"Schibu" ist wieder da
Der Comeback-König der deutschen Industrie: Wie Heinz Schimmelbusch AMG wieder groß macht

Heinz Schimmelbusch, ehemaliger Chef der Metallgesellschaft, einem der größten deutschen Konzerne, ist zurück. Vor drei Jahrzehnten verließ er Frankfurt Hals über Kopf, verfolgt von Schadenersatzforderungen und Untreuevorwürfen der Deutschen Bank. Schimmelbusch wurde verantwortlich gemacht für die ungesicherten Termingeschäfte, die zur Pleite des Unternehmens führten. Er beteuerte immer seine Unschuld. Schimmelbusch floh zunächst nach New York und ließ sich später in Pennsylvania mit seiner Familie nieder. Dort begann er, kleine und mittelständische Unternehmen zu kaufen und in der Holding AMG zusammenzufassen.
Schimmelbusch lud kürzlich zum "Capital Markets Day" der AMG ein, bei dem fünfzig Leute aus der Investorenwelt und sogar zwei Herren von der Deutschen Bank erschienen. Die AMG gehört mittlerweile zu einem der erfolgreichsten Industriekonzerne des Landes und setzt sich aus vierzehn Unternehmen zusammen. Letztes Jahr konnte die AMG 1,6 Milliarden Dollar umsetzen und vor Steuern 275 Millionen verdienen.
Schimmelbusch plant, dringend benötigte Rohstoffe für die europäische Batterieproduktion bereitzustellen. Mit einer Lithium-Mine in Brasilien und einer Lithium-Raffinerie in Sachsen-Anhalt möchte die AMG in großem Stil Rohstoffe anbieten. Andere Tochtergesellschaften bieten Industrieunternehmen ausgefuchste Anlagen zur Stromspeicherung an, um wechselhaften Solarstrom endlich in industriellem Maßstab nutzbar zu machen.
Schimmelbusch zeigt sich bei seiner Präsentation "grün" und spricht Deutsch mit leicht und Englisch mit stark österreichischer Färbung. Seine Ausführungen sind noch weitführender als zu alten Zeiten und bieten nicht immer Überraschendes. Nach wie vor ist Schimmelbusch gerne Chef, was seine Leute zu spüren bekommen, wenn sie unaufmerksam werden, während er spricht.
Er arbeitet mit seinen Kenntnissen der Rohstoffbranche aus Metallgesellschaftszeiten und lässt eine Raffinerie für Lithium bauen, die so vielseitig werden soll wie früher die Norddeutsche Affinerie (heute Aurubis), die zum Metallgesellschaftskonzern gehörte. Von der "Chemetall", einer anderen früheren Konzerngesellschaft, wurde ein zwanzigköpfiges Spezialistenteam abgeworben. Besonders stolz ist Schimmelbusch auf eine Tochtergesellschaft mit 400 Ingenieuren.
Schimmelbusch wird bald 79 Jahre alt und die Frage nach einem möglichen Nachfolger wird immer lauter. Schimmelbusch selbst gibt sich flapsig und sagt: "Ich bin Frühstücksdirektor." Doch hinter den Kulissen arbeitet er bereits an einer neuen Managementstruktur, um sicherzustellen, dass die AMG auch nach seinem Ableben erfolgreich bleibt. Der kleine Konzern, der nur einen Buchstaben von der Abkürzung der alten MG unterscheidet, soll ihn überleben.
