Schwefelsäurepreise sinken 2027 voraussichtlich weiter – CRU sieht Erholung bei Kupfergebühren
Die Beratungsagentur CRU erwartet fallende Schwefelsäurepreise bis Ende 2027, was Kupferhütten bei den Bearbeitungsgebühren entlasten dürfte.

Die Preise für Schwefelsäure, die unter anderem zur Verarbeitung von Metallen wie Kupfer und Nickel eingesetzt wird, sollen nach Einschätzung der Beratungsagentur CRU auch im kommenden Jahr weiter sinken. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Für nach Chile gelieferte Schwefelsäure erwartet CRU im vierten Quartal 2027 einen Preis von 215 Dollar pro metrische Tonne. Chile gehört zu den führenden Kupferproduzenten der Welt.
Damit würde der Preis deutlich unter dem Rekordwert von 451 Dollar liegen, der zu Beginn dieses Jahres erreicht wurde. "Es gibt eine gewisse Erleichterung für diejenigen, die stärker an den Spot- und Vertragsmärkten für Schwefelsäure beteiligt sind", sagte CRU-Analyst Chris Lawson während eines Seminars im Rahmen der LME Week, der jährlichen Zusammenkunft der globalen Metallindustrie in London. Die Preise würden jedoch über dem historischen Durchschnitt bleiben, fügte er hinzu.
Schwefelsäure ist die am häufigsten verbrauchte Chemikalie der Welt und ein Nebenprodukt der Verhüttung von Nichteisenmetallen. Sie entsteht beim Schmelzen und Raffinieren von Kupfer und Nickel oder beim Verbrennen von Schwefel, einem Nebenprodukt der Öl- und Gasverarbeitung. Für die Kupferindustrie ist sie damit weit mehr als ein Abfallprodukt: Ihr Preis beeinflusst unmittelbar die Rentabilität der Hüttenwerke.
Die Details
Niedrigere Schwefel- und Schwefelsäurepreise würden laut CRU dazu beitragen, dass sich die Bearbeitungsgebühren (Treatment Charges) für Kupfer im kommenden Jahr erholen könnten. Diese Gebühren sind die Beträge, die Minenbetreiber an Hütten für die Verarbeitung von Kupferkonzentrat zu raffiniertem Metall zahlen. Für die Spot-Bearbeitungsgebühren für Kupfer prognostiziert CRU im vierten Quartal 2027 einen Wert von minus 75 Dollar pro Tonne. Derzeit liegen sie bei nahezu minus 300 Dollar.
Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass die Hütten den Minen Geld zahlen müssen, statt Gebühren zu erhalten – ein Zeichen für einen angespannten Markt. Die prognostizierte Verbesserung von nahezu minus 300 Dollar auf minus 75 Dollar pro Tonne wäre für die Hüttenbetreiber daher eine spürbare Entlastung, auch wenn die Gebühren weiterhin im negativen Bereich blieben.
Auf der Nachfrageseite hat sich laut CRU-Analyst Tom Rutland ein grundlegender Wandel vollzogen. Der Markt für Kupferkonzentrat habe einen großen Preissprung erlebt und sei von langfristigen Verträgen hin zu Indexpreisen gewechselt. Im Jahr 2024 wurden demnach noch 52 Prozent der Einkäufe über zwölfmonatige Festpreisverträge getätigt. In diesem Jahr sank dieser Anteil auf 14 Prozent. Gleichzeitig stieg die Indexierung im selben Zeitraum von 12 Prozent auf 51 Prozent.
Für zusätzliche Bewegung am Markt sorgt die Angebotsseite. China hat seine Schwefelsäureausfuhren nach Chile im September nach einer dreimonatigen Pause wieder aufgenommen, wie Daten am Dienstag zeigten. Die Versorgung aus Produzenten im Golfraum war unterdessen durch den Iran-Krieg unterbrochen worden.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 06.05.2026 berichtete aktien.news, dass Schwefelsäurepreise den Kupfersektor bei sinkenden Verarbeitungsgebühren bestimmen. Anlässlich der LME Week Asia in Hongkong trafen sich Kupferhütten, Bergbauunternehmen und Händler, wobei ein Nebenprodukt der Verhüttung im Mittelpunkt der Gespräche stand. Die rasant gestiegenen Preise für die Chemikalie hatten chinesische Hütten bis dahin vor den wirtschaftlichen Folgen einbrechender Schmelz- und Raffinationslöhne (Treatment and Refining Charges, TC/RCs) bewahrt. Die Spot-Schmelzlöhne für importiertes Kupferkonzentrat in China seien seit 16 Monaten negativ und fielen weiter, hieß es damals. Dieses fragile Gleichgewicht gerate zunehmend unter Druck.
