein steht vor einer existenziellen Herausforderung: Neue Zölle und die Abschaffung der De-minimis-Regelung in den USA haben das Wachstum des Unternehmens empfindlich gebremst. Das geht aus Dokumenten hervor, die im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang in Hongkong eingereicht wurden. Das Unternehmen selbst lehnte eine Stellungnahme ab.

Lange hatte Shein argumentiert, dass Gesetzeslücken im Handelsrecht nicht der Grund für seinen Erfolg seien. Die De-minimis-Regelung erlaubte es, Pakete mit geringem Warenwert zollfrei in die USA einzuführen – ein entscheidender Vorteil für das Geschäftsmodell des Unternehmens. Seit diese Ausnahme weggefallen ist, hat das einst rasante Wachstum in den USA und Europa deutlich nachgelassen.

Umsatzeinbruch in den USA

In den IPO-Dokumenten macht Shein für die Verlangsamung der US-Umsätze seine Entscheidung verantwortlich, die Preise zu erhöhen, um die gestiegenen Zollkosten auszugleichen. „Seit Mai 2025 haben wir damit begonnen, den Großteil der zusätzlichen Zollkosten durch Preiserhöhungen auf dem US-Markt weiterzugeben", heißt es in dem Dokument. Die Folgen sind deutlich messbar: Zwischen 2024 und 2025 sank der Umsatz in den USA um mehr als 3 Prozent. Im ersten Quartal 2025 brachen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 14 Prozent ein.

Das Unternehmen räumt in seinen Unterlagen offen ein: „Seit Mai 2025 haben wir eine negative Auswirkung auf unsere Nettoumsatzerlöse aus dem US-Markt für den Rest des Jahres 2025 beobachtet." Dies ist ein bemerkenswertes Eingeständnis für ein Unternehmen, das jahrelang zweistellige Wachstumsraten verzeichnete.

Europa als nächste Baustelle

Besonders brisant ist die Lage in Europa, das Sheins größten Markt darstellt. Auch hier wurde kürzlich der zollfreie Versand für Pakete mit geringem Wert abgeschafft und neue Pauschalgebühren eingeführt. Shein warnt in seinen Dokumenten, dass die Auswirkungen in Europa sogar noch gravierender sein könnten als in den USA.

„Obwohl es noch zu früh für eine vollständige Bewertung ist, ist es möglich, dass die Trends in der EU im Allgemeinen den Auswirkungen entsprechen oder diese sogar übertreffen könnten, die in den USA nach der dortigen Aufhebung der De-minimis-Regelung beobachtet wurden", erklärte das Unternehmen. Als Reaktion plant Shein auch in Europa Preiserhöhungen, um einen Teil der gestiegenen Kosten auszugleichen – mit absehbaren Folgen für das Absatzvolumen.

Selbst ohne die neuen Kosten hat sich das Wachstum in Europa bereits deutlich verlangsamt. Im Jahr 2025 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um lediglich rund 9 Prozent – nach einem Wachstum von 33 Prozent zwischen 2023 und 2024. Im ersten Quartal 2025 wuchs der Umsatz in Europa sogar nur noch um 2 Prozent.

Expertin sieht fundamentales Problem

Angela Lee, Professorin für Venture Capital an der Columbia Business School und Gründerin der Investmentfirma 37 Angels, bewertet die Lage als strukturelles Problem. Die regulatorischen Änderungen stellten ein ernstes Risiko für das Geschäftsmodell von Shein dar, das ihrer Meinung nach auf kaum mehr als niedrigen Preisen basiere. „Dies ist eine viel grundlegendere Verschiebung. Es handelt sich nicht nur um neue Kosten. Sie verlieren den Zugang zu einem regulatorischen Vorteil", so Lee.

Für Shein kommt die Krise zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Das Unternehmen strebt einen Börsengang in Hongkong an. Die schwächelnden Umsatzzahlen und die ungewisse Zukunft des Geschäftsmodells dürften potenzielle Investoren aufhorchen lassen. Ob und wie Shein sein Niedrigpreismodell unter den neuen regulatorischen Rahmenbedingungen in den USA und Europa aufrechterhalten kann, bleibt eine der zentralen Fragen vor dem geplanten IPO.

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