Rivian-Aktie steigt 24%: Neues R2-SUV für 45.000 Dollar beflügelt Prognose
Elektroautobauer setzt auf erschwingliches Modell ab zweitem Quartal - Auslieferungen sollen 2026 um 53% steigen

Die Aktie des US-Elektroautobauers Rivian ist am Freitag um 24 Prozent in die Höhe geschossen. Grund für die Kursexplosion ist die optimistische Prognose des Unternehmens für sein neues, günstigeres SUV-Modell R2. Der Wagen soll ab dem zweiten Quartal zu einem Startpreis von rund 45.000 Dollar auf den Markt kommen – ein direkter Konkurrent zu Teslas Model Y.
Der Schritt markiert eine strategische Neuausrichtung für Rivian, das bislang vor allem für seine hochpreisige R1-Fahrzeugfamilie bekannt war. Mit dem R2 will das Unternehmen eine breitere Käuferschicht ansprechen und den Absatz nach dem Wegfall der staatlichen Steuervergünstigung von 7.500 Dollar wieder ankurbeln. Die Trump-Administration hatte die Förderung für Elektrofahrzeuge gestrichen, was die gesamte Branche unter Druck setzte.
Für 2026 prognostiziert Rivian einen Anstieg der Auslieferungen um 53 Prozent auf 62.000 bis 67.000 Fahrzeuge. Analysten von Visible Alpha hatten mit 64.130 Einheiten gerechnet. "Für die Aktie selbst ist nichts wichtiger als eine rechtzeitige Markteinführung des R2-SUV, und in dieser Hinsicht bleibt Rivian im Wesentlichen auf Kurs", kommentierten die Analysten von Piper Sandler.
Branchenweiter Trend zu günstigeren Modellen
Rivian steht mit seiner Strategie nicht allein da. Die gesamte Elektroautobranche schwenkt auf erschwinglichere Modelle um, um die stockende Nachfrage wieder anzukurbeln. Ford konzentriert sich auf die schnelle Entwicklung eines E-Autos für 30.000 Dollar, während General Motors seinen Bolt EV zu einem Preis knapp unter 30.000 Dollar wieder eingeführt hat.
Selbst Tesla hat reagiert und den Verkauf seiner Oberklasse-Limousinen Model S und der SUVs des Typs Model X eingestellt. Stattdessen setzt der Marktführer auf abgespeckte Varianten der massentauglichen Modelle Y und 3. Auch der Luxus-Elektroautobauer Lucid, bekannt für seine Air-Limousinen und Gravity-SUVs, hat günstigere Versionen auf den Markt gebracht.
Die politischen Änderungen haben die Branche hart getroffen. Mehrere Unternehmen drosselten die Produktion von Elektrofahrzeugen und schwenkten teilweise auf Hybrid- und Benzinmodelle um. Ford und General Motors mussten deshalb Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen.
Positive Signale trotz anhaltender Verluste
Trotz der positiven Entwicklung bleibt Rivian weiterhin unrentabel. Die Ergebnisse des vierten Quartals deuten jedoch darauf hin, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg ist. "Rivian hatte auf seinem Weg zu einem wichtigen Akteur in der Welt der Elektrofahrzeuge mit einigen Problemen zu kämpfen, doch die Ergebnisse des vierten Quartals deuten darauf hin, dass das Unternehmen in die Spur findet", sagte Dan Coatsworth, Leiter der Märkte bei AJ Bell.
Sollten die Gewinne aus dem vorbörslichen Handel anhalten, würde Rivian seinen Marktwert von 17,16 Milliarden Dollar um mehr als 4 Milliarden Dollar steigern. Im vergangenen Jahr legte die Aktie bereits um 48 Prozent zu, was teilweise auf den Optimismus rund um das R2-Modell zurückzuführen war.
Allerdings bleibt die allgemeine Stimmung im Elektrofahrzeugsektor in diesem Jahr gedämpft. Die Rivian-Aktie verlor seit Jahresbeginn 29 Prozent, während Tesla rund 7 Prozent einbüßte. Die Branche kämpft mit den Folgen der geänderten Förderpolitik und einer abwartenden Haltung vieler Konsumenten.
