Regulatorische Hürden für Brasiliens Goldminen: Funai bremst Serabi und Belo Sun
Serabi Gold senkt die Produktionsprognose 2026, Belo Sun muss die Genehmigung für Volta Grande aussetzen.

Der brasilianische Goldbergbau steht vor wachsenden regulatorischen Hürden. Zwei an kanadischen Börsen notierte Unternehmen – Serabi Gold und Belo Sun Mining – sehen sich mit Verzögerungen bei Genehmigungen und gerichtlichen Eingriffen konfrontiert. Im Zentrum beider Fälle steht die brasilianische Nationalstiftung für indigene Völker (Funai), deren Prüfungen über den Fortgang der Projekte entscheiden.
Serabi Gold (TSX: SBI; AIM: SRB) hat am 22. Oktober 2026 seine Produktionsprognose für das Jahr 2026 um 17 Prozent gesenkt. Statt der zuvor erwarteten mehr als 53.000 Unzen Gold rechnet das Unternehmen nun mit einer Fördermenge nahe der 44.169 Unzen, die 2025 erzielt wurden. Grund sind regulatorische Engpässe, die den Transport von Erz von der Mine Coringa zur erweiterten Aufbereitungsanlage Palito verhindern.
Belo Sun Mining (TSX: BSX) traf parallel ein neuer rechtlicher Rückschlag. Der Oberste Bundesgerichtshof Brasiliens (STF) hat die Installationsgenehmigung für das 300 Millionen US-Dollar teure Goldprojekt Volta Grande vorläufig ausgesetzt. Die Aussetzung gilt so lange, bis eine Vergleichsvereinbarung zwischen dem Unternehmen und Funai die formelle gerichtliche Genehmigung erhält.
Die Details
Bei Serabi Gold liegt der Kern des Problems in der Genehmigungslage. Zwar hat das Unternehmen die Verarbeitungskapazität der Palito-Anlage von 650 auf über 900 Tonnen pro Tag erhöht. Doch die Testabbaugenehmigung (trial mining license) für Coringa begrenzt den jährlichen Erztransport auf 100.000 Tonnen. Bis zum 30. September hatte Serabi bereits 85.602 Tonnen verschifft, sodass unter den aktuellen Vorgaben kaum Spielraum für weitere Produktion bleibt.
CEO Mike Hodgson erklärte, die indigenen Gruppen hätten die erforderlichen Auswirkungsstudien bereits genehmigt; die endgültige Zustimmung von Funai stehe jedoch weiterhin aus. Es gab dennoch prozedurale Fortschritte: Die Umweltbehörde des Bundesstaates Pará stimmte zu, dass Coringa die Phase der Installationsgenehmigung überspringen kann. Damit kann das Unternehmen direkt eine Betriebsgenehmigung beantragen, sobald die verbleibenden föderalen Genehmigungen vorliegen.
In der Zwischenzeit setzt Serabi am Standort Coringa auf Erzsortiertechnologie, um die Qualität des nach Palito transportierten Materials zu maximieren. Zudem arbeitet das Unternehmen daran, Coringa bis zum Jahresende auf einen stärker mechanisierten Abbau umzustellen. Nach der Ankündigung fielen die Serabi-Aktien in Toronto um 13 Prozent auf 3,70 US-Dollar.
Bei Belo Sun geht es um das Volta Grande Projekt. Die STF-Aussetzung folgt einem Antrag der brasilianischen Bundesstaatsanwaltschaft (MPF), die die Umweltgenehmigung des Projekts und die Angemessenheit der Studien zu den Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften seit Langem infrage stellt. Der Richter am Obersten Gerichtshof, Edson Fachin, betonte die Größenordnung des Projekts und den kumulativen Umweltdruck, den der nahe gelegene Belo-Monte-Wasserkraftdamm bereits auf die Region ausübt. Fachin erklärte, die Fortsetzung des Projekts in diesem Stadium berge das Risiko eines "schweren Schadens für die öffentliche Ordnung und die Umwelt".
Belo Sun hält geschätzte Reserven von rund 3,8 Millionen Unzen Gold bei einer prognostizierten Minenlebensdauer von 17 Jahren. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, alle physischen Eingriffe vor Ort auszusetzen, solange das Vergleichsverfahren läuft. Eine Vergleichsvereinbarung wurde bereits beim Bundesregionalgericht der 1. Region (TRF-1) eingereicht, eine Entscheidung steht noch aus. Um diese Phase erhöhter rechtlicher und regulatorischer Unsicherheit zu bewältigen, hat Belo Sun kürzlich Clovis Torres, einen ehemaligen Juristen des Bergbauriesen Vale, zum Interims-CEO ernannt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Entwicklungen sind Teil einer längeren Auseinandersetzung. Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass Belo Sun Mining einen bedeutenden juristischen Sieg für sein Volta Grande Goldprojekt im Bundesstaat Pará errungen habe. Dieser Durchbruch galt als Wendepunkt für das Unternehmen, das seit mehreren Jahren ein komplexes regulatorisches und juristisches Umfeld navigiert. Für Investoren stellte die Entscheidung eine deutliche Reduzierung des Projektrisikos dar.
