Sandvik erneuert Versöhnungsplan mit Aborigines in Australien
Neuer Innovate Reconciliation Action Plan 2026–2028 mit verbindlichen Zielvorgaben vorgestellt.

Der schwedische Ingenieurskonzern Sandvik hat in Australien einen neuen Innovate Reconciliation Action Plan (RAP) für die Jahre 2026 bis 2028 vorgelegt. Der Plan enthält verbindliche Verpflichtungen zur Beschäftigung von Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Personen, zur Beteiligung von Lieferanten aus den First Nations sowie zum Aufbau kultureller Kompetenzen im gesamten Unternehmen. Die Vorstellung erfolgte in der Sandvik-Filiale Kenwick in Boorloo, Perth.
Der zweijährige Plan sieht ein Mindestziel einer First-Nations-Vertretung von 3,5 Prozent vor, mit einem ambitionierten Zielwert von vier Prozent. Zudem sind verstärkte Einkäufe bei First-Nations-Lieferanten sowie die Einrichtung eines neuen First-Nations-Beratungsausschusses vorgesehen. Sandvik begann seine formelle Versöhnungsreise bereits im Jahr 2016 mit dem Projekt „Together Towards Tomorrow", gefolgt von einem Reflect RAP sowie Innovate RAPs für die Zeiträume 2020 bis 2022 und 2023 bis 2025. Der neue Plan baut auf diesen Arbeiten auf und enthält messbare Verpflichtungen für die kommenden zwei Jahre.
Die Details
Der RAP konzentriert sich auf vier zentrale Handlungsfelder: Beziehungen, Respekt, Chancen und Governance. Im Bereich Beziehungen will Sandvik das Engagement mit traditionellen Bewahrern, Ältesten, First-Nations-Organisationen, Kunden und Gemeinschaftspartnern stärken. Dazu gehören Initiativen, die First-Nations-Gemeinden direkt unterstützen.
Im Bereich Respekt wird das kulturelle Lernen und Erfahrungen vor Ort ausgebaut. Führende Führungskräfte werden an intensiven Erlebnissen mit lokalen traditionellen Eigentümern teilnehmen. Die Schulungen gegen Rassismus werden im gesamten Unternehmen fortgesetzt. Sandvik wird zudem Richtlinien und Praktiken überprüfen, um einen kulturell sicheren und inklusiven Arbeitsplatz zu unterstützen.
Im Bereich Chancen entwickelt Sandvik sein First-Nations-Pathways-Programm weiter, um Beschäftigungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen und Zugangswege in den Bergbau- und Ingenieurwesen zu stärken. Das Unternehmen will zudem nachhaltige kommerzielle Beziehungen zu Unternehmen ausbauen, die im Besitz von Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Personen sind und die kommerziellen Anforderungen sowie Kundenbedürfnisse erfüllen.
Der neue First-Nations-Beratungsausschuss wird dem Lenkungsausschuss für Versöhnung kulturell fundierte Ratschläge geben und so Governance und Rechenschaftspflicht stärken.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass Sandvik von Lucara Botswana einen bedeutenden Auftrag für die Karowe-Diamantenmine in Botswana erhalten hatte. Der Auftrag umfasste die Lieferung einer Flotte von 15 Untertage-Bohrgeräten und Ladern sowie Ersatzteile, Gesteinswerkzeuge und zugehörige Dienstleistungen. Der Auftrag wurde im zweiten Quartal verbucht; die Auslieferungen liefen bereits.
Am 16.09.2026 meldete aktien.news, dass Sandvik als einer der ersten Hersteller von Bergbaumaschinen die Zertifizierung nach IEC 62443-4-1 Maturity Level 3 (ML3) für seinen sicheren Produktentwicklungslebenszyklus erhalten hatte. Die Auszeichnung bestätigte unabhängig, dass Cybersicherheitspraktiken systematisch in die Entwicklung und Wartung der Bergbautechnologien des Konzerns integriert sind.
Im weiteren Kontext des australischen Bergbausektors hatte die Bergbau- und Energiekammer von Westaustralien (CME) am 09.06.2026 die Veröffentlichung einer Überprüfung der Native-Title- und Kulturerbe-Verfahren begrüßt. Der Bericht enthielt konkrete Empfehlungen, die darauf abzielen, Konsultationen und Vereinbarungen zwischen den traditionellen Eigentümern und Projektträgern zu straffen und zu verbessern. CME-CEO Aaron Morey machte damals deutlich, dass das bestehende System erhebliche Mängel aufweise.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der neue RAP ein Signal, dass Sandvik seine soziale Nachhaltigkeitsstrategie in Australien systematisch weiterentwickelt. Der Konzern hat sich mit messbaren Zielen – einer Mindestvertretung von 3,5 Prozent und einem ambitionierten Zielwert von vier Prozent First-Nations-Beschäftigten – öffentlich festgelegt. Solche verbindlichen Vorgaben zur Diversität und Lieferantenbeteiligung werden von institutionellen Investoren zunehmend als Kriterium für verantwortungsvolle Unternehmensführung bewertet.
Sandvik ist im australischen Bergbausektor tief verwurzelt, wie die jüngsten Aufträge für die Karowe-Diamantenmine und die Cybersicherheitszertifizierung zeigen. Die Versöhnungsarbeit mit den First Nations verbessert nicht nur das Unternehmensimage, sondern kann auch die soziale Betriebsgenehmigung – die sogenannte „social licence to operate" – in einer Branche stärken, die in Australien zunehmend mit strengeren Auflagen zum Kulturerbe und zu Native-Title-Verfahren konfrontiert ist.
Ausblick
Der neue RAP gilt für die Jahre 2026 bis 2028 und enthält messbare Verpflichtungen für die kommenden zwei Jahre. Die Priorität liegt nach Angaben von Alice Curry, Leiterin der sozialen Performance im Bergbaubereich bei Sandvik, nun auf der Umsetzung. Die Verpflichtungen sollen in alltäglichen Entscheidungen im gesamten Unternehmen widergespiegelt werden – in Arbeitsplätzen, bei der Personalgewinnung, in Lieferantenbeziehungen und im Gemeinschaftsengagement. Craig Johnston, Leiter des Verkaufs für Australien, Neuseeland und Papua-Neuguinea bei Sandvik, betonte, dass Versöhnung letztlich daran gemessen werde, was das Unternehmen tue.
Kurz erklärt
- Reconciliation Action Plan (RAP): Ein strategischer Rahmen, der Unternehmen in Australien dabei hilft, Beziehungen zu den indigenen Völkern – den Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Personen – aufzubauen und zu stärken.
- First Nations: Sammelbegriff für die indigenen Völker Australiens, also die Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften, die vor der europäischen Besiedlung auf dem Kontinent lebten.
- Social Licence to Operate: Die informelle gesellschaftliche Akzeptanz eines Unternehmens durch lokale Gemeinschaften und Interessengruppen, die über die gesetzlichen Genehmigungen hinausgeht.
