Ryanair droht mit massiven Flugstreichungen in Deutschland
Forderung nach Steuersenkungen und Gebührenerleichterungen zur Rettung des Luftverkehrsmarktes

Ryanair hat die Bundesregierung aufgefordert, die kürzlich erhöhte Luftverkehrssteuer zurückzunehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsmarktes zu verbessern. Der irische Billigflieger droht, andernfalls sein Angebot von deutschen Flughäfen im kommenden Sommer um weitere zehn Prozent oder 1,5 Millionen Sitzplätze zu reduzieren. Diese Kapazitäten sollen stattdessen in Länder mit günstigerer Kostenbasis verlagert werden. Hintergrund dieser Forderung ist die aus Sicht des Unternehmens hohe staatliche Kostenbelastung, die den Luftverkehr in Deutschland besonders teuer macht. Ryanair kritisiert, dass sich der deutsche Markt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern am langsamsten von den Folgen der Covid-19-Pandemie erholt hat.
Neben der Rücknahme der Luftverkehrssteuer fordert Ryanair auch abgesenkte Gebühren für die Flugsicherung und den Verzicht auf die geplante Erhöhung der Gebühren für Luftsicherheitskontrollen an Flughäfen. Diese Kostensteigerungen tragen laut dem Unternehmen erheblich dazu bei, dass die Flugpreise in Deutschland zu den höchsten in Europa gehören. Der CEO von Ryanair, Eddie Wilson, bezeichnete den deutschen Luftverkehrsmarkt als „zerrüttet“ und forderte dringend Maßnahmen, um diesen zu sanieren. Er macht dafür nicht nur die staatlichen Steuern und Gebühren verantwortlich, sondern auch das „Hochpreis-Monopol der Lufthansa“, das aus Sicht von Ryanair zu den hohen Preisen für Flüge in Deutschland beiträgt.
Die Kritik von Ryanair wird durch aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts untermauert, die zeigen, dass die Flugpreise in Deutschland weiterhin auf einem hohen Niveau liegen. Während die Preise für Langstreckenflüge im ersten Halbjahr 2024 leicht gesunken sind, stiegen die Preise für Europaflüge im gleichen Zeitraum um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Anstieg erfolgt trotz eines bereits sehr hohen Preisniveaus im Vorjahreszeitraum, was die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsmarktes weiter verstärkt.
Auch der deutsche Branchenverband BDL teilt die Kritik an der hohen Kostenbelastung und hat ein Belastungsmoratorium für die Luftfahrt gefordert. Der Verband sieht, ebenso wie Ryanair, in den steigenden Kosten eine Gefahr für die Erholung des Luftverkehrs in Deutschland und fordert die Politik zum Handeln auf. Ryanair setzt mit der Drohung, weitere Flüge von deutschen Flughäfen zu streichen, die Bundesregierung unter Druck, auf ihre Forderungen einzugehen und damit den deutschen Luftverkehrsmarkt wettbewerbsfähiger zu machen.
