Schuldenlast bedroht Konzerne
Verschuldete DAX-Konzerne im Visier der Finanzmärkte

In den vergangenen Jahren hat das niedrige Zinsumfeld es Unternehmen ermöglicht, sich zu besonders günstigen Konditionen zu refinanzieren. Diese Ära könnte jedoch bald zu Ende sein, da die Europäische Zentralbank (EZB) unter der Führung von Christine Lagarde klargestellt hat, dass kurzfristige Zinssenkungen nicht zur Debatte stehen. Unternehmen, die sich in der Nullzinsphase stark verschuldet haben, werden die Auswirkungen besonders deutlich spüren.
Früher war es für Großunternehmen wie BASF, Bayer und Siemens möglich, Kredite zu Jahreszinsen von weniger als einem halben Prozent aufzunehmen. Doch diese Zeiten ändern sich rapide. Die Erhöhung der Leitzinsen durch die Zentralbanken hat dazu geführt, dass Geld teurer geworden ist und sich die Zinsen schnell erhöhen. Besonders betroffen sind stark verschuldete Unternehmen. Im Gegensatz dazu profitieren Unternehmen, die von höheren Zinsen profitieren oder mehr Bargeldreserven als Schulden haben.
Dominikus Wagner von Wagner & Florack warnt vor den steigenden Risiken für Firmen, die sich nun zu höheren Zinsen refinanzieren müssen. Dies könnte insbesondere für Unternehmen mit schwachen Geschäftsmodellen ein existenzielles Problem darstellen. Die lockere Geldpolitik hat in der Vergangenheit ineffiziente Unternehmensstrukturen begünstigt und gleichzeitig den Innovationsfortschritt gehemmt.
Ein aktuelles Beispiel ist der Gesundheitskonzern Fresenius. Trotz einer starken Verschuldung von 25,7 Milliarden Euro hat das Unternehmen kürzlich Anleihen im Wert von 500 Millionen Euro zu einem Jahreszinssatz von 5,125 Prozent ausgegeben. Das stellt eine erhebliche finanzielle Belastung dar.
Interessanterweise zeigt eine Umfrage der EZB, dass die Kreditnachfrage von Unternehmen im Euro-Raum im letzten Quartal erheblich zurückgegangen ist. Dies ist nicht nur auf die gestiegenen Zinsen zurückzuführen, sondern auch auf ein geringeres Vertrauen der Verbraucher und die damit verbundene schwächere wirtschaftliche Entwicklung. Hinzu kommt, dass Banken ihre Kreditvergabestandards verschärft haben, um zukünftige Kreditausfälle zu minimieren.
In der aktuellen Zinsumgebung könnte es einige Zeit dauern, bis sich die vollen Auswirkungen der Zinserhöhungen in der Realwirtschaft zeigen. Dies geht auf eine Theorie des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman zurück, die besagt, dass es zwischen sechs und sechzehn Monaten dauert, bis sich Zinserhöhungen vollständig auswirken.
Der Aufwärtstrend bei den Zinsen hat jedoch eine Kehrseite: Die Verschuldung der Unternehmen ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. So haben Unternehmen im S&P 500-Index Schulden von vier Billionen Dollar angehäuft, während europäische Unternehmen im Stoxx 600 Index Schulden von zwei Billionen Euro aufgenommen haben.
Unternehmen wie BASF sehen sich bereits mit sinkenden Zinserträgen konfrontiert. Andererseits profitieren Unternehmen wie die Deutsche Börse von steigenden Zinserträgen. US-Tech-Giganten wie <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Alphabet sind in einer beneidenswerten Position, da sie mehr Barmittel als Schulden haben.
