SAP-Aktie stürzt 14 Prozent ab: Größter Kursverlust seit 2020
Enttäuschendes Cloud-Wachstum im vierten Quartal belastet Deutschlands größten Softwarekonzern massiv.

Die SAP-Aktie erlebte am Donnerstag einen dramatischen Kurseinbruch von bis zu 14 Prozent – der stärkste Tagesverlust seit Oktober 2020. Auslöser war das schwächer als erwartete Wachstum des Cloud-Auftragsbestands im vierten Quartal. Die Aktie rutschte damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2024.
Der Walldorfer Softwarekonzern meldete für das vierte Quartal einen Anstieg des aktuellen Cloud-Auftragsbestands um 16 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Analysten hatten jedoch deutlich mehr erwartet: Die UBS sprach von einer "Enttäuschung", nachdem zuvor ein Wachstum von 26 Prozent prognostiziert worden war.
Vorstandschef Christian Klein versuchte die Anleger zu beruhigen und betonte, der Cloud-Auftragsbestand habe eine "starke Grundlage" für beschleunigtes Umsatzwachstum bis 2027 geschaffen. Gleichzeitig dämpfte das Unternehmen jedoch die Erwartungen und stellte für 2026 eine "leichte Verlangsamung" des Cloud-Wachstums in Aussicht.
Operative Kennzahlen im Plus
Trotz der Enttäuschung beim Cloud-Geschäft präsentierte SAP solide Geschäftszahlen. Der Gesamtumsatz stieg im vierten Quartal von 9,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 9,7 Milliarden Euro. Noch deutlicher fiel der Anstieg beim operativen Ergebnis aus: Es kletterte von 2 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro.
Die schwache Marktreaktion zeigt die hohen Erwartungen der Investoren an SAPs Cloud-Transformation. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern sein Geschäftsmodell konsequent umgebaut und den Verkauf klassischer On-Premises-Softwarelizenzen zugunsten cloudbasierter Dienste zurückgefahren.
KI-Boom weckt Zweifel an Legacy-Anbietern
Der aktuelle Kursrutsch steht auch im Kontext des anhaltenden KI-Booms. Bei Investoren wachsen die Bedenken, ob traditionelle Softwareanbieter wie SAP im Zeitalter künstlicher Intelligenz ihre Marktposition halten können. Der Druck auf Altsystem-Anbieter nimmt zu, während neue Technologieplayer mit KI-nativen Lösungen in den Markt drängen.
Der letzte vergleichbare Kurseinbruch ereignete sich im Oktober 2020, als die SAP-Aktie nach enttäuschenden Quartalszahlen um 22 Prozent eingebrochen war. Für deutsche Anleger bedeutet der aktuelle Rückschlag einen herben Dämpfer bei Europas größtem Softwarekonzern.
