Prozess gegen Winterkorn vorerst gestoppt
Gericht stellt Verfahren wegen Erkrankung ein – Verhandlungsfähigkeit wird weiterhin geprüft

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wird vorerst nicht weiter vor Gericht stehen. Das Landgericht Braunschweig hat das Strafverfahren gegen den 78-Jährigen wegen seiner anhaltenden Erkrankung vorläufig eingestellt. Die zuständige Wirtschaftsstrafkammer sieht darin ein temporäres Hindernis für die Fortführung des Prozesses. Winterkorn gilt aktuell als verhandlungsunfähig, wie das Gericht mitteilte.
Ob das Verfahren überhaupt wieder aufgenommen werden kann, bleibt offen. Ein gerichtlich beauftragter Sachverständiger soll regelmäßig prüfen, ob sich der Gesundheitszustand des ehemaligen Topmanagers verbessert. Falls Winterkorn wieder als verhandlungsfähig eingestuft wird, soll das Verfahren fortgesetzt werden. Der frühere Vorstandschef von Volkswagen war eine zentrale Figur in der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen.
Die Ermittlungen und Verfahren gegen frühere VW-Führungskräfte begannen Jahre nach dem Auffliegen des Abgasskandals im Jahr 2015. Bereits im Mai 2025 hatte dasselbe Gericht vier ehemalige Führungskräfte des Konzerns wegen Betrugs verurteilt. Zwei der Angeklagten erhielten Haftstrafen, während zwei weitere zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden. Winterkorn war ursprünglich als Mitangeklagter vorgesehen, sein Verfahren wurde jedoch schon vor dem Prozessauftakt im September 2021 wegen gesundheitlicher Bedenken abgetrennt.
Der eigentliche Strafprozess gegen Winterkorn begann schließlich 2024. Schon am zweiten Verhandlungstag wies er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Er betonte, dass seine erfolgreiche Karriere durch die Affäre erheblich beschädigt worden sei. Kurz nach Beginn des Prozesses kam es zu einem Unfall Winterkorns, der den Fortgang der Verhandlung erneut stoppte.
Hintergrund des Skandals ist die gezielte Manipulation von Abgaswerten durch eine spezielle Software in Millionen von Dieselfahrzeugen. Diese Software erkannte Prüfstandbedingungen und reduzierte nur dann die Schadstoffemissionen, während im realen Straßenbetrieb deutlich höhere Werte ausgestoßen wurden. Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörde EPA die Manipulationen eingeräumt. Konzernchef Winterkorn trat wenige Tage später zurück.
Die finanziellen Folgen für Volkswagen waren erheblich. Insgesamt bezifferte der Konzern die Kosten infolge der Dieselkrise auf rund 33 Milliarden Euro. Neben einem Milliardenbußgeld an das Land Niedersachsen zahlte VW auch Entschädigungen an etwa eine Viertelmillion betroffener Dieselbesitzer. In einem parallelen Anlegerverfahren geht es seit 2018 um milliardenschweren Schadensersatz wegen Kursverlusten für Investoren.
