Rivian streicht über 600 Stellen
Nach Auslaufen der US-Steuergutschrift sinkt die Nachfrage nach Elektroautos spürbar

Rivian Automotive wird mehr als 600 Stellen streichen, was rund 4,5 Prozent der Belegschaft entspricht. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor. Der US-Hersteller von Elektrofahrzeugen reagiert damit auf eine nachlassende Nachfrage, nachdem ein zentraler Steueranreiz ausgelaufen ist. Der Wegfall der im September ausgelaufenen US-Steuergutschrift von 7.500 Dollar für den Kauf und das Leasing neuer Elektroautos hat die Preise effektiv erhöht und dürfte die Verkaufszahlen bis zum Jahresende belasten.
Konzernchef RJ Scaringe teilte in einer E-Mail an die Mitarbeiter mit, dass diese Entscheidung nicht leichtgefallen sei. Angesichts der veränderten Marktbedingungen müsse das Unternehmen seine Vertriebs- und Marketingstrukturen neu ausrichten. Im Zuge der Restrukturierung werden verschiedene Bereiche zu den Einheiten Service, Vertrieb und Marketing zusammengeführt. Rivian plant zudem die Einstellung eines Chief Marketing Officer, um die Markenpositionierung zu stärken.
Trotz der Ankündigung legten die Rivian-Aktien am Donnerstag um 1,3 Prozent zu. Das Unternehmen kämpft weiterhin mit hohen Produktionskosten, die unter anderem durch die von der Regierung Trump verhängten Zölle auf importierte Teile gestiegen sind. Diese Maßnahmen haben die Lieferketten belastet und die Hersteller gezwungen, ihre Produktion stärker in den USA zu verankern und die Abhängigkeit von ausländischen Komponenten zu reduzieren.
Analysten rechnen damit, dass Rivians Quartalsumsatz im dritten Quartal um 71,5 Prozent steigen und der Verlust sinken wird, wenn die Ergebnisse am 4. November veröffentlicht werden. Das Unternehmen hatte Anfang Oktober seine Jahresprognose für Fahrzeugauslieferungen leicht nach unten korrigiert, obwohl die Auslieferungen im dritten Quartal um rund 32 Prozent zulegten. Der Anstieg resultierte vor allem aus einem kurzfristigen Nachfrageanstieg vor dem Auslaufen der staatlichen Förderung.
Rivian konzentriert sich nun darauf, die Effizienz in seinem Werk in Normal, Illinois, zu verbessern und die Produktionsprozesse zu straffen, um die Kosten an die geringere Nachfrage anzupassen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an der Einführung der neuen R2-Modelle, mit denen Rivian künftig auch das mittlere Preissegment bedienen will. Die R2-Fahrzeuge sollen die Nachfrage im Massenmarkt ankurbeln und dem erfolgreichen Tesla Model Y Konkurrenz machen.
