Schnieder setzt neue Bahnstrategie mit reduzierten Pünktlichkeitszielen
Personalwechsel, Sofortprogramme und Kritik von Gewerkschaften und Wettbewerbern begleiten die Reformpläne

Verkehrsminister Patrick Schnieder hat eine neue Strategie für die Deutsche Bahn vorgestellt, mit der er den Staatskonzern aus der Krise führen will. Kern des Konzepts ist eine stärkere Ausrichtung auf die Kunden, doch bei der Pünktlichkeit nimmt der CDU-Politiker zunächst Druck aus den Zielen. So soll die Quote im Fernverkehr bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent erreichen. Ursprünglich war diese Marke bereits für 2026 vorgesehen. Mittelfristig strebt das Ministerium eine Quote von mindestens 80 Prozent an, langfristig von 90 Prozent. Im Nahverkehr soll die Pünktlichkeit dauerhaft über 90 Prozent liegen, ohne dass ein genauer Zeitplan genannt wird.
Auch personell stehen Veränderungen an. Evelyn Palla, bisher Chefin von DB Regio, soll den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz ablösen und neue Konzernchefin werden. Palla arbeitet seit 2019 bei der Bahn, unter anderem als Finanzvorständin im Fernverkehr. Bei ihrer Vorstellung betonte sie, dass die Sanierung der Infrastruktur kein kurzfristiges Projekt sei, sondern einen langen Atem erfordere. Zudem ist bei der Infrastrukturtochter DB InfraGo ein Wechsel geplant: Dirk Rompf soll Philipp Nagl ablösen. Diese Personalentscheidung stößt jedoch auf Widerstand, vor allem von Seiten der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Deren Vorsitzender Martin Burkert kündigte an, im Aufsichtsrat gegen Palla zu stimmen, wobei sich der Unmut insbesondere gegen Rompf richtet, den er mitverantwortlich für die heutige Situation der Bahn macht.
Zur Stabilisierung des Konzerns kündigte Schnieder mehrere Sofortprogramme an. Ab 2026 sollen Bahnhöfe durch mehr Personal, Technik und Videoüberwachung sicherer und sauberer werden. Auch der DB Navigator soll modernisiert werden, um die Kommunikation mit den Kunden zu verbessern. Im Fernverkehr plant die Bahn Maßnahmen für mehr Komfort, darunter eine bessere Sauberkeit in den Zügen sowie ein erweitertes Angebot im Bordbistro. Gleichzeitig hält das Ministerium am Konzept der Generalsanierung fest. Bis 2036 sollen mehr als 40 zentrale Strecken modernisiert werden, um die Zahl der Baustellen zu reduzieren und den Betrieb zu stabilisieren.
Ein weiterer Teil der Strategie betrifft die Führungsebene der Bahn. Der Vorstand des Konzerns soll künftig auf maximal sechs Mitglieder verkleinert werden, ebenso wie das Leitungsgremium der DB InfraGo. Derzeit sind beide Vorstände größer besetzt. Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen könnten mehrere Vorstände den Konzern verlassen, darunter der bisherige Infrastrukturchef Berthold Huber sowie die für Digitalisierung und Technik verantwortliche Managerin Daniela Gerd tom Markotten.
Kritik kommt von den Wettbewerbern der Bahn. Die Verbände mofair und Die Güterbahnen erklärten, die Maßnahmen des Ministers seien unzureichend und würden den Konzern nicht grundlegend verändern. Zwar sei die Problemlage erkannt, doch fehle es an klaren verkehrspolitischen Zielen und messbaren Kennzahlen. Positiv bewerteten die Verbände immerhin die geplante Abschaffung des Infrastrukturressorts im Bahnvorstand.
