Sanktionen für EY im Wirecard-Skandal
EY erhält Sanktionen wegen Berufspflichtverletzungen im Wirecard-Fall

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY steht in der Kritik, da sie die mutmaßlich gefälschten Bilanzen des ehemaligen DAX-Konzerns Wirecard jahrelang testiert hatte. Die Abschlussprüferaufsicht APAS hat nun Sanktionen gegen EY und fünf Wirtschaftsprüfer verhängt, da Berufspflichtverletzungen während der Prüfung der Abschlüsse des Zahlungsdienstleisters in den Jahren 2016 bis 2018 erwiesen seien.
EY muss eine Geldbuße von 500.000 Euro zahlen und darf zwei Jahre lang keine gesetzlichen Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse durchführen. Einzelne Wirtschaftsprüfer wurden mit Geldbußen von 23.000 bis 300.000 Euro sanktioniert. Die APAS wird nun die Bescheide fertigstellen, und die Betroffenen können Einspruch gegen diese einlegen.
Konrad Duffy von der Bürgerbewegung Finanzwende fordert, dass die APAS in Zukunft stärker auftreten muss, um Fehler wie bei Wirecard zu vermeiden. Es müsse eine klare Trennung zwischen Beratung und Prüfung geben, um Interessenskonflikte zu verhindern. Duffy betont, dass bei den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften noch einiges passieren müsse, um Testate wieder mehr Bedeutung zu geben. "Wir fordern Joint Audits, um die Marktmacht einiger Firmen langsam zu brechen und vor allem Betrug zu erschweren, da zwei Firmen prüfen."
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) begrüßt das Urteil grundsätzlich, kritisiert jedoch die lange Verfahrensdauer - vor allem vor dem Hintergrund, dass Ende 2023 die Verjährung der Schadenersatzansprüche der EY-Aktionäre drohe. Die SdK beanstandet zudem, dass das Verfahren der APAS nicht öffentlich ist und Anleger keine Einsicht in Zeugenaussagen und Verfahrensunterlagen hätten.
Wirecard brach im Sommer 2020 zusammen, nachdem der Vorstand eingestanden hatte, dass 1,9 Milliarden angeblich auf Treuhandkonten verbuchte Euro nicht auffindbar waren. Dem früheren Wirecard-Chef Markus Braun wird derzeit in München der Prozess gemacht. EY hatte die mutmaßlich gefälschten Bilanzen des ehemaligen DAX-Konzerns über Jahre testiert.
Das Urteil gegen EY im Fall Wirecard ist ein deutliches Signal, dass die Prüfungsgesellschaften sich besser an ihre Berufspflichten halten müssen. Es zeigt auch, dass es dringend notwendig ist, dass die Aufsichtsbehörden stärker auftreten und ihre Mechanismen verbessern, um zukünftige Finanzskandale zu vermeiden. Unternehmen, die sich als Wirtschaftsprüfer betätigen, tragen eine große Verantwortung, da sie das Vertrauen der Anleger und der Öffentlichkeit in die Wirtschaft stärken müssen.