Am 10.05.2026 berichtete aktien.news, dass der Krieg am Persischen Golf und neue chinesische Exportbeschränkungen die Preise für Schwefelsäure in die Höhe getrieben hätten. Damit wuchsen die Sorgen um die Verfügbarkeit einer Chemikalie, auf die nahezu jede Industrie weltweit angewiesen ist – von der Lebensmittelproduktion über die Metallverarbeitung bis hin zur Halbleiterfertigung. Der Bericht ordnete Schwefelsäure als die am häufigsten verbrauchte Chemikalie der Welt ein und beschrieb ihre Entstehung beim Schmelzen und Raffinieren von Nichteisenmetallen oder beim Verbrennen von Schwefel.
Am 27.06.2026 berichtete aktien.news, dass Schwefelsäure zum neuen Preissignal für Kupfer wird. Die Kupferindustrie konzentriere sich womöglich auf die falsche Kennzahl, während Schwefelsäure zu einer der wichtigsten Variablen in der gesamten Kupfer-Wertschöpfungskette werde. Konkret hätten mindestens sechs chinesische Kupferschmelzen in diesem Jahr ihre Pyritkäufe erhöht. Pyrit – gemeinhin als Katzengold bekannt – ist ein schwefelhaltiges Mineral, das in Schwefelsäure umgewandelt werden kann.
Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich das globale Überangebot an raffiniertem Kupfer bis 2027 mehr als verdreifachen soll. Grund dafür sei eine Produktion in den Hüttenwerken, die schneller wieder ansteige als die Nachfrage. Die International Copper Study Group (ICSG) teilte nach ihren Treffen in Lissabon, Portugal, mit, dass sie für 2027 ein Überangebot von 368.000 Tonnen erwartet. Im laufenden Jahr liegt der prognostizierte Überschuss bei 104.000 Tonnen; die Schätzung für 2026 lag damit leicht über den im April prognostizierten 96.000 Tonnen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Nachrichten vor allem für die Einordnung des Kupfersektors relevant. Sinkende Schwefelsäurepreise entlasten die Hütten nur teilweise, weil die Bearbeitungsgebühren nach wie vor negativ bleiben. Zugleich deutet die Verschiebung von Festpreisverträgen hin zu Indexpreisen auf einen strukturellen Wandel im Markt für Kupferkonzentrat hin, der die Kalkulation der beteiligten Unternehmen verändert. Wer in Bergbau- oder Hüttenunternehmen investiert ist, sollte die Entwicklung der Treatment Charges und der Schwefelsäurepreise im Auge behalten, da beide Größen die Gewinnmargen der Branche maßgeblich beeinflussen.
Zu beachten ist auch die Wechselwirkung mit dem erwarteten Kupferüberschuss: Ein wachsendes Angebot an raffiniertem Kupfer und eine Erholung der Verarbeitungsgebühren könnten die Marktlage für die Branche insgesamt neu sortieren. Die hier genannten Angaben sind keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern eine Einordnung der berichteten Fakten.
Ausblick
CRU erwartet für das vierte Quartal 2027 einen Schwefelsäurepreis von 215 Dollar pro metrische Tonne für Lieferungen nach Chile sowie Spot-Bearbeitungsgebühren für Kupfer von minus 75 Dollar pro Tonne. Die Preise dürften nach Einschätzung der Beratungsagentur über dem historischen Durchschnitt bleiben. Weitere Impulse für das Angebot könnten von der Entwicklung der Exportströme ausgehen: China hat die Ausfuhren nach Chile im September nach einer dreimonatigen Pause wieder aufgenommen, während die Versorgung aus dem Golfraum durch den Iran-Krieg unterbrochen war.
Kurz erklärt
- Schwefelsäure: Eine Chemikalie, die unter anderem beim Schmelzen und Raffinieren von Nichteisenmetallen wie Kupfer und Nickel entsteht und in der Metallverarbeitung eingesetzt wird.
- Treatment Charges: Die Gebühren, die Minenbetreiber an Hütten für die Verarbeitung von Kupferkonzentrat zu raffiniertem Metall zahlen.
- Indexpreise: Vertraglich vereinbarte Preise, die sich an einem Referenzindex orientieren und daher schwanken können, im Gegensatz zu Festpreisverträgen.
