Revolut setzt neue Maßstäbe im globalen Bankwesen
Rasantes Wachstum und fehlende Lizenz prägen den Aufstieg der Neobank

Das Wachstum der britischen Neobank Revolut setzt sich mit bemerkenswerter Dynamik fort. Das Unternehmen erreicht inzwischen 65 Millionen Kunden in 39 Ländern und verzeichnet seit Beginn des Jahres 2024 ein Neukundenwachstum von mehr als 82 Prozent. Für das vergangene Geschäftsjahr weist Revolut einen Gewinn vor Steuern von 1,4 Milliarden Dollar aus, was einem Anstieg von 149 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Mit einer jüngst erzielten Bewertung von 75 Milliarden Dollar übertrifft das Fintech etablierte britische Großbanken wie Barclays, Natwest und Lloyds sowie die Deutsche Bank, deren Marktkapitalisierung bei rund 70 Milliarden Dollar liegt.
Branchenexperten beobachten diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Die ungewöhnlich hohe Expansionsgeschwindigkeit sorgt dafür, dass Revolut zunehmend als ernstzunehmender Konkurrent wahrgenommen wird. Die globale Multiplattform des Unternehmens für Währungs-, Krypto- und Wertpapiergeschäfte hat frühzeitig eine breite Nutzerbasis geschaffen und bietet einen Funktionsumfang, der viele Wettbewerber unter Zugzwang setzt. Auch deutsche Anbieter wie N26 und Trade Republic rücken damit stärker in den direkten Wettbewerb mit dem Londoner Fintech.
Trotz des Wachstums bestehen strukturelle Herausforderungen. Revolut wartet in Großbritannien weiterhin auf die vollständige Banklizenz, deren Erteilung seit 2021 aussteht. Die Aufsichtsbehörden fordern einen Nachweis, dass das interne Risikomanagement mit der Expansion Schritt halten kann. Solange die Lizenz nicht erteilt ist, kann das Unternehmen in seinem Heimatmarkt zentrale Bankdienstleistungen wie Einlagengeschäft und Kreditvergabe nur eingeschränkt anbieten. Interne Stimmen sprechen zudem von Wachstumsschmerzen, die sich aus der rasanten Entwicklung ergeben.
Das Interesse von Investoren bleibt dennoch hoch. In der jüngsten Finanzierungsrunde beteiligten sich internationale Kapitalgeber, darunter ein US-Vermögensverwalter und ein Halbleiterkonzern. Revolut sieht darin eine Bestätigung seines Geschäftsmodells, das auf eine Kombination aus kostenfreien Basisfunktionen, zusätzlichen gebührenpflichtigen Dienstleistungen und einer schnellen globalen Skalierung setzt. Ziel ist es, 100 Millionen täglich aktive Kunden in 100 Ländern zu erreichen.
Besonders in Deutschland gewinnt Revolut zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Kunden liegt aktuell bei 2,5 Millionen und hat sich seit Anfang des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt. Im Vergleich dazu zählt N26 rund fünf Millionen Kunden und Trade Republic mehr als zehn Millionen. Während N26 in den vergangenen Jahren durch regulatorische Beschränkungen gebremst wurde, konnte Revolut ohne solche Auflagen expandieren. Die strategische Ausrichtung unterscheidet sich zwar von Neobrokern wie Trade Republic, dennoch nähern sich die Produktportfolios zunehmend an. Revolut verfolgt indes weiterhin die Vision, die erste wirklich globale digitale Bank zu werden.
