Richemont übertrifft Erwartungen: Luxusaktien unter Druck
Der Schweizer Luxuskonzern Richemont meldet starke Quartalszahlen dank robuster Schmucknachfrage und China-Erholung. Dennoch geben europäische Luxusaktien nach – Anleger bleiben vorsichtig.

Die europäischen Luxusaktien zeigten sich am Donnerstag schwächer, obwohl Richemont mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen übertroffen hat. Der Schweizer Konzern, zu dem die Edelmarke Cartier gehört, profitierte von einer starken globalen Schmucknachfrage und weiteren Erholungssignalen aus dem wichtigen chinesischen Markt.
Richemont übertrifft Prognosen deutlich
Richemont meldete für das dritte Quartal (September bis Dezember) Umsätze von 6,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 4 Prozent im Jahresvergleich in berichteten Währungen und übertraf die Konsensprognose von 6,28 Milliarden Euro deutlich. Auf währungsbereinigter Basis legte der Umsatz sogar um 11 Prozent zu.
Die Aktie des Cartier-Eigentümers legte nach Veröffentlichung der Zahlen zunächst zu, drehte jedoch später ins Minus und verlor rund 1 Prozent. Auch andere europäische Luxuswerte gerieten unter Druck: LVMH gab 0,7 Prozent nach, Brunello Cucinelli verlor 1,4 Prozent und Kering fiel um 3 Prozent. Moncler sank in Mailand um 1,8 Prozent, während Burberry in London 1,6 Prozent einbüßte.
China-Geschäft zeigt Erholung
Besonders ermutigend entwickelte sich das Geschäft in Großchina, das nach Schätzungen der Bank Vontobel knapp 20 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht und damit Richemonts zweitgrößter Markt nach den USA ist. In China, Hongkong und Macau stiegen die Umsätze im Quartal um 2 Prozent. Richemont führte die positive Performance "größtenteils auf eine solide Aktivität in Hongkong" zurück.
Dies markiert das zweite Quartal in Folge mit einer Verbesserung in der Region, nachdem im vorangegangenen Dreimonatszeitraum bereits ein Anstieg von 7 Prozent verzeichnet wurde. Für Investoren ist die Entwicklung in China ein wichtiger Indikator, da der Markt als Wachstumstreiber für die gesamte Luxusbranche gilt.
Schmuck als Wachstumstreiber
Schmuck blieb die herausragende Kategorie im Portfolio von Richemont. Die Umsätze kletterten um beeindruckende 14 Prozent. Der Konzern führte die Stärke teilweise auf die Einführung neuer Artikel wie Armbänder und Anhänger zurück, die in etwas niedrigeren Preissegmenten positioniert waren und während der wichtigen Geschenksaison großen Anklang fanden.
Auch die Uhrensparte, zu der Marken wie IWC und Jaeger-LeCoultre gehören, trug zur positiven Dynamik bei. Hier stiegen die Umsätze um 7 Prozent und untermauerten den insgesamt starken Quartalstrend.
Ausblick auf Berichtssaison 2026
Das Handels-Update von Richemont ist einer der ersten Indikatoren für die Luxusnachfrage im Vorfeld des Jahres 2026. LVMH wird seine Jahresergebnisse später in diesem Monat veröffentlichen, gefolgt von Hermes und dem Gucci-Eigentümer Kering im Februar. Anfang dieser Woche hatte bereits Brunello Cucinelli als erstes Luxusunternehmen in dieser Berichtssaison Quartalsumsatzzahlen vorgelegt und einen Sprung von 11,5 Prozent bei den Umsätzen des Jahres 2025 verzeichnet.
Investoren suchen nach Anzeichen, ob sich der Luxussektor nach einem volatilen Jahr stabilisieren kann. Das vergangene Jahr war geprägt von geopolitischer Unsicherheit und dem Zusammenbruch von Saks Global, einer der größten Einzelhandelsgruppen der Branche. Die vorsichtige Reaktion der Märkte auf die starken Richemont-Zahlen deutet darauf hin, dass Anleger trotz positiver Signale weiterhin zurückhaltend bleiben.