Doch der Streit war damit nicht beendet. Am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass das brasilianische Oberste Gericht einen Antrag auf Aussetzung der wiederhergestellten Baugenehmigung für Volta Grande prüft. Der Fall drehte sich um ungelöste Bedenken hinsichtlich der Konsultation indigener Gemeinschaften und der Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Bundesstaatsanwaltschaft Brasiliens (MPF) hatte ihren Rechtsstreit gegen Belo Sun verschärft und das oberste Gericht aufgefordert, die Baugenehmigung für das Goldprojekt im Amazonasgebiet sofort auszusetzen.
Auch bei Serabi Gold gab es zuletzt positive operative Nachrichten. Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass das Unternehmen kurz vor dem Abschluss seines Brownfield-Erkundungsprogramms für 2026 stehe. Serabi erzielte nach eigenen Angaben vielversprechende Bohrergebnisse mit hohen Erzgehalten an den Projekten Palito und Coringa. Aktualisierte Schätzungen der Mineralressourcen (MRE) für beide Standorte werden für das erste Quartal des kommenden Jahres erwartet. Am Standort Coringa wurden im Rahmen des Programms 9.309 Meter in 42 Diamantbohrungen niedergebracht.
Der Druck auf Bergbauunternehmen, indigene Gemeinschaften einzubeziehen, zeigt sich auch außerhalb Brasiliens. Am 09.06.2026 berichtete aktien.news über ein Gerichtsurteil zum KSM-Projekt des kanadischen Goldentwicklers Seabridge Gold in British Columbia. Der Oberste Gerichtshof der Provinz bestätigte die Feststellung der Umweltprüfungsbehörde grundsätzlich als angemessen, stellte jedoch einen Verfahrensmangel fest, weil die Behörde die indigene Konsultation nicht ausreichend berücksichtigt hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigen die beiden Fälle, wie stark regulatorische und juristische Risiken den Kurs von Rohstoffaktien bewegen können. Bei Serabi schlug die gesenkte Produktionsprognose unmittelbar auf den Aktienkurs durch, der in Toronto um 13 Prozent auf 3,70 US-Dollar fiel. Das verdeutlicht, dass Genehmigungsfragen nicht nur ein rechtliches, sondern ein unmittelbar operatives und finanzielles Risiko darstellen.
Bei Belo Sun ist die Lage anders gelagert: Hier handelt es sich um einen langwierigen Rechtsstreit, der internationale Aufmerksamkeit erregt hat, unter anderem durch öffentlichen Widerstand von Umweltaktivisten wie Leonardo DiCaprio. Beide Unternehmen betonen, in gutem Glauben an der Erfüllung der brasilianischen Regierungsauflagen zu arbeiten. Serabi verfolgt eine Verlängerung seiner Testlizenz über die Nationale Bergbauagentur, Belo Sun erklärt, seine Verpflichtungen aus der vorgeschlagenen Vergleichsvereinbarung zu erfüllen.
Beide Fälle machen deutlich, dass Bergbauunternehmen in Brasilien robuste Beziehungen zu föderalen Behörden und indigenen Interessengruppen aufbauen müssen, um die gesellschaftliche Betriebserlaubnis (social license to operate) in einem zunehmend komplexen regulatorischen Umfeld zu sichern. Anleger sollten Genehmigungs- und Gerichtsverfahren daher als zentralen Bestandteil der Risikobewertung behandeln.
Ausblick
Bei Serabi Gold hängt der weitere Verlauf von zwei Faktoren ab: der Verlängerung der Testlizenz durch die Nationale Bergbauagentur und der noch ausstehenden endgültigen Genehmigung von Funai. Sobald die verbleibenden föderalen Genehmigungen vorliegen, kann das Unternehmen direkt eine Betriebsgenehmigung für Coringa beantragen. Zudem will Serabi Coringa bis zum Jahresende auf einen stärker mechanisierten Abbau umstellen.
Bei Belo Sun wartet das Unternehmen auf die Entscheidung des Bundesregionalgerichts der 1. Region (TRF-1) zur eingereichten Vergleichsvereinbarung. Bis dahin bleiben alle physischen Eingriffe vor Ort ausgesetzt. Aktualisierte Mineralressourcenschätzungen für Palito und Coringa werden bei Serabi für das erste Quartal des kommenden Jahres erwartet.
Kurz erklärt
- Funai: brasilianische Nationalstiftung für indigene Völker, die die Auswirkungen von Projekten auf indigene Gemeinschaften prüft.
- Trial mining license: befristete Testabbaugenehmigung, die Fördermengen und Transportmengen begrenzt.
- Social license to operate: gesellschaftliche Akzeptanz eines Bergbauprojekts durch Behörden und lokale Gemeinschaften.
- Installationsgenehmigung: behördliche Erlaubnis, mit den baulichen Arbeiten eines Projekts zu beginnen.
